Hausbesuch

Ein Schmuckstück der Extraklasse im Hamburger Reemtsma Park

Alles ist im hochwertig eingerichteten Wohn- und Esszimmer farblich aufeinander abgestimmt.

Alles ist im hochwertig eingerichteten Wohn- und Esszimmer farblich aufeinander abgestimmt.

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Die denkmalgeschützte Wohnung erstreckt sich über 340 Quadratmeter und wurde mit Liebe und Expertenhilfe eingerichtet. Ein Hausbesuch.

Hamburg.  Sind wir in einer Wohnung mit Blick auf den Central Park? Nein, wir sind zu Besuch bei einer Hamburger Familie, die das Glück hat, eine von 63 Wohnungen im Reemtsma Park bewohnen zu können. Auf vier denkmalgeschützte Altbauten und fünf Neubauten verteilen sich die Wohnungen in dem weitläufigen und gepflegten Park.

Philipp F. Reemtsma, Hamburger Geschäftsmann und führender Zigarettenfabrikant seiner Zeit, bewies auch beim Bauen seinen ausgezeichneten Geschmack. Seine zu Beginn der 1930er Jahre entstandene Villa gilt als wegweisend und steht heute wie die Wohnungen, die der Architekt Godber Nissen 1952 bis 1954 im Auftrag der Familie Reemtsma auf dem Gelände baute, unter Denkmalschutz. Ihre Grundausstattung, erneuert in den 1950er-Jahren, ist noch immer beeindruckend. Die speziellen Fenster, Heizkörper und Schiebetüren wirken zusammen mit Design-Highlights aus diversen Dekaden wie ein Gesamtkunstwerk.

Umgeben von Wiesen und alten mächtigen Bäumen

Nur unter den strengen Augen des Hausmeisters gelangt man in den weitläufigen umzäunten Privatpark, wo sich mittlerweile auch ein Fitness-Studio und eine Praxis für Physiotherapie niedergelassen haben. Hier zu wohnen ist nur wenigen vorbehalten. Grün, wohin das Auge fällt – Wiesen und mächtige, alte Bäume. Erholung pur!

Großzügig ist auch der Grundriss der Wohnung, der sich auf 340 Quadratmeter erstreckt. Auf mehrere Badezimmer kann die vierköpfige Familie in dem Luxusdomizil zurückgreifen, das sie zur Miete bewohnt. Früher war ein Teil der Fläche fürs Personal reserviert. Heute hat der Hausherr in dem Bereich, der dem Butler einst vorbehalten war, sein Refugium gefunden, wie uns Katrin L. erzählt. „Ja, hierhin zieht sich mein Mann gern zurück“, sagt die Frau mit dem Lockenkopf bei der Begehung und lächelt.

Zwei Jahre lang mit der Gestaltung der Wohnung beschäftigt

Begeistert ist sie von der Lage und Umgebung – sowie von den Nachbarn. „Wir sind ein netter Haufen, manche wohnen schon ewig hier im Park. Andere bleiben nur für zwei oder drei Jahre und ziehen dann wieder weg.“ Wir erfahren bei einem Kaffee, dass sie die Gestaltung der Wohnung zu ihrem ganz persönlichen, über zwei Jahre dauernden Projekt gemacht hat. Vernachlässigt wurde dabei kein einziger Zentimeter Fläche, wie Katrin L. selbst zugibt.

„Außer der standardmäßig vom Vermieter eingebauten Küche von Poggenpohl ist beim Einzug vor drei Jahren nichts weiter vorhanden gewesen“, erzählt sie. „Leider bin ich sehr perfektionistisch veranlagt“, fügt sie hinzu. Andererseits habe sie einen guten Blick und brauche nicht lange, um sich für oder gegen etwas zu entscheiden.

Alte Schiebetüren ohne Bodenschiene beeindrucken

Das kam dem Innenarchitekten Frank Otto sehr entgegen. Mit ihm zusammen wurde ein durchgängiges Farbkonzept entwickelt, das mit den Wandfarben von Farrow & Ball umgesetzt wurde. Und für die beiden großen Nischen hinter der Eingangstür ließ er maßgefertigte Garderobenschränke aus dunkel satiniertem Eisen fertigen.

Alles beeindruckt sehr – vor allem die edlen Schiebetüren ohne Bodenschienen, die großen Fenster mit Originalhandgriffen und der durchgängig schöne Holzfußboden. Bei der Begehung erkennen wir dann, was Katrin L. meint, wenn sie betont, der Grundriss sei „etwas verrückt“. Der Flur ist groß und öffnet sich nach drei Seiten: Mittig zum Entree und Wohnzimmer, nach rechts zum besagten Herrenbereich, aber auch zur Küche und zum Wohnzimmer, nach links zu den Kinderzimmern, dem Arbeitszimmer und erneut dem Wohnzimmer. Einem solchen Flur die ungemütliche Durchgangsatmosphäre zu nehmen, ist eine Herausforderung.

Die Gläser auf der Vitrine wurden in New York ersteigert

„Ich mag es auch gern ein bisschen schräg“, erzählt die Hausherrin. Also ließ sie von der Firma The RUG nach eigenen Farbvorgaben einen sehr großen und weichen Teppich in kräftigen Lilatönen anfertigen. Ruhe signalisiert dabei die darauf stehende Chaiselongue namens Lama von Zanotta aus whiskyfarbenem Leder. Und an der Wand zieht eine Glasvitrine aus den 30er-Jahren mit funkelnden Gläsern die Blicke auf sich. „Ich habe sie bei einer Versteigerung von Requisiten der Serie ,Mad Men’ in New York ergattert“, erzählt Katrin L..

Beeindruckend lang ist der Esstisch im Wohnzimmer. „Er misst knapp dreieinhalb Meter, ist eine Stahl-Sandwich-Konstruktion und wurde auf Wunsch der Familie mit einem dunklen Projektlackfinish behandelt, um ihn noch resistenter gegenüber Beanspruchung zu machen“, erläutert Juliane Franke, Einrichtungsberaterin bei Gärtner Internationale Möbel. Als Kontrast dazu wurden ausdrucksstarke Stühle mit Sitzschale von der italienischen Firma B & B ausgesucht. Darüber sorgen überdimensioniert geschmiedete Kupferleuchten an Abenden für stimmungsvolle Lichtkreise.

Beige-Grau und Schwarz prägen den Wohnraum

Dunkel ist das Wohnzimmer insgesamt gehalten. Auffallend hier das Lowboard neben dem Esstisch in matt lackiertem gebürstetem Nickel kombiniert mit schwarzem Mineralwerkstoff (K-Stone), Holz und durchsichtigem Metacrylat – das alles zu sehen als eine indirekt beleuchtete Einheit. Den Kaminabzug ließ die Hausherrin mit schwarzen Spiegeln verkleiden, an der dunklen Zwischenwand hängen Fotos aus der Serie „Inselwesen“ von Mila Teshaieva. Die Berliner Künstlerin fotografierte mit spezieller Taschenlampentechnik Menschen der Nordseeinsel Föhr – seit Jahren die Lieblingsinsel der Familie.

Hinter der schlichten Sofalandschaft von B & B Italia ist eine grob aufgepixelte Tapete in beige-grau-Tönen zu sehen. „Zu viel Ton-in-Ton muss ja nicht sein. Wie gesagt, ich mag es, wenn auch etwas Schräges zu sehen ist.“ Im kommenden Jahr möchte Katrin L. wieder als Heilpraktikerin arbeiten. Nicht als Interiordesignerin? Damit könnte sie auch Erfolg haben.