Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Paracelsus-Klinik soll erhalten bleiben

Die Paracelsus-Kliniken hatten im Dezember beim Amtsgericht Osnabrück wegen Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt

Die Paracelsus-Kliniken hatten im Dezember beim Amtsgericht Osnabrück wegen Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt

Foto: Peter Steffen / dpa

Am Freitag werden die Beschäftigten in Henstedt-Ulzburg auf einer Betriebsversammlung über die aktuelle Lage informiert.

Henstedt-Ulzburg.  Der in finanzielle Schieflage geratene Paracelsus-Konzern wird nach eigenen Angaben seine beiden Klinik-Standorte in Schleswig-Holstein „definitiv“ nicht schließen. Details über die Zukunft der Klinik in der Gemeinde Henstedt-Ulzburg mit 441 Mitarbeitern und auf Helgoland mit 55 Mitarbeitern könne sie aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht machen, sagte Konzernsprecherin Simone Hoffmann. Voraussichtlich bis Mitte Februar werde das Sanierungskonzept für den Gesamtkonzern mit Sitz in Osnabrück vorliegen. Das Insolvenzverfahren dürfte voraussichtlich das ganze Jahr dauern.

Am kommen Freitag sollen die Beschäftigten in Henstedt-Ulzburg während einer Betriebsversammlung über die aktuelle Lage informiert werden, teilte die Konzernsprecherin im Gespräch mit dem Abendblatt mit. Auch Henstedt-Ulzburgs Bürgermeister Stefan Bauer hatte bereits angekündigt, in dieser Woche Gespräche mit der Klinikleitung in der Gemeinde führen zu wollen.

Die Paracelsus-Kliniken hatten am 21. Dezember beim Amtsgericht Osnabrück wegen Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Der Konzern sei in Schieflage geraten, nachdem einzelne Standorte erhebliche Verluste schrieben, hieß es damals. Nun will Paracelsus die defizitären Einrichtungen neu aufstellen. Insgesamt umfasst der Konzern 40 Einrichtungen an 23 Standorten mit 5200 Beschäftigten.

Jährlich werden in der Klinik 10.000 Patienten behandelt

Die Paracelsus-Klinik Henstedt-Ulzburg hat 184 Betten. Jährlich werden dort etwa 10.000 Patienten stationär behandelt. Die Einrichtung soll, wie die Gewerkschaft Ver.di und der Marburger Bund unter Berufung auf Unternehmensangaben berichteten, in der Vergangenheit rote Zahlen geschrieben haben. Vor etwa drei Jahren hatte der Paracelsus-Konzern vergeblich versucht, die Klinik in Henstedt-Ulzburg zu verkaufen.

Als „sehr gute Nachricht“ bezeichnete der Vorsitzende des Marburger Bundes Schleswig-Holstein, Henrik Herrmann, jetzt die Ankündigung von Paracelsus, auch die Klinik in Henstedt-Ulzburg zu erhalten. Der Marburger Bund kämpft für die Ärzteschaft an dem Standort seit einem halben Jahr für einen neuen Tarifvertrag mit besseren Konditionen. Der alte Tarifvertrag des Marburger Bundes für Henstedt-Ulzburg ist im Juli des vergangenen Jahres ausgelaufen.

Die Ärzte verdienten in Henstedt-Ulzburg etwa fünf bis zehn Prozent weniger als Kollegen in kommunalen Krankenhäusern, erläuterte Herrmann. Man habe Paracelsus gebeten, bis Ende Januar eine neue Verhandlungsrunde anzubieten. Anderenfalls seien Streikmaßnahmen nicht ausgeschlossen. Eine vor dem Insolvenzantrag eingeleitete Urabstimmung habe hierfür die Voraussetzung geschaffen. Bisher habe es drei ergebnislose Verhandlungsrunden gegeben.

Viele Beschäftigte haben kein Weihnachtsgeld bekommen

Die Beschäftigten in Henstedt-Ulzburg warten laut Ver.di und Marburger Bund noch auf bisher nicht gezahlte Gehaltsbestandteile – Weihnachtsgeld für das nichtärztliche Personal und Bereitschaftsdienstgelder von November und Oktober für Ärzte.

Die Paracelsus-Klinik auf der Insel Helgoland verfügt für die Akut-Versorgung über ein chirurgisches Bett sowie drei Betten in der Inneren Medizin. Der Krankenhausträger betreibt zudem 30 Betten für die neurologische Frührehabilitation. In der Klinik auf Helgoland werden jährlich rund 250 Patienten akut-stationär versorgt, weitere 290 Patienten in der neurologischen Frührehabilitation.