Norderstedt
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112 Ampeln regeln den Verkehr in der Stadt

Vorfahrt für Busse: Verkehrsingenieur Rainer Schröter an der Rathausallee

Vorfahrt für Busse: Verkehrsingenieur Rainer Schröter an der Rathausallee

Foto: Michael Schick / HA

Steuerung der Lichtsignalanlagen zählt zu den modernsten im Bundesgebiet. Rainer Schröder ist zuständig dafür, dass alles läuft.

Norderstedt.  „Ich erkenne sofort, wenn sich ein Bus nicht angemeldet hat“, sagt Rainer Schröter. Er ist im Rathaus dafür zuständig, dass die Ampeln in Norderstedt einen optimalen Verkehrsfluss garantieren. Dazu gehört auch die Busbeschleunigung. Seit Mitte der 90er-Jahre genießen Busse Vorrang, schon damals war die Stadt mit dem Projekt eine der ersten bundesweit. Und auch jetzt zählt die Ampelsteuerung zu den modernsten. Das System bekam bei der ersten Podiumsdiskussion der Norderstedter Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl sogar Lob von den Linken, die nicht gerade als Freunde des Autoverkehrs verschrien sind – Schröter hatte die Verkehrslenkung gerade im Hauptausschuss präsentiert.

Er spricht allerdings nicht von Ampeln, sondern von Lichtsignalanlagen. 112 gibt es davon in Norderstedt, komplizierte Verflechtungen wie an der ausladenden Kreuzung Niendorfer Straße/Ohechaussee, Ampelpakete, die, wie am ZOB in Norderstedt-Mitte oder am Harksheider Markt, gemeinsam einen längeren Bereich schalten, und einzelne Lichtzeichen, die auf Tastendruck die Autofahrer stoppen und Fußgänger über die Straße lassen.

Drei Steuerungsmodelle kommen in Norderstedt zum Einsatz. Basis ist die Festzeitsteuerung: „Die sieht vor, dass jeder Verkehrsteilnehmer innerhalb von 90 Sekunden einmal Grün bekommt“, sagt Schröter. Das System sei wie eine „kleine Demokratie“. Am Beispiel der Kreuzung Friedrichsgaber Weg/Waldstraße erläutert er die Details: Für die Hauptrichtung, den Nord-Süd-Verkehr, gewähren die Ampeln 55 Sekunden Grünphase, für die Nebenrichtung bis zu 31 Sekunden. Die restliche Zeit wird für die Sicherheit gebraucht. „Wir müssen ja noch eine Reserve für diejenigen haben, die noch bei Spätgelb auf die Kreuzung fahren. Die müssen auch heil wieder runterkommen“, sagt der Verkehrsingenieur. Die Übergänge zwischen den Ampelphasen sind starr, die Grün- und Rotzeiten können verändert werden. Dieser feste Ablauf ist allerdings die Ausnahme und der Rettungsanker, falls Messanlagen ausfallen.

Diese Signalgeber sind nötig, um die beiden gängigen Modelle in der Stadt zu aktivieren: die teil- und vollverkehrsabhängige Steuerung der Lichtzeichen, die flexibel auf das Verkehrsaufkommen reagiert. In die Fahrbahnen sind vor den Ampeln Metallstreifen eingelassen. Sie bauen ein schwaches Magnetfeld auf. Überquert ein Fahrzeug diese Detektoren, wird das Magnetfeld unterbrochen. Die Information landet automatisch beim Steuergerät, das zudem die Zeitlücken zwischen den Autos misst und aus den Daten die optimalen Rot-, Gelb- und Grünphasen für den Verkehrsfluss ermittelt. „Die Grenze liegt bei etwa 2000 Fahrzeugen pro Stunde“, sagt Schröter, der seit 1990 daran arbeitet, die Staus in Norderstedt möglichst gering zu halten. Doch die bilden sich, wenn das Steuersystem an seine Kapazitätsgrenze kommt.

Ampelphasen richten sich nach Verkehrsaufkommen

Die teilverkehrsabhängige Steuerung heißt im Alltagsdeutsch „grüne Welle“ und gilt für die Hauptverkehrsstraßen wie Segeberger Chaussee/Ohechaussee und Ulzburger Straße. „Das funktioniert nur, wenn wir Pulks von Fahrzeugen haben, nur dann können wir steuern“, sagt der Verkehrsingenieur. Ermitteln die Detektoren in den Fahrbahnen Fahrzeugabstände von 600 oder 700 Metern, endet die grüne Welle. Sie greift vor allem in den Hauptverkehrszeiten, die Zeitfenster für die Ampel­phasen sind dem jeweiligen Verkehrsaufkommen angepasst. So verkürzen sich Fahr- und Wartezeit beispielsweise nach 19 Uhr. 30 Ampelanlagen laufen nachts durch, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Seit 23 Jahren haben die Busse in Norderstedt Vorfahrt. Sie melden sich per Datentelegramm und GPS an den Ampeln an und können sofort passieren. Schröter ist auch immer auf der Suche nach Sparpotenzial, und das hat er in den Glühlampen gefunden. Seit 2004 hat die Stadt die alten Lampen gegen LED-Licht ausgetauscht und spart dadurch etwa 500.000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Zu den Erfolgsfaktoren zählen auch die Glasfaserkabel, die die Stadtwerke für wilhelm.tel schon vor Jahren in der Norderstedter Erde vergraben haben: „Dadurch können wir die Daten nicht nur schnell übertragen, sondern auch speichern“, sagt Schröter. Das sei wichtig, wenn es darum geht, Ursachen von Unfällen oder Ampelausfällen auf den Grund zu gehen.