Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Landwirte von morgen lernen Realität kennen

Dustin Grützner (16) am Mais-Demofeld des Saatgutzüchters Euralis

Dustin Grützner (16) am Mais-Demofeld des Saatgutzüchters Euralis

Foto: Judith Rötgers / HA

52 Nachwuchs-Bauern der Berufsschule Segeberg besuchen den Hof Grothkopf in Henstedt-Ulzburg, um Erfahrungen zu sammeln.

Henstedt-Ulzburg.  Eine Gruppe Jugendlicher steht mit Klemmbrett und Stift vor Maispflanzen, die mit „Legolas“, „Archimedes“ und „Scorpion“ beschildert sind. Wenige Hundert Meter weiter hat sich eine Gruppe in der Melkanlage um Landwirt Volker Grothkopf versammelt, einige fachsimpeln mit ihm über die Vorteile von „Fischgräten“- und „Doppelmelkstand“.

Für 52 Nachwuchs-Landwirte im zweiten Ausbildungsjahr und drei Lehrkräfte der BBZ-Berufsschule Bad Segeberg hieß es jetzt: Raus aus dem Klassenzimmer, hinein in die Praxis. Sie besuchten den Hof der Familie Grothkopf in Henstedt-Ulzburg, die mit ihren zwei Azubis Auskunft über ihren Betrieb gab. Währenddessen informierten Mitarbeiterinnen des Saatgutzüchters Euralis über die Mais-Hybridsorten, die die Firma auf den Feldern des Betriebs zu Demonstrationszwecken angelegt hat. Berufsschullehrer Henning Saathoff betont: „Das stellt die Verbindung her zu dem, was man im Unterricht lehrt, sozusagen an der lebenden Pflanze“.

Mit den Besuchen sollen die angehenden Landwirte die Realität abseits der Bücher und des eigenen Ausbildungsbetriebs kennenlernen und sich so orientieren. Neben Exkursionen zu konventionell wirtschaftenden Höfen stehe deswegen auch die biologische Landwirtschaft auf dem Lehrplan. „Uns ist es wichtig, dass sie beide Bereiche kennenlernen“, sagt Saathoff. Ziel sei es, den Nachwuchs in beiden Bereichen auszubilden. Dies sei insbesondere wichtig, da der Weg der Auszubildenden ohne familiäre Wurzeln in der Landwirtschaft weniger vorgezeichnet sei.

Einer dieser Auszubildenden ist der 16 Jahre alte Dustin Grützner. Während der Schulzeit half er im Betrieb von Bekannten aus und entdeckte, dass ihm die Arbeit Freude bereitet. Was ihm besonders gefällt? „Draußen sein, Natur, Technik und die Tiere“.

Auszubildende mögen Vielseitigkeit des Berufs

Viele der Jugendlichen, die an diesem Tag auf dem Hof der Familie Grothkopf zu Besuch sind, sind jedoch von klein auf mit der Landwirtschaft vertraut und nennen dies als Grund für ihre Berufswahl. Der 17-jährige Florian Ruddat ist einer derjenigen, dessen Familie in der Landwirtschaft arbeitet. Besonders gefällt ihm am Beruf die Vielseitigkeit: „Jedes Jahr ist anders, es gibt immer neue Herausforderungen“. Das scheint nicht nur für den 17-Jährigen ausschlaggebend zu sein bei der Ausbildungswahl. „Man ist immer in der Natur. Ein Schreibtischberuf ist nicht meins“, sagt die 18-jährige Greta Barg.

Nach Ende der Ausbildung stünden den Neu-Landwirten viele Möglichkeiten offen, sagt Saathoff: ob als Leiter des eigenen Betriebs, als Angestellte oder auch in der Züchtung. Hauke Meyer und Thore Rick, beide 18, haben schon einen Plan: Sie wollen nach Ende ihrer Ausbildung Agrarwissenschaften studieren und dann in der konventionellen Landwirtschaft arbeiten.

Volker Grothkopf, der erstmalig zwei junge Menschen ausbildet, findet es gut, dass sich so viele junge Leute für die Landwirtschaft begeistern. Er räumt aber auch ein: „Es wird schwierig für die nächste Generation“ und meint damit die Preise, die durch den Einzelhandel und durch das Überangebot massiv gedrückt würden.