Norderstedt
Schröters Wochenschau

Ein Bett im Kornfeld ist immer noch frei

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Das gilt natürlich auch für den Kreis Segeberg. Eine Notlösung, falls alle Betten in der Region durch Airbnb-Touristen belegt sind.

Kreis Segeberg.  Politische Amtsinhaber machen sich Sorgen darüber, ob durch die Vermietung von Wohnungen an Urlauber über das Internetportal Airbnb in unserem Landkreis das preisgünstige Wohnraumangebot empfindlich reduziert werden könnte. Ich mache mir auch Sorgen. Um die Urlauber.

Die haben ein paar Tage Ferien, kommen von weit her und mieten sich über Airbnb eine Bleibe, sagen wir mal, irgendwo zwischen Neumünster und Norderstedt. Vielleicht gehen sie dem Geschäftsmodell eines hiesigen Einödlandwirts vom Kaliber „Brakelmann aus Büttenwarder“ auf den Leim, der gerne reich werden möchte und seit der letzten Vogelgrippe-Keulungsaktion einen leeren Hühnerstall auf seinem Hof hat. Und das wäre noch Luxus. Airbnb steht für „Airbed and breakfast“ („Luftmatratze und Frühstück“) und lässt sich frei auch mit „Luft, Bett und Frühstück“ übersetzen. Um dieses Versprechen einzuhalten, genügt es vollkommen, den Touristen ein Jürgen-Drews-Gedächtnis-Bett ins Kornfeld zu stellen. Luft ist dann reichlich vorhanden, und Frühstück wächst auf dem Acker.

Die meisten Gäste mieten ihr Airbnb-Domizil in unserem Landkreis, weil sie eigentlich das benachbarte Hamburg besichtigen wollen und die dortigen Hotelpreise scheuen. Zu Hause in China sind 40, 50 Kilometer ja auch überhaupt keine Entfernung. Nun stehen sie morgens mit den anderen Pendlern auf dem Bahnsteig und lernen neue deutsche Vokabeln: Stellwerkfehler, Kabelbrand, Baum auf Gleis und Zugausfall. Den Rest des Urlaubs verbringen sie dann mit Irrfahrten im Schienenersatzverkehr. Immerhin kann man Land und Leute dabei auch ganz gut kennenlernen und hat später zu Hause in Shanghai was zu erzählen. Ob das zu einem touristischen Run auf das Airbnb-Angebot im Landkreis Segeberg führen wird, wage ich jedoch zu bezweifeln.

Und, ehrlich gesagt: Das ist auch gut so.