Norderstedt
Kreis Segeberg

In Nahe soll der Verkehr bald wieder rollen

Nahes Bürgermeister Holger Fischer inmitten der Straßensperrung in der Ortsmitte – im Herbst soll die Wakendorfer Straße wieder voll befahrbar sein

Nahes Bürgermeister Holger Fischer inmitten der Straßensperrung in der Ortsmitte – im Herbst soll die Wakendorfer Straße wieder voll befahrbar sein

Foto: Christopher Herbst

Sanierung der Landesstraße 75 ist nach fast zwei Jahren Bauzeit beinahe abgeschlossen. Gebaut wird im Ort auch an anderen Stellen.

Nahe.  Bürgermeister Holger Fischer könnte bereits die Tage rückwärts zählen. Seit Juli 2016 ist die Landesstraße 75 (innerorts in Nahe die Wakendorfer Straße) eine Großbaustelle, die Sanierung samt Erneuerung der Kanalisation hat sich in die Länge gezogen, dauert bereits deutlich länger als gedacht. „Es war auf 16 Monate angesetzt, kürzlich waren es dann zwei Jahre“, sagt Fischer. Der Zeitplan war kollabiert, als aufgrund falscher, alter Zeichnungen die Gasleitungen umgelegt werden mussten, zwölf Wochen lang ruhte deshalb der Betrieb komplett.

Jetzt ist das Ziel in Sicht, es fehlt lediglich noch der letzte Abschnitt von der Dorfstraße bis zur Bundesstraße 432. „Wir sind in der Schlussphase. Am 9. August ist der Asphaltierungstermin“, so Fischer. „Aber ich glaube erst daran, wenn die Asphaltierung auch wirklich losgeht. Die jetzt eingebaute Qualität ist gut. Aber das Thema hat die Bürger genervt.“

Ein Dorfbürgermeister ist immer im Dienst

Gerade jetzt, wo seit sechs Wochen weiter nördlich die Landesstraße 80 hinter Sievershütten ebenfalls saniert wird, dazu in Nahe auch die Dorfstraße in einem Teil dicht ist. Und diesen Unmut haben ihm seine Mitbürger quasi überall mitgeteilt. So ist, überspitzt gesagt, eben das Schicksal eines Dorfbürgermeisters. „Manchmal kommt auch jemand auf die Terrasse. Privat gibt es nicht mehr. Das ist schon eine Belastung, aber ich bin jetzt daran gewöhnt“, sagt der 61-Jährige von der Wählergruppe Dorfgemeinschaft Nahe, den die Gemeindevertretung am 21. Juni für fünf weitere Jahre gewählt hat.

Fischer ist gelernter Tischlermeister, arbeitete lange bei der Hochbahn, kümmert sich nun um seinen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb mit Milchvieh und Getreideanbau. Meistens bestimmt aber das Geschehen im Ort seinen Tagesablauf. 2400 Einwohner hat Nahe derzeit, es bildet mit Nachbar Itzstedt einen ländlichen Zentralort, hat also infrastrukturell eine hohe Relevanz für die Region. Die Gemeinde verändert sich, wird in kleinen Schritten moderner, darauf ist der Bürgermeister stolz.

Ein Mittelpunkt für die Menschen ist das frisch sanierte Dörphus mit seinem Mehrgenerationenkonzept – und der öffentlichen E-Ladesäule auf dem Parkplatz. Hier treffen sich Vereine, die Politiker halten Sitzungen ab, das Haus wird für Veranstaltungen gebucht. Im vergangenen Jahr diskutierten hier beispielsweise die Bürger aus Nahe und Itzstedt über die Chancen einer Fusion. Man ging ohne Ergebnis auseinander, die Sache ist ein sensibles Thema – gerade für Alteingesessene.

Holger Fischer sieht es entspannter. „Wir haben die Fusion nicht weggeschoben, werden während der Wahlperiode mit Sicherheit darüber sprechen.“ Ein guter erster Ansatz sei der angedachte gemeinsame Kita-Zweckverband. „Absolut vorteilhaft“ sei dieser.

Nahe könnte mittelfristig mehr als 3000 Einwohner haben

In diesem Zusammenhang stehen die wohl wichtigsten zwei Zukunftsprojekte. Auf dem Birkenhof, einer alten Reitanlage, 2016 für 1,1 Millionen Euro von der Gemeinde erworben, entsteht eine Kindertagesstätte, dazu eine Garage mit Werkstatt und Wohnmobilservice, an der B 432 soll ein kleines Gewerbegebiet vermarktet werden.

Dass der Betreuungsbedarf größer wird, ist zu erwarten. „Wir sollen uns weiterentwickeln“, sagt Holger Fischer. „Wenn man alle neuen Baugebiete zusammennimmt, bekommen wir 800 Einwohner mehr.“ Er sieht sogar noch mehr Potenzial. „Aber wir müssen Flächen finden, wo die Eigentümer auch verkaufsbereit sind.“

So wie am „Rodelberg“. Hier wird momentan ein Baugebiet mit Grundstücken für 31 Einfamilienhäuser erschlossen. Nahe zahlt hierfür 3 Millionen Euro plus des nicht veröffentlichten Kaufpreises für das Areal. „Ich hoffe, dass das Geld wieder reinkommt“, sagt Fischer. Sorgen wird er sich wohl nicht machen müssen. Erfahrungsgemäß ist das Interesse an Bauland im Dorf so groß, dass die Grundstücke verlost werden.