Norderstedt
Kreis Segeberg

Norderstedter Musical-Schule steht vor dem Aus

Die Musical- und Tanzpädagogik-Berufsfachschule Copa ist die einzige ihrer Art in Schleswig-Holstein. Die Ausbildung dauert drei Jahre.

Die Musical- und Tanzpädagogik-Berufsfachschule Copa ist die einzige ihrer Art in Schleswig-Holstein. Die Ausbildung dauert drei Jahre.

Foto: Heike Linde-Lembke

Das „Conservatory of Performing Arts Norderstedt“ hat Insolvenz angemeldet. Der Unterricht wurde bereits teilweise eingestellt.

Norderstedt.  Die Berufsfachschule Copa („Conservatory of Performing Arts Norderstedt“) hatte große Träume: Das 2018 gegründete Ausbildungsinstitut für Musical und Tanz wollte aus jungen Talenten Bühnenstars formen. Erstklassige Dozenten, die selbst als Künstler international erfolgreich sind, sollten sie unterrichten. Als erste staatlich anerkannte Berufsfachschule dieser Art in Schleswig-Holstein sollte Norderstedt bundesweit eine wichtige Rolle in der Musicalszene einnehmen. Doch schon nach einem halben Jahr steht fest: Der Traum ist geplatzt. Ein Insolvenzverfahren gegen das Copa läuft. Der Unterricht der Musical-Sparte wurde bereits eingestellt, die Dozenten haben im Mai kein Geld erhalten.

Fest steht auch, dass die zwei Gesellschafter des Copa – die Kulturstiftung Norderstedt und die Ballettschule Musci – einen Verlust von je 25.000 Euro verkraften müssen. Dass das ehrgeizige Projekt schon nach wenigen Monaten vor dem Aus steht, hat vor allem einen Grund: Ein chinesischer Investor, der sich bei der Copa gGmbH stark engagieren wollte, überlegte es sich kurzfristig anders. Andere Großsponsoren konnten bislang offensichtlich nicht gefunden werden.

Zur Vorgeschichte: Vor zwei Jahren unterrichtete Tanzpädagogin Anna Musci von der gleichnamigen Norderstedter Ballettschule ein talentiertes Mädchen, das später einmal in ihre Fußstapfen treten sollte. Dazu brauchte es eine gute Ausbildung, die es in Hamburg nur schwer bekommen hätte. Deswegen beschloss Musci, selbst eine Ausbildungsstätte zu gründen. Die Norderstedter Kulturstiftung hörte von dem Projekt und stieg mit ein. Mit jeweils 25.000 Euro Grundkapital gründete sie zusammen mit der Ballettschule das Copa als gemeinnützige GmbH.

Die Schüler müssen keine Studiengebühren zahlen

Das Besondere: Die Schule verlangt von seinen Schülern keine Studiengebühren, lediglich eine Verwaltungspauschale in Höhe von 90 Euro. „Nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Qualität der Ausbildung steht im Mittelpunkt“, sagte Geschäftsführer Rüdiger George von der Kulturstiftung noch zu Beginn. Zum laufenden Insolvenzverfahren wollte sich George, der auch Leiter der Norderstedter Musikschule ist, allerdings nicht näher äußern. Nur so viel: „Wir evaluieren die Lage im Augenblick mit allen beteiligten Partnern.“

Hella Schmitt, die Vorsitzende der Kulturstiftung, spricht von „einer schwierigen Situation“. Wie es nun weitergeht, weiß auch sie nicht: „Ich kann nur hoffen, dass wir doch noch Sponsoren für das Copa finden“, sagte sie im Gespräch mit dem Abendblatt. Zu den bisherigen Sponsoren des Instituts gehören unter anderem die städtischen Einrichtungen „TriBühne“, Kulturwerk und das Gebrauchtwarenhaus Hempels sowie der Rotary Club und der Lions Club.

In einer offiziellen Mitteilung spricht das Copa von Liquiditätsproblemen. „Das erste Ziel ist es, alle offenen Rechnungen zeitnah zu begleichen“, heißt es. Die Dozenten der Schule, die erst am Montag über die finanziellen Probleme informiert wurden, reagierten geschockt. Bei einem Treffen am Mittwoch tauschten sie sich untereinander aus und beschlossen dennoch, die Ärmel hochzukrempeln und weiterzumachen. Das funktioniert aber nicht ohne die Hilfe von Sponsoren.

„Das Projekt ist eine Herzensangelegenheit. Es darf einfach nicht enden“, sagte David Musci, der seine Frau Anna Musci als Partner unterstützt. Das Ehepaar will die Ausbildung der Tanzpädagogen, die zurzeit Ferien haben, ab Oktober auf jeden Fall weiterführen. In welchem Rahmen, das weiß es noch nicht. Auch die Muscis haben nach eigenen Angaben erst im Mai von der schwierigen finanziellen Lage des Copa-Instituts erfahren. Sie sind für den operativen Bereich verantwortlich, die Kulturstiftung für die Finanzen und Sponsoren. 13 Schüler der Musicalausbildung sowie sieben der Tanzpädagogik sind von der Insolvenz betroffen. „Wir werden weiterkämpfen“, sagte David Musci.

Klar ist: Die Copa-Verantwortlichen haben sich verkalkuliert. Die monatlichen Kosten für die Ausbildung zum Tanzpädagogen belaufen sich auf 3500 bis 5000 Euro – die der Musicaldarsteller auf satte 24.000 Euro. Noch Anfang des Jahres verkündete die Kulturstiftung, ein eigenes Copa-Haus für rund zwei Millionen Euro bauen zu wollen. Noch bis zum 31. Dezember läuft der Mietvertrag in der ehemaligen Horst-Embacher-Schule, in der der Fachbereich Musical seine Ausbildungs- und Aufführungsräume hat. Die Tanzpädagogen trainieren in der Ballettschule Musci am Harksheider Markt.