Norderstedt
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Trockenheit und Hitze – Brandgefahr steigt

Stadtpark-Mitarbeiter Silvio Boss ist mit dem Wasserfass unterwegs: Mit der mobilen Einheit wässert er Jungbäume

Stadtpark-Mitarbeiter Silvio Boss ist mit dem Wasserfass unterwegs: Mit der mobilen Einheit wässert er Jungbäume

Foto: Andreas Burgmayer

Im Stadtpark Norderstedt ist jetzt das Rauchen verboten – Bauern fürchten um die Ernte – Wasserwerke melden Hochsommerverbrauch.

Norderstedt.  Kein Grillen! Kein Rauchen! Kein offenes Feuer! Keine Flaschen wegwerfen (Brennglaseffekt)! Das Warnschild steht gleich hinter dem Musikschulkubus und empfängt die Besucher des Stadtparks Norderstedt. Brandgefahr im Stadtpark – die extreme Trockenheit, ausgelöst durch die Frühlings-Hitzewelle, sorgt für den Ausnahmezustand am Stadtparksee.

Der Rasen rund um die Bäume auf der Uferpromenade ist braun. „Aber der wurzelt tief, und sobald Regen fällt, kommt Grünes nach“, sagt Erik Voß, technischer Leiter der Stadtpark GmbH.

Doch der Boden im Park ist knochentrocken, und würden Voß und seine Mitarbeiter nicht täglich Wasser aus dem nahen See auf den Flächen verteilen, hätten viele Stauden, Blumen und Jungbäume keine Chance mehr und würden eingehen. „Ich kann mich in meiner Jugend an vergleichbare Frühlingstrockenheiten erinnern – aber so heiß und trocken wie jetzt, das ist schon besonders“, sagt Voß.

Die Sonneneinstrahlung werde in ihrem negativen Effekt auf die Flora von einem beständigen, starken Ostwind verdoppelt. Das gerade aufgebrachte Wasser verdunste, der Sprühnebel der Wassersprenger werde verweht und lande neben dem Beet.

Doch von Wasserknappheit kann im Stadtpark keine Rede sein: „Wir ziehen das aus dem See“, sagt Voß. Der wird vom Grundwasser gespeist und verfügt über ausreichend Nass. „Wir haben durch das verregnete letzte Jahr sehr hohe Pegelstände gehabt.“ Täglich verdunste auf der Seeoberfläche mehr Wasser, als das Stadtpark-Team zum Wässern absauge. „Keine Angst: Wir saugen den See nicht leer“, sagt Voß.

Zündeln darf jetzt trotzdem keiner im Park. „Aber wir machen uns keine Illusionen: Wir können nicht jeden Parkbesucher überwachen und schauen, ob er raucht. Wir sind auf die Vernunft der Leute angewiesen“, sagt Voss. Trotzdem kontrollieren Mitarbeiter ständig den Park – besonders auf unbelehrbare Griller.

Die Feuerwehren warnen nahezu täglich vor der wachsenden Brandgefahr in Wäldern und auf Grünflächen. „Wir versuchen, die Menschen zu sensibilisieren“, sagt Norderstedts Gemeindewehrführer Fabian Wachtel. Die Brandschützer rufen dazu auf, keinesfalls brennende Zigarettenkippen aus Autos zu werfen. Die Gefahr, dass sich daraus Böschungsbrände entwickeln, sei groß. Auch Glasscherben könnten bei diesem Wetter Feuer entzünden, die sich rasend schnell ausbreiten, sagt Wachtel.

Die Feuerwehr überwacht die Moore aus der Luft

Derzeit sei es außerdem gefährlich, mit Gasbrennern Unkraut in Fliesenfugen zu entfernen. Die Feuerwehr musste bereits mehrfach ausrücken, weil die Flammen auf Hecken und andere Pflanzen übergegriffen hätten.

Die Flugbereitschaft der Kreisfeuerwehrverbände Segeberg und Stormarn fliegen verstärkt Einsätze, um die Moore in der Region zu überwachen. Die fliegenden Feuerwehrleute sollen Brände frühzeitig aus der Luft erkennen.

