Norderstedt
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Shishabar bleibt nach Anschlag vorerst geschlossen

Foto: Christopher Herbst (FMG) / Christopher Herbst

Die "First Lounge" an der Ohechaussee muss sanieren und schließt für einige Monate. Betreiber glaubt: „Man wollte uns schaden.“

Norderstedt.  Die letzte große Party ist nur knapp drei Wochen her. „Silvester Night 2019“, so wirbt die First Lounge auf ihrer Facebookseite weiterhin. Es ist der letzte Eintrag gewesen. Heute stehen Inhaber Ali Reza Amiri und sein Kumpel Andre Matthies, mit dem er die Shishabar an der Ohechaussee vor drei Jahren aufbaute, inmitten von Trümmern und Müllsäcken. Für Gäste ist der Laden Sperrgebiet. Und wo bis vor kurzer Zeit noch der markante, süßliche Geruch von Shishatabak durch die Luft waberte, zieht jetzt sofort ein beißender, unerträglicher Gestank in die Nase. „Wie Erbrochenes“, sagt Matthies.

In den frühen Morgenstunden des 2. Januar geschah, was Amiri einen „feigen Anschlag“ nennt. Erst warf jemand um 3.30 Uhr einen großen Stein durch die Scheibe, dann wurde eine übelriechende Substanz verschüttet oder versprüht. Ein Zeuge, der einen Knall wahrgenommen hatte, sah das Loch im Glas, informierte die Polizei, die wiederum beim Besitzer anrief – der zu diesem Zeitpunkt in Berlin war und daher Andre Matthies weckte, der in der Nachbarschaft lebt und sofort zur Bar eilte.

„Beim ersten Schritt hinein habe ich sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmt.“ Die freiwillige Feuerwehr wurde alarmiert, führte Messungen durch, fand aber keine Schadstoffe in der Luft. „Ich habe mich zweieinhalb Stunden drinnen aufgehalten, auch das Fenster zugedeckt. Am nächsten Tag hatte ich starke Beschwerden im Hals, in der Nase und in den Augen.“

Die Betroffenen gehen stark davon aus, dass es sich um Buttersäure handelt. Eine Flüssigkeit also, die problemlos online zu kaufen ist, die zum Beispiel zur Vergrämung von Maulwürfen eingesetzt wird. Oder eben, um einen Betrieb ruinieren zu wollen? „Hier wollte niemand etwas klauen oder sich bereichern. Man wollte uns gezielt schaden. Vielleicht hat allgemein jemand etwas gegen Shishabars“, sagt Ali Reza Amiri. „Oder es steckt etwas anderes dahinter.“

Mysteriöser wird der Fall, weil zudem in den letzten Monaten offenbar systematisch Mülltonnen gestohlen wurden. Nur der Unrat wurde hinter das Gebäude gekippt. Jeder dieser Vorfälle wurde angezeigt. Könnte ein Konkurrent den Betreiber verdrängen wollen? „Das glaube ich nicht“, meint Amiri. Fest steht zumindest: Die First Lounge lief gut, die Facebookseite hat 2400 „Likes“, die Bewertungen sind positiv. Bei jungen Leuten ist die Bar beliebt, viele Gäste waren Stammkunden. Ihnen gefiel die Mischung aus Shisha, Cocktails und Live-Fußball.

Amiri: „Wir haben uns vor drei Jahren selbstständig gemacht, wollen ein Gegenbeispiel sein. Wir haben einen guten Ruf, die Leute mögen uns, genießen die Zeit. Deswegen ist es für uns unverständlich, warum so ein Attentat auf uns verübt wurde.“

Gerade in Großstädten ist die Wahrnehmung der Shishabars oft eine andere, das weiß auch Amiri. Nähe zu organisierter Kriminalität, Schwarzarbeit, Verstoß gegen Auflagen, was den Kohlenmonoxid-Gehalt angeht – solche Vorfälle sind in Hamburg nicht selten. Die First Lounge, eine von drei entsprechenden Locations in Norderstedt neben zwei weiteren am Harksheider Markt und am Kohfurth, hat mit den Behörden jedoch keine Probleme, wie das Abendblatt erfuhr. Der Inhaber weist darauf hin, dass an der Tür Alterskontrollen durchgeführt werden, damit nur volljährige Personen Eintritt bekommen. Dazu investierte er in eine moderne Belüftung. „Wir wollen uns nicht als typische Shishabar darstellen.“

Sobald die First Lounge entrümpelt ist, muss die Bausubstanz untersucht werden. „Es wird ein Gutachten erstellt und auf dieser Grundlage dann saniert“, sagt Ali Reza Amiri. „Die Versicherung hilft, soweit es geht.“ Der finanzielle Schaden ist erheblich, auch wenn die genaue Höhe noch nicht feststeht. Das Mobiliar, ob nun Couches oder Stühle, ist nicht zu retten, auch Getränke, Tabak und Shishazubehör mussten entsorgt werden. Was aus der Bar wird, ist unklar. Und acht Mitarbeiter haben vorerst keinen Job mehr. Amiri gibt jedoch keinesfalls auf, will vielleicht schon in drei Monaten wieder eröffnen. Dann mit dreifach verglasten Fenstern, Alarmanlage und Kameraüberwachung. „In dem Laden steckt unser Leben, unsere Existenz. Wir haben hier Schweiß und Liebe gelassen, wir werden stärker zurückkommen.“

Die Polizei ermittelt weiterhin, hat aber keine heiße Spur. Ali Reza Amiri und Andre Matthies würden sogar eine Belohnung von 2000 Euro für jeden Hinweis zahlen, der zur Ergreifung der Täter führt. Wer Angaben machen kann, sollte sich bei der Kriminalpolizei Norderstedt unter 040/52 80 60 melden.