Norderstedt
Tangstedt/Ellerau

Bürgermeister: Hauptamtlich oder ehrenamtlich?

Ralf Martens, BVE, ist ehrenamtlicher Bürgermeister von Ellerau

Ralf Martens, BVE, ist ehrenamtlicher Bürgermeister von Ellerau

Tangstedts Politik beschließt: Amt soll Kosten ermitteln. In Ellerau ist die Frage Thema der anstehenden Haushaltsberatungen.

Tangstedt.  Um die Diskussion darüber, ob sich Tangstedt wieder einen hauptamtlichen Bürgermeister leisten solle, voranzubringen, haben sich SPD, FDP, Bürgergemeinschaft und Grüne zusammengetan. Im Zentralausschuss beschlossen sie mit Mehrheit: Die Itzstedter Amtsverwaltung soll erarbeiten, welche Unterschiede sich gegenüber dem derzeitigen ehrenamtlichen Bürgermeister ergeben würden, wie hoch die Kosten wären und wie eine Umstellung ablaufen würde.

Vor allem die FDP plädiert seit Jahren hierfür. Zur Erinnerung: Von 1975 bis 2008 hatte Tangstedt einen hauptamtlichen Bürgermeister, dann gab es eine landesweite Verwaltungsreform – Gemeinden mit weniger als 8000 Einwohnern durften nur noch Ehrenamtliche wählen. Diese Grenze wurde mittlerweile aber auf 4000 reduziert.

Heute hat Tangstedt knapp 6500 Einwohner. „Nur ein hauptamtlicher Bürgermeister kann intensiv und professionell unsere Gemeinde in die Zukunft begleiten“, schreiben die Fraktionsvorsitzenden Ingrid Sichau (SPD), Lothar Metz (BGT), Jens Kleinschmidt (FDP) und Stefan Mauel (Grüne) in ihrer Begründung.

Mit dem CDU-Mann Jürgen Lamp bekam Tangstedt nach der Kommunalwahl einen neuen Bürgermeister. Der pensionierte Polizeibeamte arbeitet quasi Vollzeit – weil er es so möchte. „Ich führe Personalgespräche, gehe auf 90. Geburtstage, habe Termine im Rathaus und auf dem Amt. Das ist normal. Wenn abends noch Ausschüsse sind, geht es bis 22, 23 Uhr, danach gibt es eine Nachbereitung“, sagt er. Vorgänger Norman Hübener (SPD), selbstständiger Immobilienunternehmer, befürwortete eine hauptamtliche Stelle.

Die Verwaltung in Itzstedt würde dadurch aber nicht ersetzt, das Dorf bekäme keine eigene Kämmerei oder Bauamt. Repräsentative Aufgaben würde ein Bürgervorsteher übernehmen. Die Kosten sind ein kritischer Punkt. 60.000 bis 70.000 Euro hatte das Amt schon einmal benannt, Lamp spricht von 100.000 Euro jährlich. Der frühere leitende Beamte in Itzstedt, Reiner Lietsch, hatte einen hauptamtlichen Bürgermeister für Tangstedt als „gut bezahlten Grüßaugust“ bezeichnet.

Ellerau ist schon weiter, die Kosten sowohl für einen ehrenamtlichen als auch einen hauptamtlichen Bürgermeister stehen im Haushaltsentwurf für 2019/2020: Ein Hauptamtler würde rund 95.000 Euro pro Jahr kosten, hinzu kämen Pensionsrückstellungen in Höhe von 108.300 Euro für 2019 und jeweils 11.000 Euro für die weiteren Jahre. Seit der Kommunalwahl erledigt Ralf Martens (Bürgerverein Ellerau) die Aufgaben ehrenamtlich und nebenberuflich. „Ich führe kein Stundenbuch, aber mit 20 Wochenstunden komme ich bei Weitem nicht aus“, sagt der selbstständige EDV-Berater. Er arbeite sich ein und werde erst danach sagen können, ob die Gemeinde von einem Vollzeit-Verwaltungschef geführt werden müsse. Sein Vorgänger Eckart Urban hatte sich für einen Hauptamtler starkgemacht.

Martens schlägt vor, dass die Politiker in zwei Jahren abschließend entscheiden sollten. Vorerst gehe es jetzt darum, die Doppelkosten aus dem Haushalt zu nehmen, wie von der SPD gefordert. „Wir können sie aber auch stehen lassen, quasi als stille Reserve“, sagt Martens.