Norderstedt
Bad Bramstedt

Ekelfleisch-Skandal: Kommt es zur Anklage?

Wegen Hinweisen auf unsachgemäße Schlachtungen und dramatische Hygienemängel hatten Einsatzkräfte den Rinderschlachthof in Bad Bramstedt 2014 durchsucht

Wegen Hinweisen auf unsachgemäße Schlachtungen und dramatische Hygienemängel hatten Einsatzkräfte den Rinderschlachthof in Bad Bramstedt 2014 durchsucht

Foto: Carsten Rehder / dpa

2014 hatten 250 Beamte von Polizei, Zoll und Staatsanwaltschaft beim Rinderschlachthof Vion schlimme Zustände aufgedeckt.

Bad Bramstedt/Kiel.  Mehr als vier Jahre nach der Großrazzia im Rinderschlachthof in Bad Bramstedt stehen die Ermittlungen des Landeskriminalamtes vor dem Ende. Im März will die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob Anklage erhoben wird. Die Akten der Ermittler füllen mehrere 1000 Seiten. Die Untersuchungen erstrecken sich auf alle Hierachieebenen des Unternehmens.

250 Polizisten, Zollbeamte und Staatsanwälte hatten am 25. Februar 2014 gemeinsam mit Amtsveterinären den Rinderschlachthof des Fleischkonzerns Vion in Bad Bramstedt durchsucht. Die Ermittler stoppten sofort alle Arbeiten, brachen Türen auf und setzten Mitarbeiter fest. Ihr furchtbarer Verdacht: Der Schlachthof hatte Rinder geschlachtet, die zuvor nicht betäubt worden waren. Außerdem hatten die Ermittler Hinweise auf dramatische Hygienemängel erhalten. In den Medien war von „Ekelfleisch“ die Rede. Die Beamten entdeckten Schlachtvieh mit Eiterbeulen.

„Sechs kranke Rinder waren dort für die Schlachtung vorbereitet, die nicht in die Schlachtung hätten gehen dürfen“, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) nach der Razzia. „Vordatiertes Verpackungsmaterial für Pansen“ habe man auch entdeckt. Einige Rinderköpfe hätten mehrere Löcher aufgewiesen, die von Bolzenschussgeräten stammten, andere hätten gar keine Löcher gehabt.

Amtsveterinäre hatten nie Bedenken gegen den Betrieb

Bis heute rätseln Ermittler, ob der Schlachthof gewarnt war, als das Großaufgebot der Polizei das Gelände stürmte. An diesem Tag seien auffällig wenige Rinder im Betrieb angekommen, hieß es. Außerdem waren kurz zuvor Handwerker eingetroffen, die mit Schimmel verunreinigte Gebäudebereiche sanierten.

Ebenso unklar ist bis heute, welche Rolle die Amtsveterinäre des Kreises Segeberg in den Ermittlungen spielen, die in einer Außenstelle mit festem Personal auf dem Gelände des Schlachthofs beschäftigt waren. Schon 2014 haben sich die Ermittler gefragt, warum die zuständigen Amtsveterinäre des Kreises Segeberg nie Bedenken gegen den Schlachtbetrieb hatten, das Agrarministerium in Kiel jedoch die Situation komplett anders bewertete und den Betrieb für Wochen stillegte.

Der Fleischkonzern Vion hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. In Bad Bramstedt werden pro Woche 2500 Rinder geschlachtet. Das Unternehmen beschäftigt am Standort 340 Menschen.