Auch die Bauern haben ständig ein Auge auf ihre Felder und Wiesen. „Aber insgesamt ist es bei uns noch nicht so schlimm wie bei den Kollegen an der Westküste“, sagt Jens-Walter Bohnenkamp, Vorsitzender des Segeberger Kreisbauernverbandes. Im Westen des Landes sind die Böden hart wie Beton, selbst wenn es regnet, kann das Wasser nicht in die Erde eindringen. Im Kreis Segeberg hingegen dominierten Sandböden, die Feuchtigkeit aufnehmen könnten. Dennoch sieht der Norderstedter Landwirt die lange Trockenperiode mit Sorge: „Um vernünftig wachsen zu können, bracht das Getreide jetzt Wasser und Nährstoffe und weniger Hitze“, sagt Bohnenkamp. Bei mehr als 30 Grad verringerten die Pflanzen das Wachstum. Statt 60 bis 70 Körner pro Ähre liege der Ertrag dann nur bei der Hälfte. Bohnenkamp ist aber zuversichtlich: „Noch in dieser Woche wird es regnen.“

Mit der ungewöhnlichen Hitze und Trockenheit spielt das Wetter den Landwirten zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate übel mit. Im Winter verwandelte der Dauerregen die Felder in Schlammpisten, dann verhinderte der Frost, dass die Bauern ihr Getreide von den Feldern holen konnten. Die Folge: Bohnenkamp und seine Kollegen mussten zum Teil empfindliche Einbußen hinnehmen. „Davon will ich jetzt noch nicht reden, eine normale Ernte ist immer noch möglich“, sagt der Verbandschef. Warten und Hoffen lautet die Devise der Landwirte im Kreis Segeberg.

Die Bauern wässern und wollen so die Ernte retten

Darauf will sich das Team vom Gut Wulksfelde nicht verlassen: „Wir beregnen die Felder da, wo es geht“, sagt Rolf Winter, Geschäftsführer des Bio-Betriebes. Lieber Geld für Wasser ausgeben, als weniger zu ernten, lautet seine Devise. Dennoch rechnet Winter mit Einbußen beim Getreide, da nicht alle Felder bewässert werden könnten. Den Kartoffeln gehe es noch gut, und „die Erdbeeren freuen sich über die Wärme“. Die süßen Früchte seien früher reif als sonst, von heute an könnten die Menschen auf den Feldern selbst pflücken.

Mehr Wasser wird jetzt in allen Lebensbereichen gebraucht. Das spüren auch die Stadtwerke Norderstedt. „Es gibt ein Zeitfenster von etwa 60 Minuten zwischen 17 und 19 Uhr, da schnellt der Verbrauch auf hochsommerliche Werte“, sagt Sprecher Oliver Weiß. 1500 Kubikmeter Wasser verbrauchen die Norderstedter dann. „Doch der normale Verbrauch über den Tag und auch den Peak am Abend können wir gut verkraften“, sagt Weiß. Norderstedt ziehe Wasser aus einem großen, 150 Meter tiefen Grundwasserreservoir, das ausreichend Kapazität habe. „Auch wenn es noch ein paar Wochen so warm bleibt“, sagt Weiß.

Die Grundschüler müssen trotz der Hitze in den Schulen bleiben. „Wegen der Verlässlichkeit sind wir verpflichtet, die Kinder bis 12 oder 13 Uhr bei uns zu behalten“, sagt Jens von Lehe, Leiter der Grundschule Falkenberg. Auch die Nachmittagsangebote, die die Eltern an der Offenen Ganztagsschule gebucht haben, finden wie üblich statt. Wenn möglich, wechseln die Jungen und Mädchen in einen kühleren Klassenraum, treiben Sport im Schatten oder in der Halle und verzichten auf schweißtreibende Bewegungen. Außerdem achten die Lehrkräfte darauf, dass die Schüler genug trinken. Wenn die Hitze jedoch zu groß wird, was vor allem in Flachdachbauten der Fall ist, kann im Ermessen des Schulleiters Hitzefrei gegeben werden, so der Schulleiter des Lessing Gymnasiums, Carsten Apsel.

Nach der Schule geht es dann ab ins Freibad: Dort herrscht ein Ansturm der Badegäste wie sonst nur im Hochsommer. Die Besucherzahlen im Beckersbergbad in Henstedt-Ulzburg haben sich zum Beispiel im Vergleich zu Mai 2017 nahezu verdoppelt – von damals 2646 Besuchern auf in diesem Jahr 4351 Besucher. Im Warmwasserbad Kaltenkirchen ist die Besucherzahl sogar um 5ooo Gäste auf jetzt 10.ooo Besucher gestiegen.

Wer nicht baden kann und arbeiten muss, der trinkt offensichtlich ausreichend Wasser. „Wir haben Absatzzahlen wie sonst im Hochsommer“, sagt Gaby Gassmann, Geschäftsführerin von Magnus Mineralbrunnen in Norderstedt. Die Nachfrage sei enorm, die Mitarbeiter im Werk produzierten länger und in mehr Schichten als üblich.