Norderstedt
Kreis Segeberg

Wie Landfrauen gegen Klischees kämpfen

Silke Altner (l.) und Nicole Arnold sind moderne Frauen, die für ihresgleichen Freizeitangebote und Fortbildungen organisieren wollen

Silke Altner (l.) und Nicole Arnold sind moderne Frauen, die für ihresgleichen Freizeitangebote und Fortbildungen organisieren wollen

Foto: Heike Hiltrop / LNBILD

Ein neues Projekt soll die Lücke zwischen den Generationen schließen und den Nachwuchs für die Arbeit der Landfrauen begeistern.

Kreis Segeberg.  Sie sind weder trutschig, noch kommen alle vom Bauernhof – Frauen vom Land. Nicole Arnold und Silke Altner gehören zum Landfrauen-Nachwuchs. Sie wollen die Bundesinitiative „Junge Landfrauen“ im Kreis Segeberg etablieren.

„Wir können ohne Navi sicher durch Hamburg fahren und trotzdem jeden Baum benennen“, sagt Nicole Arnold und bietet der kleinen Runde in ihrer Küche kalte Getränke an. Zunächst einmal geht es um Grundsätzliches. „In den Köpfen vieler steckt immer noch: Die können sich nicht anziehen und kennen sich in der Stadt nicht aus. Die wissen Bescheid über Kochrezepte, haben aber keine Ahnung von der Welt“, sagt Arnold.

Hartnäckige Vorurteile, die entkräftet werden wollen. Beste Beispiele dafür, dass es sich dabei eben nur um platte Klischees handelt, sind die beiden selbst: Nicole Arnold ist 38 Jahre alt, Polizistin und Landfrau, ihre 35-jährige Mitstreiterin Silke Altner ist von Beruf Pharmazeutisch-technische Assistentin und ebenfalls Landfrau. Die beiden haben zufällig über das niedersächsische Celle zueinander gefunden. Dort startete Ende 2017 die Bundesinitiative „Junge Landfrauen“, und genau die wollen sie auch im Kreis Segeberg etablieren. „Einer muss ja den Hut aufhaben“, betonen beide voller Elan. „Man hat Kinder, die Arbeit, aber wo haben Frauen mal Zeit für sich? Wir wollen qualitativ gute Fortbildungs- und Freizeitangebote schaffen, die junge und junggebliebene Landfrauen ansprechen. Und wir wollen junge Frauen vom Land zusammenbringen“, sagt Silke Altner. Es gebe einfach Dinge, die funktionieren nur in der Gruppe, machen mit anderen mehr Spaß. Altner: „Wer neu ist im Dorf, der möchte doch Leute kennenlernen.“ Es sei nicht leicht, in eine bestehende Dorfgemeinschaft reinzukommen, sind sich Arnold und Altner sicher. „Da sind dann wir und sagen: ,Hey, du bist bei uns genau richtig’“, sagt Nicole Arnold.

Die Initiative sieht sich nicht als Konkurrenz zu anderen, das betonen die beiden Frauen immer wieder. Sichtbarer wolle man die Landfrauen machen. „Wir verstehen uns als das Bindeglied zwischen der Landjugend und den Landfrauen“, lautet ihr Credo. Ein Problem, das sie wie viele Vereine plagt, könne außerdem abgemildert werden: die Überalterung. „Ja, es gibt Nachwuchsprobleme“, räumt Segebergs oberste Landfrau Jutta Neuber ein. Auch wenn das nicht überall so sei. Ein Blick in die Ortsverbände untermauert dies: Während die Barker Landfrauen gerade mit einem großen Fest ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert haben, zählt man im Ortsverband Heidmühlen die Monate bis zur Auflösung Ende des Jahres. „Vor allem die Vorstandsämter sind schwer zu besetzen“, sagt Jutta Neuber.

Das Problem ist also erkannt, darum unterstützt der Kreis-Landfrauenverband das Projekt – auch finanziell. Geplant sind monatliche Zusammenkünfte und Aktionen: Kreatives und Kulturelles ist vorgesehen. Und wichtig ist den Macherinnen, dass die Angebote thematisch und zeitlich gut mit Familie und Beruf vereinbar sind.

Denn grundsätzlich stehen die Aktivitäten jeder Frau offen. Auch Nichtmitglieder können sich beteiligen. „Aber wir werden einen Gästeaufschlag bei den Teilnehmerbeiträgen nehmen müssen“, sagt Nicole Arnold. Mit ein paar Veranstaltungen hätte man den Mitgliedsbeitrag schnell wieder raus. Vielleicht motiviere das ja manch eine, sich für die Landfrauen zu entscheiden. Das Feedback sei bisher positiv. „Die Welle der Jungen Landfrauen schwappt ins Land“, scherzt Silke Altner. Gemeint ist, dass die Initiative fast zeitgleich mit Segeberg auch im Kreis Stormarn angekommen ist. Nordfriesland und Dithmarschen wollen nachziehen. „Es wäre einfach schade, wenn das ganze Wissen der Landfrauen irgendwann verloren geht, weil der Nachwuchs fehlt“, sagt Altner.