Norderstedt

Polizeistreifen kontrollieren die Radfahrer

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Michael Schick
Kai Hädicke-Schories von der Polizei informiert Ina Kreisfeld an der Rathausallee über die Radverkehrswoche

Kai Hädicke-Schories von der Polizei informiert Ina Kreisfeld an der Rathausallee über die Radverkehrswoche

Foto: Michael Schick

Die Radler werden von den Polizeibeamten über Fehlverhalten informiert. So soll die Sicherheit im Radverkehr besser werden.

Norderstedt.  Drängeln, Klingeln, Hupen, auf dem vermeintlichen Recht beharren, Regeln missachten – der Radverkehr ist ein zentrales Problem in Norderstedt. „Er ist geprägt von Fehlverhalten“, sagt der zuständige Dezernent Thomas Bosse. Radler seien auf der falschen Straßenseite unterwegs, ignorierten Rotlicht, kämen mit den Fußgängern und Autofahrern ins Gehege. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem bei uns keine Beschwerden oder Wünsche eingehen“, sagt Rathaussprecher Bernd-Olaf Struppek.

Polizei und Verwaltung wollen nun gegensteuern: Sie haben die erste Schwerpunktwoche in der Stadt zum Thema Radverkehr ausgerufen. Ziel ist, dass sich Radler möglichst sicher durch Norderstedt bewegen. Noch bis zum morgigen Freitag kontrollieren Polizeistreifen und Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes an den Hauptstraßen und Konfliktpunkten die Radfahrer. „Es geht uns nicht darum, Bußgeld oder Strafen zu verhängen. Wir wollen über das korrekte Verhalten im Straßenverkehr informieren“, sagt Kai Hädicke-Schories, bei der Norderstedter Polizei zuständig für den Verkehr. Zudem richten Stadt und Polizei eine Anlaufstelle ein, an der die Bürger ihre Regelkenntnisse auffrischen und Infomaterial mitnehmen können. Der Infostand ist am heutigen Donnerstag von 10 bis 15 Uhr vor dem Rathaus geöffnet.

Ein- und Ausfahrten sind Gefahrenpunkte für Radler

Bei den Radfahrern haben die Kontrolleure vor allem das verbotene Fahren in die falsche Richtung und das Telefonieren während der Fahrt im Blick. „An Kreuzungen und Einmündungen ereignen sich die häufigsten Unfälle“, sagt Hädicke-Schories. Dort achten Autofahrer vor allem auf Radler, die von links kommen. Nähern sie sich von rechts, werden sie häufig nicht rechtzeitig wahrgenommen, es kommt zur Kollision.

Einen weiteren Gefahrenpunkt sieht die Polizei an Ein- und Ausfahrten. Dort müssten Autofahrer oft bis auf den Radweg vorfahren, um ausreichend Sicht auf den Verkehr zu haben. Wegen dieser hohen Risiken für die Sicherheit sei es Radfahrern nur dann gestattet, einen „linken“ Radweg zu benutzen, wenn er auch für diese Richtung mit einem entsprechenden Verkehrszeichen gekennzeichnet ist.

Bei Autofahrern geht es insbesondere um das Parken auf Radwegen. „Wir beobachten immer wieder, gerade auch an der Rathausallee, dass Radwege mit Fahrzeugen zugestellt werden, weil der Fahrer etwas erledigen muss. Doch das bringt Radfahrer unnötig in Gefahr“, sagt Hädicke-Schories.

Ein weiterer Schwerpunkt der Kontrollen sind die Schulen. Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto oft direkt bis vor die Schule und holen sie auch dort wieder ab. „Diese Elterntaxis sorgen häufig für ein wenig überschaubares Verkehrsgemenge, zudem werden die Fahrzeuge auch noch in Halteverbotsbereichen oder auf den Geh- und Radwegen abgestellt“, sagt der Verkehrsbeauftragte der Norderstedter Polizei, der zusammen mit seinen Kollegen bei den Kontrollstreifen auch die Bahnübergänge im Blick hat: „Noch schnell rüberhuschen, bevor sich die Schranken schließen – das kann gefährlich werden.“

Die Brennpunkte: Ulzburger Straße und Schmuggelstieg

Zudem tauchen zwei Brennpunkte bei den Beschwerden im Rathaus immer wieder auf: der Meilenstein auf und an der Ulzburger Straße und der ebenfalls von allen Verkehrsteilnehmern gleichberechtigt zu nutzende Bereich am Schmuggelstieg. Zwischen Langenharmer und Glashütter Weg müssen Radfahrer auf die Fahrbahn der Ulzburger Straße. Hier gilt Tempo 30, die Straße gehört Rad- und Autofahrern gleichermaßen. Das ist die offizielle Lesart und drei Jahre nach dem Start des gleichberechtigten Verkehrsraums eher Theorie: „Viele radeln nach wie vor lieber auf dem Fußweg, obwohl das verboten ist. Sie trauen sich nicht auf die schmale Fahrbahn, wenn die Autos oder gar Lkw knapp an ihnen vorbeifahren“, sagt Hädicke-Schories.

Gerade bei unsicheren und älteren Radlern führe die Sorge um die eigene Sicherheit dazu, dass sie die Schutzstreifen auf der Quickborner Straße und auf dem Alten Kirchenweg nicht benutzen, sondern lieber auf dem Fußweg fahren. „Den dürfen sie dort auch benutzen“, sagt Christine Haß, im Rathaus zuständig für den Radverkehr. Baudezernent Bosse hält diese Mischform nicht für ideal, es gebe aber oft keine Alternative: Die Straßen sind eng und mit der steigenden Einwohnerzahl nicht mitgewachsen. Die Stadt wolle am Radeln auf der Straße festhalten: „Sollen wir Radwege bauen, die zu schmal sind und nicht der Straßenverkehrsordnung entsprechen, oder gar Bäume abholzen, was am Alten Kirchenweg nötig wäre? Da höre ich den Aufschrei schon jetzt.“

Aggressive Reaktionen auf freundliche Hinweise

Auch am Schmuggelstieg kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Radfahrern und Fußgängern. „Für unsere Einkäufe nutzen wir den Fußweg, leider nicht gefahrlos“, sagen Heino und Sonja Dalbeck. Regelmäßig würden sie und andere Passanten von Radfahrern bedrängt. Es sei schon häufig zu Beinahunfällen gekommen. „Wenn wir Radfahrer freundlich darauf hinweisen, dass sie auf der Straße fahren müssen, wird das ignoriert, oder sie reagieren aggressiv“, sagen die beiden .

Sie fordern die Stadt auf, Piktogramme auf dem Bürgersteig aufzubringen, die das Radfahren dort untersagen. Bosse hält davon nichts: „Ich kann nicht verstehen, warum Radfahrer dort Angst haben, die Straße zu benutzen. Dort fahren die Autofahrer nicht mal annähernd mit Tempo 30.“

Infostand Radverkehr, 28.6., 10 bis 15 Uhr, am Rathaus Norderstedt

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