Norderstedt
Kreis Segeberg

Ausgezeichneter Kaffee aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Zeitschrift „Feinschmecker“ kürt die Rösterei von Vicci zur besten in Schleswig-Holstein. In diesem Betrieb ist eine gute Nase gefragt

Bad Bramstedt.  Stefan Müller ist überzeugt: „Die Hafer-Soja-Latte-Fraktion ist da, und sie geht auch wieder.“ Sein Geschmack ist es nicht, dass in immer mehr Cafés Kaffee zu exotischen Mixturen verarbeitet wird. Müller liebt Kaffee – nicht mehr, aber auch nicht weniger. 1200 Sack à 70 Kilo hat seine Rösterei Vicci im vergangenen Jahr verkauft.

Der Mann weiß, wovon er redet, wenn er sagt, dass hochwertige Kaffeeproduktion Handwerk ist. Und seine Kunden können es schmecken. Auch die Fachleute des Magazin „Feinschmecker“ schätzen den guten Geschmack einer Tasse Vicci. Sie haben die Rösterei im Gewerbegebiet im Norden Bad Bramstedt zur besten der 20 in Schleswig-Holstein gekürt. Stolz zeigt Müller die Urkunde.

Wer in seiner Rösterei stylisches Interieur mit edlen Hölzern an den Wänden, goldfarbenem Licht und rechnergesteuerter Technik erwartet, wird enttäuscht wieder gehen. In der schmucklosen Halle wird Kaffee geröstet – ebenfalls nicht mehr und nicht weniger. Für den guten Geschmack sorgen Müller und seine Mitarbeiter. Per Hand regulieren sie den Gasbrenner unter der Röstanlage, lassen Körner durch die Finger gleiten und haben buchstäblich eine gute Nase. Dass aus den Herkunftsländern gute Ware kommt, hat Müller bei seinen Reisen nach Mittel- und Südamerika selbst erkundet. „Wer hier arbeitet, muss ein Händchen für Kaffee haben“, sagt er. Bislang hat sich kein Teetrinker bei ihm beworben.

Ein warmer Kaffeeduft füllt die Halle, in der Müller und sein Geschäftspartner Andrej Pajdakovic seit 2010 edle Bohnen rösten, eintüten und verkaufen. In bunten Säcken verpackt kommt die Ware aus den warmen Regionen der Welt: Brasilien, Guatemala, Costa Rica und Kolumbien.

Für echte Kaffeekenner nehmen beide regelmäßig auch exotischere Sorten ins Programm auf. Derzeit rösten die Bramstedter Kaffee aus Papua-Neuguinea und aus Kuba. Es dürften die letzten Exporte von der Karibikinsel für die nächsten Jahre sein, fürchtet Müller. Ein Hurrikan hat sämtliche Plantagen verwüstet. Ein Land, das zu den größten Kaffeeproduzenten der Welt zählt, gehört nicht zu den Lieferanten von Vicci: Vietnam. Von dort kommt nahezu die komplette Ware der industriellen Kaffeeproduktion.

Seinen ersten Kaffee hat Müller mit viel Milch im Alter von zehn Jahren getrunken. Als Schüler jobbte er bei einem Kaffeeröster in Hamburg-Bergedorf, dort erlernte Müller den Beruf des Industrieelektronikers. Kaffeeröster sei kein Lehrberuf, bedauert er. Doch das Handwerk beherrscht er seit seiner Ausbildung. „Das Produkt hat mich fasziniert“, sagt Müller. Dann übernahm er die Rösterei, zog 2008 mit dem Betrieb in eine Halle in Weddelbrook und ging dann mit der Marke Vicci nach Bad Bramstedt.

Gern berichtet Müller von den Reisen in die Anbauländer. „Unsere Lagen sind mehr als 1000 Meter hoch“, sagt er. Manche Plantagen werden von Familien geführt. Das Produkt ist stets exklusiv. Vicci arbeitet beispielsweise mit Betrieben in Kolumbien zusammen, die gerade einmal 20 Säcke je 60 Kilo pro Jahr liefern. Auch von den Pflückern erwartet Müller, dass sie ihr Handwerk verstehen. Zu erkennen, wann eine Kaffeekirsche mit ihren zwei Kernen die richtige Reife erreicht hat, erfordert Erfahrung. Diese Kerne heißen landläufig Bohnen und müssen sortiert und getrocknet werden, bevor sie per Schiff auf die weite Reise nach Hamburg gehen. In der Vicci-Halle in Bad Bramstedt schmücken die Säcke mit den bunten Firmenlogos der Herkunftsbetriebe eine ganze Wand.

Der Aufwand für feinsten Kaffee und die diversen Geschmacksrichtungen kommt dem bei Weinen nahe. Das haben auch Deutschlands Top-Winzer erkannt, die sich im exklusiven Verband der Prädikatsweingüter zusammengeschlossen und Vicci als einzigen Kaffeepartner aufgenommen haben.

Zu Müllers Kunden gehört in erster Linie die gehobene Gastronomie, die stets ein gleich schmeckendes Produkt erwartet. Anders sieht es bei den privaten Feinschmeckern aus, die bei Vicci ihren Kaffee ordern. Sie haben ihre Freude daran, wenn ihr Lieblingskaffee in diesem Jahr eine andere Note hat, weil die Sonne ein wenig länger auf der Plantage schien.

Diese Koffein-Freaks freuen sich bereits auf das nächste exotische Vicci-Produkt: Stefan Müller erwartet demnächst 20 Sack Kaffee, die von einem Schamanen aus Kolumbien stammen. „Wir haben viele Freunde für solche Experimente gefunden“, sagt er. Sein Ziel: „Der Kaffeetrinker muss Lust auf eine zweite Tasse bekommen.“