Norderstedt
Bad Segeberg

Wie die Geldquelle Karl-May-Spiele sprudelt

Jubel in Bad Segeberg: Erstmals in der Geschichte der Karl-May-Spiele wird 2019 die Grenze von 400.000 Besuchern geknackt. Damit konnten die Zuschauerzahlen zum siebten Mal in Folge gesteigert werden.

Jubel in Bad Segeberg: Erstmals in der Geschichte der Karl-May-Spiele wird 2019 die Grenze von 400.000 Besuchern geknackt. Damit konnten die Zuschauerzahlen zum siebten Mal in Folge gesteigert werden.

Foto: Kalkberg GmbH

400.000-Zuschauer-Grenze geknackt. Kein Open-Air-Theater in Deutschland ist erfolgreicher. Stadt kassiert Millionengewinn.

Bad Segeberg.  Vor 40 Jahren wurde ernsthaft darüber nachgedacht, die Karl-May-Spiele wegen Erfolglosigkeit einzustellen – das wäre aus heutiger Sicht ein gewaltiger Fehler gewesen. Die Spiele in der Freilichtarena am Kalkberg haben sich inzwischen zu einer Attraktion ersten Ranges entwickelt: 402.110 Besucher kamen in der gerade zu Ende gegangenen Saison, um sich Winnetous Abenteuer „Unter Geiern“ anzusehen. Kein Open-Air-Theater in Deutschland ist erfolgreicher, kein Privattheater erwirtschaftet mehr Gewinn.

Grund zum Jubeln also in Bad Segeberg. Der Prestigegewinn ist erheblich, der tatsächliche Gewinn, den die Kalkberg GmbH in der Saison 2019 verbucht, ist enorm und wiegt schwer. Noch steht das finanzielle Ergebnis nicht fest, aber durch Gewinnabführung, Gewerbesteuer, Tourismusabgabe und die Pacht des Freilichttheaters erhält die Stadt als Hauptgesellschafter der GmbH jährlich mindestens eine Million Euro. In diesem Jahr werden es vermutlich noch ein paar Euro mehr sein.

Aus dem Schneider sind die Karl-May-Spiele immer dann, wenn mindestens 200.000 Besucher kommen – eine Lachnummer für alle Beteiligten. Seit 1987 wird diese Zuschauermarke ständig überschritten. Bürgermeister Dieter Schönfeld betrachtet die Spiele als „Lebensader der Stadt Bad Segeberg“.

Durch Digitalisierung einfacher an Tickets kommen

Warum werden die Segeberger Indianerspiele im digitalen Zeitalter immer erfolgreicher? Die Gründe sind vielfältig. Einer der Hauptgründe ist technischer Natur: Seitdem die Eintrittskarten online gelöst werden können, sind viele Vorstellungen schon Wochen vorher ausverkauft. Der lästige Gang zur Vorverkaufsstelle oder zur Abendkasse entfällt für die meisten Besucher. Die Karl-May-Spiele sind längst zu einem Event geworden für das die Karten rechtzeitig geordert werden. Vergleichbar mit Großkonzerten in Hallen oder Stadien. Auch wenn die Akteure nur Mittelmaß abliefern sollten, strömen die Zuschauer. Schon jetzt können Eintrittskarten für die kommende Saison bestellt werden.

Mittelmaß allerdings wird in Bad Segeberg nicht abgeliefert. Zwar war die diesjährige Inszenierung nicht die beste in der Segeberger Karl-May-Geschichte, aber sie bot alles, was die Zuschauer wollen: Spannung, Action, Explosionen, Humor, Klamauk und putzige Tiere. Dazu wurden Schauspieler engagiert, die sich gut in das Ensemble einfügten, und mit Alexander Klaws agierte ein Winnetou, der gegenüber seinen Vorgängern einen entscheidenden Vorteil hat: Er verfügt über sehr viel Bühnenerfahrung. Seinen Bekanntheitsgrad hat er nicht seichten TV-Rollen zu verdanken, sondern hauptsächlich seiner Präsenz als Musicaldarsteller. Er wird vom Publikum geliebt wie in dieser Rolle einst Gojko Mitic. Ein Vergleich zu Pierre Brice wäre zwar noch etwas gewagt, aber insgesamt ist er ein Glücksgriff für die Segeberger Karl-May-Spiele.

Stadt will das Verkehrskonzept überprüfen

In Bad Segeberg überwiegt zwar die Freude, es gibt aber auch nachdenkliche Gesichter. 80 Anlieger haben sich zusammengetan und einen Beschwerdebrief an den Bürgermeister geschrieben. Einfahrten und Straßen werden während der Aufführungen zugeparkt, obwohl genügend Parkplätze zur Verfügung stehen. Manche Besucher scheuen die längeren Fußwege und parken lieber in der näheren Umgebung des Theaters. Wolfgang Schroeder, Anlieger der Lübecker Landstraße, formuliert seinen Protest so: „Die Spiele sind attraktiver geworden und locken immer mehr Besucher an, aber der Verkehr wird über dieselben kleinen Straßen abgewickelt wie vor 35 Jahren. Das kann natürlich nicht funktionieren.“ Die Stadt will das Verkehrskonzept überprüfen.