Verkehr

Norderstedt wird zu einer Fahrradstadt

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Michael Schick
Katharina Bilogrevic freut sich über den guten Ausbau der Fahrradwege und über die Fahrradstation

Katharina Bilogrevic freut sich über den guten Ausbau der Fahrradwege und über die Fahrradstation

Foto: Marvin Graewert / HA

Beim Fahrrad-Klimatest des Allgemeinen Fahrrad-Clubs Deutschland liegt die Stadt bundesweit auf Platz vier – im Norden ist sie spitze.

Norderstedt.  Norderstedt wird immer fahrradfreundlicher. Im aktuellen Fahrrad-Klimatest des Allgemeinen Fahrrad-Clubs Deutschland (ADFC) rangiert die Stadt auf Platz vier unter 98 Städten mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern. Vor zwei Jahren war es der achte Platz. In Schleswig-Holstein belegt Norderstedt den Spitzenplatz. „Wir haben sogar die Fahrradstadt Kiel hinter uns gelassen“, sagt Joachim Brunkhorst aus Norderstedt, Radverkehrsbeauftragter im Kreis Segeberg und ADFC-Vertreter im Radverkehrsbeirat Segeberg. „Wir sind glücklich und froh über die gute Platzierung und darüber, dass auch öffentlich wahrgenommen wird, wie wir daran arbeiten, die Akzeptanz für den Radverkehr kontinuierlich zu erhöhen“, sagt Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote. Das sei ein langer Weg der kleinen Schritte.

In Norderstedt gibt es mittlerweile 24 Leihstationen

Das gute Ergebnis stützt sich auf Aussagen derer, die in Norderstedt mit dem Rad unterwegs sind. Die Radler haben ihre Meinung in fünf Kategorien geäußert. Dabei bleibt die Frage, wie aussagekräftig das Test-Ergebnis ist: Mitgemacht haben 168 Männer und Frauen. Die sehen die Pluspunkte vor allem in einem guten Angebot an öffentlichen Leihrädern – inzwischen gibt es in der Stadt 24 Stationen, an denen Radler 70 normale und 24 Transporträder ausleihen können.

Beim Verleih der Lastenräder zählt Norderstedt zusammen mit Konstanz am Bodensee zu den Vorreitern im Bundesgebiet und ist für die Initiative Anfang April mit dem Deutschen Fahrradpreis ausgezeichnet worden. Und da soll es noch komfortabler werden: „Demnächst wollen wir auch E-Bikes für den Transport anbieten“, sagt Grote. Die Praxis habe gezeigt, dass die Radler doch Kraft brauchen, um Lastenräder ohne zusätzlichen Batterieantrieb voranzubringen. Durch die elektrische Hilfe erhoffe sich die Stadt einen weiteren Schub für das Rad als Verkehrsmittel.

Stadt investiert fast eine halbe Million Euro im Jahr für Radfahrer

Grote führt den guten Tabellenplatz darauf zurück, dass die Stadt im Vorjahr das Radparkhaus hinter dem Rathaus eröffnet und so sichere und trockene Parkplätze geschaffen habe. Der gut frequentierte Radweg entlang der U-Bahn und AKN sei bis zur Station Haslohfurth verlängert, die Kreuzung Poppenbütteler Straße/Schleswig-Holstein-Straße zugunsten des Radverkehrs verändert worden. An fünf öffentlichen Pumpstationen könnten Radfahrer Luft nachfüllen. „Nach wie vor geben wir jedes Jahr 450.000 Euro aus, um Komfort und Service für die Radler in unserer Stadt zu verbessern“, sagt Grote.

Zugeparkte Wege – Radler wünschen sich mehr Kontrolle

Das Stadtzentrum sei gut erreichbar, die Verbindungen seien gut ausgeschildert, nennt der Klimatest als weitere Stärken. Die Teilnehmer kritisieren im Gegenzug „unsicheres Fahren im Mischverkehr“ – und meinen den Abschnitt der Ulzburger Straße, in dem Tempo 30 gilt und die Radler sich die Straße mit den Autos teilen. Bei Weitem nicht alle halten sich an das Gebot, auf der Fahrbahn zu radeln und bleiben auf dem Fußweg.

„Das ist ein Prozess und bedeutet für die Autofahrer, Rücksicht zu nehmen“, sagt Grote. Besondere Gefahren sieht er nicht, laut Polizei habe es in dem Bereich keine besonderen Vorfälle gegeben. Auch Segebergs Fahrradbeauftragter Brunkhorst fordert mehr Rücksichtnahme, der Radler sei im Vergleich zum Autofahrer der schwächere und müsse vom Stärkeren respektiert werden. Das gelte auch für das Zuparken der Radwege, da wünschen sich die Radler mehr Kontrolle.

Norderstedt will sich noch weiter verbessern

Mit der Durchschnittsnote 3,2 rangiert Norderstedt im gelben Bereich. „Der gute Wille, der erste grüne Farbtupfer im Norden zu werden, ist das“, sagt Brunkhorst. So habe die Stadt ein Fahrradforum gegründet, in dem nicht nur Verwaltungsleute, Polizei, ADFC und VCD, sondern auch Kommunalpolitiker mitarbeiten. Auf der nächsten Sitzung am 14. September sollen die Bürger ihre Meinung sagen und Vorschläge machen können. Außerdem, so Brunkhorst, müsse der Radweg entlang der AKN bis zur Station Meeschensee verlängert werden. Für die Segeberger Chaussee wünscht sich der Radverkehrsbeauftragte Radfahrstreifen auf der Fahrbahn. „Dafür müsste ein Stück des Fuß- und Radweges weichen.“

Grote will die Coppernicusstraße in eine Fahrradstraße umwandeln, auf der Autos fahren dürfen, die Radler aber Vorfahrt haben. Außerdem geht der Verwaltungschef davon aus, dass ein zweites Radparkhaus am Herold-Center gebaut wird. Grote wie Brunkhorst setzen zudem auf den geplanten Fahrrad-Schnellweg nach Hamburg.

Henstedt-Ulzburg

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