Norderstedt
Richtfest

Ein neues Haus für Norderstedts Wasser

So soll das neue Firmengebäude aussehen: Gaby Gassmann, Geschäftsführerin von Magnus Mineralbrunnen, vor der Computer-Animation.

So soll das neue Firmengebäude aussehen: Gaby Gassmann, Geschäftsführerin von Magnus Mineralbrunnen, vor der Computer-Animation.

Foto: Michael Schick

Magnus Mineralbrunnen feiert Richtfest. Altes Gebäude war zu klein für den Absatz, der auf 60 Millionen Flaschen im Jahr gewachsen ist.

Norderstedt.  Die Stadt hat ihr eigenes Wasser, aus zwei Brunnen in bis zu 430 Meter Tiefe stammt das Wasser für Magnus Mineralbrunnen, ein Norderstedter Unternehmen, das sich im Wettbewerb der großen Hersteller von sprudelndem oder stillem Wasser hartnäckig behauptet und im Norden zu den größten unter den kleinen und unabhängigen Produzenten zählt. Der Absatz steigt kontinuierlich, rund 60 Millionen Flaschen füllen die Mitarbeiter im Firmengebäude jährlich ab.

Doch die Räume reichen nicht mehr, um die Nachfrage zu decken. „Unser wachsender Erfolg hat es erfordert, dass wir eine neue Abfüllanlage bauen“, sagt Gaby Gassmann, Chefin des Familienunternehmens. So entsteht ein komplett neues Haus am Langenharmer Weg, an dem seit Donnerstagnachmittag der Richtkranz weht. Der Rohbau ist fertig, ein imposanter dreistöckiger Bau, in den die Unternehmerin rund 13 Millionen Euro investiert.

„Wir stellen uns als Verbraucher neu auf, setzen zunehmend auf Produkte aus der Region“, sagte Norderstedts Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder in ihrem Grußwort zum Richtfest, das die Bauherrin mit Mitarbeitern und Handwerkern zünftig feierte – mit Spanferkel, Kraut- und Kartoffelsalat. Und dazu gab es nicht nur Wasser, sondern auch Bier.

Bevor Roeder auf dem Chefsessel im Norderstedter Rathaus Platz genommen hat, hat sie die Verwaltung in Bad Pyrmont geleitet – einer Stadt, die mit dem „Bad Pyrmonter“ über ein eigenes Mineralwasser verfügt. „Daher war ich erfreut, dass auch Norderstedt sein Heimatwasser hat“, sagte Roeder. Mit dem Neubau werde ein neues Kapitel in der Firmengeschichte aufgeschlagen.

Und die reicht 118 Jahre zurück. Im Jahr 1900 wurden in Stuckenborstel in der Nähe von Bremen „Appelsöt“, ein Apfelsüßmost, und „Surling“, Tafelwasser und Rebsur, aromatisierter Weinessig, hergestellt. Aus beiden Erzeugnissen entstand die Marke „Söt un Sur“. 1978 zog das Unternehmen nach Norderstedt und konzentrierte sich darauf, alkoholfreie Getränke auf den Markt zu bringen. 2004 wurde die Produktfamilie überarbeitet, der Werbeslogan „Gute Laune trinken“ eingeführt und die Etiketten auf den Flaschen mit den bunten Blasen („Bubbles“) gestaltet.

Mit „Magnus Imperial“ eroberte der Norderstedter Wasserhersteller auch die Gastronomie, seit 2015 mit neuer Flasche und eigener Kiste auch den Handel. Längst stehen die „Bubbles“ nicht nur für ein regionales Wasser, sondern auch für ein Erzeugnis, das nach Aussage des Unternehmens durch seinen weichen Geschmack überzeuge. Mit dem gestiegenen Absatz ist auch die Zahl der Mitarbeiter kontinuierlich auf aktuell 55 gewachsen.

„In den vergangenen Monaten haben wir an der Belastungsgrenze produziert“, sagte Gaby Gassmann. Das sei nicht nur der ausgereizten Kapazität der Abfüllanlage geschuldet, sondern auch der anhaltenden Dürre der vergangenen Monate, die auch die Wettbewerber vor Probleme gestellt habe. Die neue Anlage zum Befüllen der Flaschen soll im kommenden Frühjahr den Betrieb aufnehmen, dann soll der gesamte neue Gebäudekomplex fertig sein.

Drei Stockwerke bauen die Handwerker auf dem Gelände zwischen dem Langenharmer Weg und der Stormarnstraße. Im Erdgeschoss wird die Logistik untergebracht, hier werden die Kisten gestapelt, beladen die Staplerfahrer die Lkw. Im ersten Obergeschoss wird die neue Abfüllanlage Platz finden. Die restlichen Räume sind für die Mitarbeiter der Verwaltung reserviert.

Dass Magnus in Norderstedt bleibt, war noch vor Jahren nicht sicher. Schon 2011 platzte das Unternehmen aus allen Nähten. Die Expansion scheiterte aber am fehlenden Gelände, der Wasser-Hersteller spielte mit dem Gedanken, aus Norderstedt abzuwandern. Doch nach langen Verhandlungen mit der Stadt wurde eine Lösung gefunden: Die Stadt opferte eine ganze Straße, widmete sie zum Firmengelände um.

Die Straße, auf die die Stadt ohne Not verzichten konnte und die die Entwicklung des Magnus-Mineralbrunnens möglich machte, war der südliche Teil des Schützenwalls. Er verlief am östlichen Rand des Firmengeländes und verband Langenharmer Weg und Stormarnstraße. Die Nord-Süd-Verbindung war entbehrlich, weil seit der Landesgartenschau der Verkehr über den Kreisverkehr vom Langenharmer Weg über den neuen Stormarnkamp zur Stormarnstraße fließt. So konnte die Erfolgsgeschichte von Magnus Mineralbrunnen in Norderstedt weitergeschrieben werden.