Norderstedt
Langenhorn

Im Quartier Ochsenzoll geht’s endlich voran

In Nachbarschaft zum Audi-Wichert-Zentrum entsteht ein neues Wohn- und Geschäftshaus an der Langenhorner Chaussee, Höhe Ochsenzoll

In Nachbarschaft zum Audi-Wichert-Zentrum entsteht ein neues Wohn- und Geschäftshaus an der Langenhorner Chaussee, Höhe Ochsenzoll

Foto: Andreas Burgmayer

Investor HIPE baut ein Wohn- und Geschäftshaus an der Stelle, die einmal als Schandfleck von Langenhorn Schlagzeilen machte.

Norderstedt/Langenhorn.  Schon lange warten die Bürger im Quartier rund um den Ochsenzoll darauf, dass alle Baustellen endlich erledigt sind. Der Kreisverkehr und die Audi-Wichert-Großbaustelle sind Geschichte. Jetzt bringt ein Investor endlich die Überplanung der ehemaligen Ladenzeile an der Ecke Stockflethweg und Langenhorner Chaussee voran. Zwischen den Hausnummern 672 bis 678 soll bis Ende Oktober 2019 ein Klinkerbau mit Wohnungen, Gewerbeflächen und einer Tiefgarage entstehen.

Jedoch: Nur 20 Hausnummern weiter, an der Einmündung der Fibigerstraße, stockt die Bauplanung. Ein Investor will hier geförderte Wohnungen für Senioren bauen, er klagt über die Auflagen der Behörden. Und Kritiker im Viertel bemängeln, dass eine ehemals denkmalgeschützte Tankstelle aus den 50er-Jahren für das Seniorenwohnen abgerissen werden muss.

Doch am Stockflethweg geht es zügig voran. „Der erste Beton ist schon geflossen“, sagt Peter Karshüning, Geschäftsführer der Hamburger Immobilien Projekt- und Entwicklungsgesellschaft (Hipe). „Es wird ein richtig schönes Gebäude, ich freue mich drauf“, sagt Karshüning. Zuvor hatte es 17 Jahre Stillstand auf dem Grundstück gegeben. Bereits 2001 hatte das Bezirksamt Nord zum ersten Mal Pläne zur Neustrukturierung präsentiert, doch es tat sich lange Zeit herzlich wenig. 2009 brannte es in der Ladenzeile, seit 2011 befanden sich die Hausnummern 672 bis 678 in erbärmlichem Zustand. Die Läden standen leer, umgeben von Bauzäunen, die Ruine verfiel, während ein Investor nach dem anderen kam und ging. Schließlich folgt Anfang 2018 endlich der Abbruch des Schandflecks von Langenhorn.

Von der Vorgeschichte der Langenhorner Ladenzeile weiß der neue Bauherr wenig. „Ich will hier nur in Ruhe bauen“, sagt Karshüning. „Mir wurde das Grundstück vorgestellt und es hat mir gefallen. Die Hipe hatte das Grundstück Ende 2017 von einem früheren Quickborner Investor gekauft. An der seit 2016 bestehenden Baugenehmigung will die Bauherrin, die Wall Immobilienbesitz GmbH (Wib), ebenso vertreten durch Peter Karshüning, wenig ändern. Es bleibt bei den geplanten 48 Wohnungen, sieben Gewerbeeinheiten und 25 Stellplätzen in einer Tiefgarage. Die Mietpreise für die Wohnungen sollen mit 11 bis 13 Euro im mittleren Preissegment liegen. Mit einem Änderungsantrag hat Wib Anfang dieses Jahres durchgesetzt, dass die Höhe der Gewerbeeinheiten an der Langenhorner Chaussee um 60 Zentimeter erhöht wird. Damit soll ein barrierefreier Zugang zu den künftigen Läden ermöglicht werden. Auch die Grundrisse der Wohnungen sei optimiert worden. Karshüning: „Ich versuche, in jeder Wohnung einen Abstellraum mit Waschmaschinenanschluss zu integrieren.“ Für das Bauprojekt setzt Karshüning auf große Fensterflächen, die den Anwohnern viel Sonnenlicht spenden sollen.

