Norderstedt
Schröters Wochenschau

Der tiefe Sumpf dumpfer Totschlag-Argumente

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Das miese Januarwetter schlägt auf die Laune, nicht nur bei Jan Schröter sondern offenbar auch bei Henstedt-Ulzburgs Bürgermeister.

Henstedt-Ulzburg.  Während alpine Regionen in weißer Pracht versacken, herrscht bei uns als Trendfarbe des Monats flächendeckend Grau. In mannigfaltigen Nuancen changiert es von dunkelgrau (oft) bis hellgrau (selten) und ist in der Luft von trüber Feuchte, in Bodennähe von schlammiger Konsistenz. Wäre das Jahr ein Kleinkind, befände es sich im Januar entwicklungsmäßig eindeutig in der Matschphase.

In so einer zähen Phase sind alle etwas lethargisch. Wenn einen dann plötzlich etwas aufregt, greift man leicht zum Nächstbesten, um es als Waffe zu benutzen. In diesem Januar ist das naturgemäß Matsch. Als Henstedt-Ulzburgs Bürgermeister Stefan Bauer während einer öffentlichen Sitzung mit einer unsauber formulierten Meldung des Online-Portals „Ulzburger Nachrichten“ konfrontiert wurde, griff er tief in den Sumpf dumpfer Totschlag-Argumente und warf den verantwortlichen Journalisten „Fake News“, einen „Shitstorm“ und überhaupt unverantwortliches Handeln vor. Mal abgesehen davon, wer in dieser Angelegenheit (es geht darum, wie viele Kinderhortplätze die Gemeinde im Schuljahr 2019/20 anbietet) sachlich im Recht ist: Bauers Vorwürfe schießen weit übers Ziel hinaus.

Anstatt sich darauf zu beschränken, den Fehler im Onlinebericht bloßzulegen, unterstellte Bauer dem Verfasser die absichtliche Verdrehung von Fakten, um ihm persönlich zu schaden – was noch eine höfliche Interpretation des Begriffes „Shitstorm“ wäre. Dass Donald Trump so etwas hundertmal täglich twittert, ist keine Entschuldigung – den haben wir nicht gewählt. Glücklicherweise. Journalisten sind ebenso wenig unfehlbar wie Bürgermeister. Trotzdem möchte ich mich hierzulande nicht daran gewöhnen, dass die Begriffe „Journalist“ und „Geschichten erfinden“ reflexmäßig kombiniert werden. Schon gar nicht möchte ich, dass ein Mensch das tut, der als Bürgermeister in seinen öffentlichen Äußerungen durchaus mit dafür maßgeblich ist, auf welchem Niveau diskutiert wird.

Vielleicht liegt es an dem nassgrauen Shitstorm da draußen. Vielleicht war es bloß das Wetter. Darauf können wir uns alle einigen. Kann passieren, ist ja, trotz gelegentlicher Schneeschauer, ein schlammiger Januar. Aber ab Februar will ich sowas nicht mehr hören.