Bad Segeberg

Wenn Punkrock auf Plattdeutsch trifft

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Mario Kohlmus
Tim Sünram hat „Zeitbombe Armut“ 2010 gegründet. Am Wettbewerb „Plattbeats“ beteiligt sich die Band mit dem Song „Kole Tiet“

Tim Sünram hat „Zeitbombe Armut“ 2010 gegründet. Am Wettbewerb „Plattbeats“ beteiligt sich die Band mit dem Song „Kole Tiet“

Foto: Tim Sünram / HA

Die Segeberger Band „Zeitbombe Armut“ macht beim Musikwettbewerb „Plattbeats“ mit. Bis zum 15. März können sich Gruppen anmelden.

Bad Segeberg/Hamburg.  Der niederdeutschen Sprache haftet ja das Klischee an, eine Sprache der älteren Generation zu sein. Doch nun hat das Zentrum für Niederdeutsch in Holstein (ZFN) den Musikwettbewerb „Plattbeats“ ins Leben gerufen, der sich an Amateurmusiker im Alter zwischen 15 und 30 Jahren richtet. Mit dabei ist auch eine Band aus Bad Segeberg. „Zeitbombe Armut“ nennen sich die drei Punk-Musiker aus der Kreisstadt.

Die Band gibt es seit 2010, gegründet wurde sie von Tim Sünram, den Bass spielt Jan Stiller, Schlagzeuger ist Alexander Götzke. Zusammen singen sie über sozial- und gesellschaftskritische Themen; die Band spielt neben anderem auf Bauwagenplätzen und beteiligt sich an Soli-Konzerten.

Mit dem Gedanken, auf Plattdeutsch zu singen, spielte Sänger Tim Sünram schon länger. Der Wettbewerb „Plattbeats“ sei deshalb zur richtigen Zeit gekommen, sagt er. „Zeitbombe Armut“ tritt mit ihrem ursprünglich auf Hochdeutsch komponierten Lied „Kalte Zeit“ an. Es behandelt die politische Situation in Deutschland, von der Flüchtlingskrise bis zum Erstarken der rechten Szene. Hilfe bei der Übersetzung des Liedes in „Kole Tiet“ bekamen die Segeberger von Gerda Retzlaff, Plattdeutsch-Expertin von „Plattbeats“, und den ehemaligen Pflegeeltern von Tim Sünram, die selbst noch platt sprechen. Eine wortwörtliche Übersetzung sei dabei nicht möglich, erklärt Sünram. Es komme zwar darauf an, den Text sinngemäß ins Plattdeutsche zu übertragen, dabei dürften aber das Reimschema und die Silbenanzahl nicht vernachlässigt werden.

Musiker aller Genres können sich beteiligen

ZFN-Leiter Thorsten Börnsen möchte durch den Musikwettbewerb „einen Platz für das Niederdeutsche in der Jugendkultur schaffen“. Die ältere Generation würde von sich aus platt miteinander schnacken, die Jüngsten vereinzelt Angebote im Kindergarten oder in der Schule erhalten. Für die Generation dazwischen gebe es aber noch kein adäquates plattdeutsches Angebot, sagt Börnsen.

Für den Wettbewerb gab es bisher Anmeldungen von Bands aus den Genres HipHop über Extreme Metal bis hin zum Akustik-Punk. „,Plattbeats’ richtet sich an Amateurmusiker aller Musikgenres, dabei ist die Begeisterung für die niederdeutsche Sprache einzige Teilnahmebedingung“, sagt Börnsen.

Bis zum 15. März können sich Bands noch für „Plattbeats“ anmelden (www.plattbeats.de). Die zehn besten Teilnehmer treten am 21. April im Logo in Hamburg auf. Dort spielen die Bands zum ersten Mal ihre ins Plattdeutsche übersetzten Lieder. Ob diese fehlerfrei gesprochen oder gesungen werden, sei dabei zweitrangig, sagt Thorsten Börnsen. Für die drei besten Bands gibt es Instrumentengutscheine im Wert von 750, 500 und 250 Euro.

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