Norderstedt
Filiale geschlossen

Glashütter Markt braucht eine Post für die vielen Senioren

Peter Schreier (67), Rainer Brandt (67) und Ilse Becker (86, von links) ärgern sich, dass die Postfiliale am Glashütter Markt verschwunden ist

Peter Schreier (67), Rainer Brandt (67) und Ilse Becker (86, von links) ärgern sich, dass die Postfiliale am Glashütter Markt verschwunden ist

Foto: Michael Schick / HA

Die bestehende Filiale wurde vor Monaten geschlossen. Nun müssen die Bürger ihre Pakete im Einkaufszentrum Immenhof abholen.

Norderstedt. „Wie soll ich denn da hinkommen?“ Die Frage von Ilse Becker klingt mehr wie ein Vorwurf, und das soll auch so sein. Die 86-Jährige ist auf ihren Rollator angewiesen und nicht mehr so mobil, dass sie zur Postfiliale im Einkaufszentrum Immenhof an der Poppenbütteler Straße gehen kann. Dorthin müssen sie und die anderen Anwohner des Glashütter Marktes seit einem Dreivierteljahr, um Pakete abzuholen, Briefmarken zu kaufen oder Einschreiben abzugeben. Bis zum Sommer 2017 konnten sie den Service der Post direkt vor der Wohnungstür in Anspruch nehmen. Doch seitdem klafft in der Nahversorgung eine Lücke: Die Postfiliale wurde geschlossen, seitdem gibt es nur noch einen DHL-Paketshop im Zentrum des östlichsten Norderstedter Stadtteils.

„Dort können wir Pakete abgeben, wenn wir sie vorher gewogen und frankiert haben“, sagt Reiner Brandt. Der 67-Jährige wollte sich mit dem Verlust der wichtigen Anlaufstelle nicht abfinden und hat Protest organisiert. Einer von denen, die sich wie Brandt ärgern, ist Peter Schreier: „Als die Filiale geschlossen wurde, hing dort ein großes Plakat, auf dem Stand, dass hier wieder eine Post mit dem gleichen Service eröffnen würde. Darauf warten wir noch immer“, sagt der 67-Jährige.

Rund um den Glashütter Markt wohnen etwa 5000 Menschen, sagen Brandt, Schreier und Becker. Hochhäuser und Wohnblocks gruppieren sich um das kleine Einkaufszentrum, das seit vielen Jahren ums Überleben kämpft. Viele der Bewohner sind inzwischen im Seniorenalter, und, so hat Brandt ermittelt, die Zahl derjenigen, die nur eingeschränkt mobil sind, ist hier deutlich höher als in anderen Stadtbereichen.

Anwohner haben Politik eingeschaltet

Menschen wie Ilse Becker, die auf einen Rollator angewiesen sind, können nicht mal eben 1,3 Kilometer zum Einkaufszentrum Immenhof gehen, um sich Briefmarken zu kaufen oder ein Paket abzuholen. „Ich bin hier 1971 eingezogen, weil ich hier alles vor der Tür habe. Das ist nun leider nicht mehr so“, sagt Ilse Becker.

Schreier weist darauf hin, dass zwar Busse der Linie 493 zur neuen Postfiliale im Einkaufszentrum Immenhof an der Ecke Poppenbütteler Straße/Glashütter Damm fahren, aber: „Sollen die Menschen schwere Pakete in den Bus schleppen und von dort nach Hause?“ Es falle manchem schon schwer, mit einem Rollator in einen Bus zu steigen, mit einem Paket in den Händen sei das fast unmöglich. Hinzu komme, dass für die Rückfahrt ein Wartehäuschen mit gerade mal zwei Sitzplätzen zur Verfügung stehe.

„Dass die Postleistungen fehlen, ist das eine. Fast genauso ärgerlich ist, dass es mir nicht gelingen will, einen kompetenten Ansprechpartner bei der Post oder bei der Posttochter DHL zu bekommen“, sagt Brandt. Er stehe in Kontakt mit einer Mitarbeiterin des DHL-Kundenservice, die auf Alternativen hingewiesen habe. So könnten die Anwohner Pakete in der nächsten Filiale oder in einer Packstation abholen oder beim Nachbarn abgeben lassen. Solche Vorschläge lösten das Problem nicht, sagt Brandt.

Er hat inzwischen den Norderstedter Seniorenbeirat und die Politik eingeschaltet. SPD-Stadtvertreterin Sybille Hahn, die selbst in Glashütte wohnt, hat Verständnis für das Anliegen der Anwohner: „Man kann diesen Menschen nicht zumuten, dass sie, um einfache Serviceangebote der Post nutzen zu können, den Weg zum Einkaufszentrum Immenhof auf sich nehmen.“ Die SPD hat die Verwaltung im Norderstedter Rathaus aufgefordert, die Betroffenen zu unterstützen und dringend Kontakt mit der Post aufzunehmen, damit in Zukunft am Glashütter Markt wieder ein „leistungsfähiger Postservice angeboten wird“.

Dieser Wunsch wird sich wohl nicht erfüllen, denn die Post lehnt das Projekt ab: „Wir können und dürfen aus wirtschaftlichen Gründen nicht zwei Postfilialen mit dem vollen Leistungsspektrum in einem Umkreis von zwei Kilometern betreiben“, sagt Postsprecher Jens-Uwe Hogardt. Nachdem der bisherige Betreiber sein Geschäft geschlossen habe, habe die Post nach Ersatz gesucht und sei im Einkaufszenrum Immenhof fündig geworden. Hogardt hält es für zumutbar, dass die Anwohner des Glashütter Marktes dort ihre Postgeschäfte erledigen. „Wir haben ja jetzt mit dem Paketshop am Glashütter Markt im Umkreis noch mehr geschaffen, als vorher da war“, sagt Hogardt. In jedem Fall werde das Unternehmen keine zweite Filiale mit dem vollen Service am Markt eröffnen. Das sei auch von der Raumkapazität her nicht möglich.