Norderstedt
Ellerau

„Ich will kein Übergangs-Bürgermeister sein“

Ralf Martens muss die Verwaltungsgemeinschaft mit Norderstedt abwickeln, die Verkehrsprobleme im Ort lösen und die Bürger auf die S 21 vorbereiten

Ralf Martens muss die Verwaltungsgemeinschaft mit Norderstedt abwickeln, die Verkehrsprobleme im Ort lösen und die Bürger auf die S 21 vorbereiten

Foto: Burkhard Fuchs

Der neue Ehrenamtler an der Spitze der Ellerauer Verwaltung, Ralf Martens, hat sich für die kommenden fünf Jahre viel vorgenommen.

Ellerau.  Ralf Martens (BVE) will ein bürgernaher und authentischer Bürgermeister sein. Er ist sich sicher, dass er die wichtige Aufgabe nebenberuflich bewältigen kann – von dem Beschluss seiner Partei, wieder einen hauptamtlichen Bürgermeister in Ellerau zu beschäftigen, hält der 61-Jährige jedenfalls nicht viel.

Herr Martens, was qualifiziert Sie zum Bürgermeister von Ellerau?

Ralf Martens: Dass viele glauben, dass ich aufmerksam bin, die Dinge nüchtern sehen und beurteilen kann. Weil ich Erfahrung in Ausschüssen sowie die Zeit und Fähigkeit habe, andere Menschen zu überzeugen. Weil ich ein Gefühl für Zahlen habe. Und weil ich Ellerauer Bürger bin und einen guten Blick fürs Ganze habe.

Ihr Amtsvorgänger Eckart Urban war Rentner. Sie sind Unternehmer. Wie viel Zeit werden Sie für Ihr Ehrenamt aufbringen können?

Ich werde in der Regel wohl montags bis freitags in der Zeit von 10 bis 15 Uhr im Rathaus sein. Manchmal vielleicht auch schon morgens um 8 Uhr oder abends bis 18 Uhr. Das wird sich einlaufen. Aber ich werde kein Stundenprotokoll führen. Denn es soll ein Ehrenamt bleiben. Ich will die Freiheit behalten, mich auch um andere Dinge – wie zum Beispiel um die Kirchengemeinde – kümmern zu können. Ich sehe es so: Die Zeit, die ich für das Bürgermeister-Amt aufbringe, wird mir geschenkt.

Inwiefern?

In der Bibel heißt es an einer Stelle: Alles hat seine Zeit. Wenn ich das Gefühl habe, es braucht seine Zeit, werde ich diese dafür aufwenden. Meine Frau Andrea wird mir dabei den Rücken freihalten, sodass ich Dinge delegieren kann und die Zeit dafür habe. Ich werde mich aber nicht unter Druck setzen lassen und kann mich nicht zerteilen. Wobei es natürlich Dinge gibt, die man nicht aufschieben kann. Aber das werde ich beurteilen können.

Es ist klasse, dass Eckart Urban es 16 Jahre durchgehalten und es gerne und gut gemacht hat. Er hatte aber auch eine starke Frau, ohne die man diese Arbeit nicht machen könnte.

Was für ein Bürgermeister wollen Sie sein?

Bürgernah und authentisch. Dazu möchte ich ein Erlebnis kurz nach meiner Wahl schildern. Da fuhr ich mit dem Fahrrad durchs Dorf, als plötzlich jemand vom Balkon rief: ‚Herzlichen Glückwunsch, Herr Bürgermeister!‘. Ich kannte die Person überhaupt nicht. Diese Bürgernähe hat mir gefallen. Diese kleinen Begegnungen und Gespräche – darüber freue ich mich, dass so etwas möglich ist und mir dafür die Zeit geschenkt wird. Dass die Verwaltung natürlich laufen muss, ist eine Selbstverständlichkeit.

Braucht Ellerau jetzt keinen hauptamtlichen Bürgermeister mehr?

Ich finde, nein. Es steht zwar im Wahlprogramm meiner Partei, dem Bürgerverein Ellerau, BVE, dass sie an einem hauptamtlichen Bürgermeister festhalten will. Aber ich bin immer der Meinung gewesen, dass es doch jemanden in Ellerau geben muss, der die Fähigkeit, Reife und das Alter hat, das Amt des Bürgermeisters ehrenamtlich zu bekleiden. Wenn man so einen findet, sollte man ihn behalten. Die BVE hält zwar daran fest. Aber ich verstehe sie so, dass, wenn es gut läuft und ich es gut mache, sie mich nicht abwählen wird. Der Beschluss der Gemeindevertretung von 2016 dazu besteht ja nach wie vor. Er ist nur nicht umgesetzt. Man konnte sich ja im Jahr 2017 nur nicht auf einen Wahltermin einigen. Die neue Gemeindevertretung in Ellerau muss nun entscheiden, ob es dafür einen Termin geben soll oder nicht.

