Norderstedt
Bad Segeberg

Käsehändler trifft auf einen milden Richter

Eine Statue der Justitia

Eine Statue der Justitia

Foto: Michael Rauhe

57-Jähriger musste sich erneut wegen Trunkenheit im Straßenverkehr verantworten. Konsequenz: Geldstrafe und Fahrverbot.

Bad Segeberg.  Ein mobiler Käsehändler, der seine duftende Ware auf den Wochenmärkten der Region verkauft, sollte schon stocknüchtern hinter dem Lenkrad seines Verkaufswagens sitzen. Diese eiserne Regel hatte ein Händler vor einem Jahr ignoriert und deshalb einen Strafbefehl kassiert. Seinen Führerschein war der Fahrer damals gleich für zwölf Monate los.

Deshalb fuhr der 80 Jahre alte Vater seinen Sohn von Markt zu Markt. Pech nur, dass der Händler im vorigen Februar erneut angetrunken unterwegs war. Bei einer polizeilichen Messung in der Gemeinde Tangstedt kreisten 1,4 Promille Alkohol in seinem Blut.

Garantiert alkoholfrei saß der Händler diesmal auf der Anklagebank im Amtsgericht Bad Segeberg. Die Anklage: vorsätzliche Trunkenheit im Straßenverkehr.

„Es hat kein Fahrversuch stattgefunden“, verteidigte sich der 57-Jährige. Er gab allerdings zu, vor der Polizeikontrolle bei einer Tankstelle eine Flasche Korn und Cola gekauft zu haben.

Fahrer des Abschleppwagens tritt als Zeuge auf

Seine Aussage, nicht gefahren zu sein, rückte schon der erste Zeuge zurecht. Es war der Fahrer eines ADAC-Abschleppwagens, den der Angeklagte per Telefon nach Wakendorf II gerufen hatte. Dort war der offenbar defekte Marktwagen liegen geblieben.

„Der Mann schwankte und roch stark nach Alkohol“, erinnerte sich der Zeuge. Außerdem sei sein Ton ihm gegenüber immer aggressiver geworden. Als mehrere Abschleppversuche misslangen, gab er den Auftrag an seinen Auftraggeber zurück. „Ich habe beobachtet, dass der Mann“, führte er aus, „in einen Kleinwagen stieg und davonfuhr.“ Daraufhin habe er die Polizei alarmiert, die den Angeklagten wenig später auf dem elterlichen Hof in Tangstedt stellte.

Bei dem Strafbefehl hatte der Angeklagte ohne Prozess und nach Aktenlage neben einer Geldstrafe ein einjähriges Fahrverbot kassiert. Deshalb hatte der 57-Jährige Widerspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Nach Angaben des Käsehändlers laufen seine Geschäfte momentan nicht sonderlich gut. Trotzdem langte sein Einkommen für einen Verteidiger.

Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte, denn der Anwalt stimmte den Amtsrichter milde. So kam der 57-Jährige wegen fahrlässiger Trunkenheit mit einer Geldstrafe von 675 Euro davon. Die Dauer des Fahrverbotes setzte der Richter auf drei Monate fest. Leise drückte der Angeklagten seinem Anwalt die Hand.