Norderstedt
Wohnungsnot

Norderstedt baut vier neue Häuser für Flüchtlinge

21 Wohnungen für 60 Flüchtlinge: Das von der Entwicklungsgesellschaft Norderstedt (EGNO) an der Segeberger Chaussee gebaute Wohnhaus.

21 Wohnungen für 60 Flüchtlinge: Das von der Entwicklungsgesellschaft Norderstedt (EGNO) an der Segeberger Chaussee gebaute Wohnhaus.

Foto: Andreas Burgmayer

25 Millionen Euro sollen in 240 Wohnungen investiert werden. CDU kritisiert, dass Geld nicht für deutsche Wohnungssuchende da ist.

Norderstedt.  Die Stadt Norderstedt möchte mittelfristig bis zu vier neue Wohnhäuser mit jeweils 60 Wohnungen für Flüchtlinge in der Stadt bauen. Der Beschluss für die Investition in Höhe von etwa 20 bis 25 Millionen Euro fiel mit knapper Mehrheit im Sozialausschuss, gegen die Stimmen von CDU, FDP und AfD.

Vorbild für die Immobilien ist das 2016 von der Entwicklungsgesellschaft Norderstedt (EGNO) an der Segeberger Chausee 233 gebaute Wohnhaus, in dem 60 Geflüchtete – hauptsächlich Familien – in 21 Wohnungen untergebracht wurden. Als Standorte für die neuen Wohnhäuser sind städtische Grundstücke am Lavendelweg im Garstedter Dreieck, neben der Friedrichsgaber Feuerwache am Harkshörner Weg und an der Lawaetzstraße vorgesehen. Das Grundstück der ehemaligen Feuerwache Glashütte an der Segeberger Chaussee soll geprüft werden, ebenso wie weitere noch nicht feststehende Alternativen.

Sozialdezernentin Anette Reinders begründete im Ausschuss die Notwendigkeit für den Bau der Häuser. Der Zugang zum Wohnungsmarkt sei mittlerweile das größte Integrationshemmnis in Norderstedt. Geflüchtete lernen Deutsch, finden Jobs – aber keine bezahlbaren Wohnungen. 1100 Menschen leben in den Unterkünften, die etwa 200 Abgänge im Jahr würden durch Familiennachzug, Geburten und Zuweisungen ausgeglichen. Das Konfliktpotenzial in den Unterkünften steige. Familien und Einzelpersonen seien gemeinsam mit Fremden untergebracht. Hinzu komme, dass die baulich zuzureichenden Unterkünfte im alten Schulgebäude Fadens Tannen und in den Holzbaracken an der Lawaetzstraße für die langfristige Unterbringung ungeeignet sind. An die 300 Personen müsse die Stadt mittelfristig besser unterbringen.

Die SPD unterstützt den Plan der Stadt, dezentrale, kleine Einheiten mit jeweils 21 Wohnungen im Stadtgebiet zu verteilen. „Die Unterkunft an der Segeberger Chaussee 233 ist unsere Vorzeigeunterkunft“, sagt Tobias Schloo, Sozialausschussvorsitzender der SPD. Die Familien dort seien glücklich über die Wohnungen. „Schöne Häuser werden auch gut behandelt von den Bewohnern. Und sie fügen sich ins Stadtbild ein – besser als Container!“

Auch die Stadtvertreter von den Grünen, der WiN und den Linken sind für den Bau der Häuser. „Der Bau ist die reine Notwehr der Stadt. Fadens Tannen und Lawaetzstraße müssen wir räumen“, sagt Miro Berbig (Die Linke). Und Reimer Rathje von der WiN sagt: „Wir brauchen diese Häuser schnell. Und diese Lösung mit der EGNO ist schnell umsetzbar.“

Der CDU fehlt es an der Durchmischung

Fundamentale Kritik – auch in der Wortwahl – kommt von der CDU. „Wir sind gegen den massiven Ausbau der Asylantenwohnheime“, sagt Stadtvertreter Frank Schulz. Eine Integration ausländischer Mitbürger könne so nicht gelingen. „Es fehlt an der Durchmischung in den Häusern.“ Er empfindet den Bau der Häuser auch als ein schlechtes Signal an die sozial schwachen deutschen Familien und Senioren, die auf dem Wohnungsmarkt keine Chance mehr haben. „Es ist für das friedliche Zusammenleben unserer Bürger mit und ohne Migrationshintergrund nicht förderlich, hier eine einzelne Bevölkerungsgruppe den anderen Bevölkerungsgruppen der Menschen in Norderstedt vorzuziehen“, sagt Schulz. Die CDU sehe das Konfliktpotenzial in den Unterkünften und sei auch nicht generell gegen Neubauten für Flüchtlinge – aber es müssten einige Wohnungen davon auch für deutsche Staatsbürger vorgehalten werden. Tobias Mährlein von der FDP sieht das ähnlich. „Wir wollen keine Ghettobildung. Integration kann nur mit Durchmischung in den Immobilien gelingen.“

„Einheimische müssen sich hinten anstellen bei der Wohnungssuche“, sagt Christian Waldheim von der AfD. „Die Flüchtlingszahlen gehen zurück. Man kann dem Bürger nicht mehr erklären, warum trotzdem noch so viel Steuergeld für Flüchtlingsunterkünfte verwendet wird.“ Das Konzept dezentraler, kleiner Einheiten für Flüchtlinge findet Waldheim gut. „Aber es sollte ein Teil der Wohnungen für Deutsche zur Verfügung stehen.“

Die Stadt sollte noch viel mehr Wohnungen bauen

Tobias Schloo findet die Aussagen der CDU „irritierend“. Integration könne ein Gebäude allein sowieso nicht liefern. „Die Häuser sind auf zehn Jahre für die Flüchtlinge gedacht. Danach können sie auch von anderen Bürger genutzt werden.“ Schloo sieht den Bau der Häuser deswegen als einen Anfang für eine mögliche kommunale Wohnungsbaugesellschaft. „Eine Idee, die wir als SPD unterstützen, um günstigen Wohnraum für alle zu schaffen.“

Das ist auch das Lieblingsprojekt von Miro Berbig, der das Copyright auf die Idee in Norderstedt hält. „Es warten da draußen eine ganze Menge an Menschen auf bezahlbaren Wohnraum. Es braucht ein gutes Gesamtkonzept für die Stadt.“

Reimer Rathje hingegen ist skeptisch, dass der Bau von noch mehr städtischen Wohnhäusern die Lösung ist. „Wir finden doch jetzt kaum noch Grundstücke für die Häuser. Die Leute werden zunehmend zusammengepfercht in immer enger werdenden Vierteln. An irgendeinem Punkt muss man sagen: es kann nicht jeder in Norderstedt wohnen!“