Oder den Beschluss aufheben?

Ja. Ich bin für fünf Jahre gewählt. So könnte die Gemeindevertretung beschließen, zum 1. Januar 2023 einen hauptamtlichen Bürgermeister zu wählen. Das wäre ein Termin, bei dem ich ohne Gesichtsverlust abgewählt werden könnte. Schlecht wäre es nur, wenn sie den Termin auf den 1. Januar 2019 festlegen würde. Dann wäre ich nur ein Übergangs-Bürgermeister. Ich finde, viel wichtiger ist, dass diese Person gute Arbeit leistet.

Wie wollen Sie die Verkehrsprobleme in der Gemeinde lösen?

Das ist vielschichtig. Es gibt ein Verkehrsgutachten, das aussagt, ohne Taktverdichtung der Bahn käme es nicht zu längeren Staus und längeren Wartezeiten am Bahnübergang. Aber wenn der Autoverkehr steigt, wird wohl auch der Stau länger werden. Da ist es wichtig für Ellerau, mit Quickborn eine gemeinsame Lösung zu finden.

Die da wäre? Eine Ortsumgehung?

Es könnte auf halber Strecke zwischen Quickborn und Ellerau eine Ortsumfahrung geben. Es geht darum, den Knotenpunkt an der Berliner Straße/Bahnstraße zu entlasten. Ich fürchte zudem, dass es für eine Untertunnelung der Bahnstrecke zu spät und der Zug bereits abgefahren ist.

Mit der S-Bahn 21, die 2021 auf der AKN-Strecke Eidelstedt–Kaltenkirchen fahren soll, sind nicht alle in Ellerau einverstanden. Vor allem die Betroffenen an der Bahnstraße nicht, die ihre Grundstücke verlieren. Wie wollen Sie die von dem Projekt überzeugen?

Es kann immer nur einen Gewinn des Ortes geben. Es wird immer Menschen geben, die ungleich betroffen sind. Darum hoffe ich, dass es zu einer guten Lösung mit der AKN/S-Bahn kommen wird, was die Gerätschaften, Lärmschutzwände und Strommasten angeht. Aber ich sehe hier auch eine Chance, dass sich was ändern kann, wie für die Bürger an der Moortwiete. Die sind dort vor 20, 30 Jahren hingezogen und mussten lange mit dem Lärm der Autobahn leben, der jetzt im Zuge des sechsspurigen Ausbaus durch Lärmschutzwände und Flüsterasphalt geringer geworden ist. Ähnlich könne es an der Bahnstraße laufen. Es gibt nicht nur Schokoladenseiten. Wenn man an einer Bahnlinie wohnt, muss man damit rechnen, dass die Taktfrequenz erhöht und ein zweites Gleis gebaut werden kann.

Wie soll die Verwaltungsgemeinschaft mit Norderstedt abgewickelt werden?

In einem guten Einvernehmen und Miteinander bis zum 30. Juni 2019. Es muss sichergestellt sein, dass hier im Ellerauer Rathaus alles gut und einwandfrei weiterläuft. Dann erwarte ich eine kompetente Übergabe der Verwaltung an die Stadt Quickborn. Ich habe den Eindruck, dass es eine gute Zusammenarbeit mit Norderstedt ist. Manchmal war es schwierig, die zuständigen Personen im Norderstedter Rathaus zu erreichen. Aber das haben wir jetzt nach einem persönlichen Gespräch mit einer neuen Rufnummer-Weitergabe neu geregelt.

Warum ist die Verwaltungsgemeinschaft mit Quickborn für Ellerau besser?

Weil wir eine gemeinsame Grenze und viele gemeinsame Interessen haben. Sie ist bürgernäher für die Ellerauer Bürgerinnen und Bürger, weil das Quickborner Rathaus in nur drei Kilometern Entfernung zu den erweiterten Öffnungszeiten zu erreichen ist und die Ellerauer ihre Behördenangelegenheiten gut und bequem regeln können.

Was sagen Sie grundsätzlich zum Wechsel der Verwaltungspartner?

Als Gemeindevertretung müssen wir agieren und nicht nur reagieren können. Wir müssen gestalten und nicht nur verwaltet werden. Das war bei der Vertragskündigung durch Norderstedt nicht möglich. Da waren wir die Getriebenen. Wir standen unter Zeitdruck und hatten eine ganz schlechte Verhandlungsposition.

Wie soll sich Ellerau in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwickeln?

Die Bevölkerungsentwicklung soll moderat erfolgen unter Berücksichtigung der Kapazität in den Schulen, Kindergärten, des Verkehrs und des vorhandenen Wohnraums.

Wird es bei den 6100 Einwohnern bleiben?

Es deutet sich ein geringes Wachstum an, ohne eine Zahl nennen zu wollen. Aber 7000 Einwohner werden es mit Sicherheit nicht werden.