Norderstedt
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1990 bis 1994 – Die U-Bahn wird verlängert

Am 10. September 1991 wurde im Abendblatt  über den Beginn der U-Bahn-Verlängerung berichtet. Bürgermeister Volker Schmidt (rechts) und Landrat Georg Gorrissen mit dem Stationsschild.

Am 10. September 1991 wurde im Abendblatt über den Beginn der U-Bahn-Verlängerung berichtet. Bürgermeister Volker Schmidt (rechts) und Landrat Georg Gorrissen mit dem Stationsschild.

Foto: Herbert Lau Archiv / Herbert Lau

Die U-Bahn wird gebaut, sonst wird kein Fettnäpfchen ausgelassen. Die Stadtratswahl wird zur Farce, die nutzlose Kulturruine zur Lachnummer.

Norderstedt.  Es geht voran mit Norderstedt: Am 10. September 1991 wird der Baubeginn der U-Bahnverlängerung von Garstedt nach Norderstedt-Mitte zu einem spektakulären Volksfest. 200 Millionen Mark werden hier in der Erde versenkt. Die Feier hat Stil, aber ansonsten blamieren sich Norderstedts Volksvertreter, wo sie nur können, und sorgen außerhalb Norderstedts für allgemeine Heiterkeit.

Zu einer landesweiten Lachnummer gerät die Wahl des zweiten Stadtrats, der das Kultur- und Sozialdezernat übernehmen soll. Heinz Bischoff (CDU), zwölf Jahre lang Amtsinhaber und von allen Fraktionen in der Stadtvertretung geschätzt, darf trotzdem nicht weitermachen: Die SPD möchte den Posten mit einer Person aus ihren Reihen besetzen. Es wird mehrfach gewählt – stets vergeblich. Schließlich bekommt Heinz Bischoff doch eine Mehrheit in der Stadtvertretung und wird erneut zum Stadtrat gewählt. Die Freude hält allerdings nur wenige Tage an: Die SPD ficht die Wahl an, weil zwei ihrer Fraktionsmitglieder nicht anwesend waren. Das Kieler Innenministerium erklärt die Wahl tatsächlich für ungültig, Bischoff darf nicht weitermachen, aber ein Nachfolger ist bis Ende 1994 nicht in Sicht.

Eine weitere Blamage für Norderstedts Politik ist der jahrelange Leerstand der Kultursäle am Rathaus, mit Millionenaufwand gebaut, dann aber ohne Innenausbau nutzungslos verkümmernd. Experten haben es damals ausgerechnet: Dieser Zustand des Gebäudes kostet die Steuerzahler 5000 Mark täglich.

Verhältnismäßig schnell geht es indessen bei der Wahl des neuen Norderstedter Bürgermeisters: Wilhelm Petri (SPD), Stadtdirektor in Achim, wird Nachfolger von Volker Schmidt (SPD), der als Staatssekretär in das Kieler Innenministerium wechselt. Kurz darauf tritt Ministerpräsident Björn Engholm zurück, seine Nachfolgerin Heide Simonis holt sich eine Namensvetterin aus Norderstedt ins Kabinett: Heide Moser (SPD) wird Sozialministerin in Kiel und bleibt es für zwölf Jahre.

Neben dem Baubeginn für die U-Bahn gibt es auch eine weitere gute Nachricht aus Norderstedt: Ende 1994 wird das Arriba-Bad eingeweiht – natürlich mit einem Volksfest der Superlative. Es gab in den Jahren seit der Stadtgründung schon viele Feste in Norderstedt, aber dieses soll das größte gewesen sein.

Der Start für das Superbad war gut, der Weg dahin war holprig. Viele Norderstedter, vor allem die Senioren, wehrten sich gegen den Ausbau des guten alten Norderstedter Hallen- und Freibades: Sie wollten ihre 50-Meter-Bahn und sonst nichts.

In Henstedt-Ulzburg votiert bei einem Bürgerentscheid die Mehrheit der Bürger für den Bau eines neuen Rathauses genau gegenüber der bisherigen Gemeindeverwaltung. Die Henstedt-Ulzburger sind gespannt: Die Gemeindevertretung soll künftig in einem runden Selbstverwaltungstrakt außerhalb des Rathauses tagen.