Norderstedt
Protest

„Die fahren dir den Hintern weg“

Ein Auto nach dem anderen: Andreas Surmund wohnt an der Parallelstraße - eine 30er-Zone, die gerne als Schleichweg genutzt wird

Ein Auto nach dem anderen: Andreas Surmund wohnt an der Parallelstraße - eine 30er-Zone, die gerne als Schleichweg genutzt wird

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Schleichverkehr, ausgelöst durch die Baustelle auf der Langenhorner Chaussee, nervt die Anwohner

Norderstedt.  Wenn Andreas Surmund vor seinem Haus an der Parallelstraße abends noch schnell die gelbe Mülltonne rausschiebt, dann wird er kurz hinter seinem Gartentörchen zum Verkehrshindernis. „Die hupen und fahren einem den Hintern weg, wenn man nicht Platz macht.“

Die da hupen, sind besonders zwischen 17 und 19 Uhr Hunderte Pendler und andere Autofahrer, die sich im Grenzgebiet zwischen Hamburg und Norderstedt gut auskennen. Durch die Parallelstraße fahren sie, weil derzeit auf der Langenhorner Chaussee vor dem Ochsenzoll-Kreisverkehr in Richtung Norden alles dicht ist – Baustelle bis Ende Oktober. Den Schleichweg über den Stockfleetweg, die Straße Am Ochsenzoll und die Parallelstraße nutzen diese Autofahrer, statt die großräumige Umleitung von der Langenhorner Chaussee über die Straßen Tarpen, Rugenbarg und Ohechaussee zu fahren.

Parallelstraße stark belastet

Die Anwohner haben in ihrer stark verschwenkten und verkehrsberuhigten Tempo-30-Zone in der Parallelstraße plötzlich doppelt und dreifach so viele Autos wie üblich. „Und etliche von den Autofahrern schert es nicht, dass hier nur 30 km/h erlaubt sind. Manche schaffen das hier auch mit 80 Sachen durchzufahren“, sagt Surmund.

Er und die anderen Nachbarn an der Parallelstraße sind sich einig, dass dieser Zustand nicht bis zum Ende der Baustelle im Oktober hingenommen werden kann. „Es muss was passieren“, sagt Surmund. Die Stadt, so dachte der Anwohner, blitzt doch jetzt selbstständig. „An der Poppenbütteler Straße kontrollieren die Tempo 30 jetzt sogar rund um die Uhr mit Blitzgerät“, sagt Surmund. Also bat der Bürger das Norderstedter Ordnungsamt, doch mal den mobilen Radarwagen zur Parallelstraße zu schicken, damit rasenden Pendlern Einhalt geboten würde. Falsch gedacht. Beim Norderstedter Ordnungsamt bekam Surmund ein Abfuhr. Die Stadt darf an der Parallelstraße nicht blitzen.

Rechtliche Hürden für Blitzer

Grund ist der zwischen dem Land, dem Kreis Segeberg und Norderstedt geschlossene Vertrag über die Verkehrsüberwachung. „Und in dem ist klar geregelt, dass Norderstedt nur aus Lärmschutzgründen in nachweislich von Lärm beeinträchtigten Bereichen blitzen darf, außerdem aufgrund von Rotlichtverstößen an Ampeln“, sagt Andreas Finster vom Ordnungsamt. Diese Regelung werde vom Bürger zwar zurecht hinterfragt, und auch das Ordnungsamt hätte es lieber anders – aber Vertrag ist nun mal Vertrag. „Zuständig für die Geschwindigkeitsüberwachung und damit auch für die Parallelstraße ist nach wie vor der Kreis“, sagt Finster. Die Situation an der Parallelstraße einfach zum temporären Lärmereignis zu erklären und loszublitzen, sei unmöglich. „Viele Autofahrer haben heute doch sofort Anwälte. Und wenn Lärmschutzzonen nicht ordentlich eingerichtet und beschildert sind, bekommt man vor Gericht als Ordnungsamt einen übergebraten.“ Der Stadt bleibe nichts anderes übrig, als alle Hinweise von Bürgern wegen Geschwindigkeitsübertretungen an den Kreis weiterzureichen. „Ob und wie schnell dort reagiert wird, liegt nicht in unserer Hand. Man kann nur bitten.“

Genau das hat Andreas Surmund beim Kreis auch getan. Und tatsächlich stieß er auf offenen Ohren. „Die fragten gleich, ob sie bei mir in der Einfahrt stehen dürfen. Die wollen in den kommenden Wochen blitzen.“

Doch das Blitzen alleine wird nicht verhindern, dass Surmund nach wie vor Gefahr läuft, im abendlichen Kolonnenverkehr vor der Haustür in Gefahr zu geraten. Die Anwohner wünschen sich, dass die Stadt eine temporäre Einbahnstraße aus der Parallelstraße macht. Dann wäre der Schleichweg dicht. Auf Hamburger Seite wurde dies beim Querpfad, der vom Stockflethweg abgeht, so gemacht. Die städtische Verkehrsaufsicht müsste über diese Maßnahme entscheiden.