Bei den Anwohnern in Norderstedt hat sich der Bauherr schon vorgestellt, für die Gewerbeflächen sucht er nun Mieter. „Über Mundpropaganda sind bereits zwei der Flächen schon so gut wie vermietet.“ Vorgesehen seien ein Friseur, ein Bäcker, aber auch Dienstleisterbüros – etwa ein Steuerberater.

Ein marodes Denkmal weicht einer Seniorenwohnanlage

Auf dem Grundstück an der Langenhorner Chaussee 652 bis 656, dort wo jetzt noch die historische Tankstelle steht, wollte die Hamburger Firma Keye eigentlich schon bis Ende 2016 etwa 50 bis 60 barrierefreie Wohnungen für Senioren bauen. Doch eine Baugenehmigung hat Keye bis heute nicht erhalten. „Wir haben über 1000 Wohnungen in Hamburg, ein Großteil davon im sozialen Wohnungsbau“, sagt Geschäftsführer Ralf Keye. Insgesamt hat sein Unternehmen etwa 15 Wohnanlagen für Senioren und drei Studentenwohnheime in der Hansestadt gebaut. Offiziell steht die 50er-Jahre-Tankstelle dem Bauprojekt nicht mehr im Wege. Keye hat die Abrissgenehmigung des Hamburger Amtes für Denkmalschutz und muss dafür nur eine Baudokumentation erstellen. Die Langenhorner Tankstelle ist eine von fünf ihrer Art in ganz Hamburg. Ursprünglich wollte Keye sie in den Neubau integrieren, ein Wohnhaus sollte dazu auf Stelzen gebaut werden. Doch ein Gutachten habe ergeben, dass eine Sanierung der Tankstelle zu aufwendig und damit nicht verhältnismäßig wäre, sagt Keye.

Das bestätigt auch Jörg Seifert, Sprecher des Denkmalschutzamtes Hamburg. Wenn die Erhaltung wirtschaftlich nicht zumutbar sei, könnten Denkmäler laut Gesetz gelöscht werden, so Seifert. 2015 bis 2017 ist das in Hamburg siebenmal passiert. Solange ein Gebäude noch steht, ist es ein Denkmal, dieser Status erlischt erst mit einem Abriss. „Bevor uns aber eine Baugenehmigung vorliegt, macht es noch keinen Sinn, irgendetwas abzureißen“, so der Eigentümer. Gegen den Abriss des Gebäudes sprechen sich zwei Vereine aus. „Zu viel ist in den letzten Jahren abgerissen worden, was erhaltenswert war“, sagt René Senenko von der Willi-Bredel-Gesellschaft. Nahe Ochsenzoll betreffe das etwa das historische Restaurant Heimbuche und den Bärenhof. „Wenn sie sich die alte Tankstelle genau anschauen, entdecken sie, weshalb sie so erhaltenswert ist: das geschwungene Dach und der wunderbar geformte Glasbauch – eine Perle!“, sagt Senenko. Für Thomas Kegat vom Langenhorner Bürger- und Heimatverein ist der Bau ein Stück Geschichte des Stadtteils. „Wir bedauern sehr, dass die Tankstelle nicht erhalten wird“, sagt Kegat.

Das sieht Keye anders. Das Gebäude sei über die Jahre immer wieder renoviert worden, die ursprüngliche Bausubstanz kaum mehr erhalten. Heute ist es mit Graffiti besprüht, die Glasfront teilweise zerschlagen „Man braucht nur auf die Tankstelle in ihrem jetzigen Zustand zu schauen, um zu sehen, dass es nicht wirklich erhaltenswert ist.“