Norderstedt
Mobilität

Carsharing-Angebot jetzt auch in Henstedt-Ulzburg

An der Hamburger Straße in Henstedt-Ulzburg befindet sich ab sofort ein Carsharing-Standort. Es ist der sechste im Kreis, fünf davon in Norderstedt

An der Hamburger Straße in Henstedt-Ulzburg befindet sich ab sofort ein Carsharing-Standort. Es ist der sechste im Kreis, fünf davon in Norderstedt

Foto: Christopher Herbst / HA

In der Region ist nur stationäres Carsharing möglich. In Norderstedt hat sich das Angebot bewährt, nun auch in Henstedt-Ulzburg?

Henstedt-Ulzburg.  Ein bescheidenes grünes Hinweisschild weist den Weg in die erhoffte nächste Entwicklungsstufe der Mobilität. Ab sofort können die Bürger in Henstedt-Ulzburg Carsharing praktizieren – wenn auch zunächst im kleinen Rahmen. Ein Stellplatz an der Hamburger Straße, direkt am Marktplatz vor dem CCU, ist nun reserviert für einen VW up!, der dem Anbieter Greenwheels gehört. Dieser ist auch in Norderstedt schon mit fünf Autos vertreten.

„Carsharing ist das Modell der Zukunft. Wir werden über Mobilitätskonzepte reden, nicht mehr über eigene Autos.“ Das sagt Karin Honerlah, die Fraktionsvorsitzende der WHU. Es ist ihrem Engagement und dem ihrer Kollegen zu verdanken, dass es in der Großgemeinde überhaupt dazu gekommen ist. Denn auf politischer Ebene hatte es im letzten Jahr keine Zustimmung für das Projekt gegeben. Es scheiterte an den Kosten, denn Greenwheels benötigt eine Garantie von 300 Euro pro Monat – zu viel, befand die Mehrheit im Umwelt- und Planungsausschuss.

An 3600 Euro sollte die gute Idee nicht scheitern, so Honerlah damals. Sie suchte und fand Unterstützer in Privatleuten und Firmen, sodass die nötige Summe zusammen mit WHU-Mitteln aufgebracht werden konnte. „Manchmal laufen die Dinge halt anders“, sagt die Politikerin.

Es handelt sich um eine stationäre Variante. Das bedeutet: Wer bei Greenwheels angemeldet ist, darf den VW, sofern verfügbar, mitnehmen, muss diesen aber an gleicher Stelle wieder abstellen. „Die Registrierung ist kostenfrei. Kosten fallen nur an, wenn man das Fahrzeug nutzt“, sagt Jamel Otmane, Vertriebsleiter von Greenwheels. Für eine Stunde berechnet das Unternehmen 1,99 Euro, dazu kommt eine Treibstoffpauschale von 27 Cent pro Kilometer. Status überprüfen, reservieren, stornieren, all das läuft per Internetseite oder Smartphone-App.

Nun ist ein VW up! nicht für jeden Großeinkauf mit einer vierköpfigen Familie geeignet. Doch Otmane verspricht: „Wir haben in Hamburg auch zehn Golf Variant stehen. Wenn die Nachfrage steigt, stellen wir in Hen-stedt-Ulzburg gerne ein Auto dazu.“

Noch gibt es keine offiziellen Verkehrszeichen für Carsharing, das Henstedt-Ulzburger Schild ist Marke Eigenbau, wobei das Ordnungsamt Falschparker dennoch ahnen darf und wird. Die Rahmenbedingungen dürften sich aber bald ändern, denn die Bundesregierung hat ein entsprechendes Gesetz beschlossen – dieses soll am 1. September in Kraft treten. Hiermit erhalten Behörden die Möglichkeit, gesonderte Flächen auszuweisen und gegebenenfalls von Parkgebühren zu befreien.

Wer kein Auto mehr besitzt und erst einmal mit Carsharing begonnen hat, möchte die entsprechenden Angebote natürlich überall wahrnehmen. Doch hier stößt der Fortschritt vorerst an Grenzen. Zum Vergleich: In Hamburg gibt es bereits mehrere Unternehmen, die sogenannte „Free-Floating“-Modelle etabliert haben. Im gesamten Geschäftsgebiet können die Autos demnach überall geparkt werden. Dazu gibt es eine Kooperation mit dem HVV („SwitcHH“).

So etwas ist weder in Henstedt-Ulzburg noch in Norderstedt oder in Kaltenkirchen praktikabel, sagt Aurika von Nauman, Sprecherin von DriveNow. „Die Autos müssen sich bewegen.“ Und das möglichst permanent. Genau das ist eben nur in Großstädten gewährleistet. Ansonsten geht die Rechnung mit der Anzahl an Fahrten und den Distanzen nicht auf. „Morgens zur Arbeit und abends zurück auf die Parkfläche, eine Nutzung von zweimal am Tag, das wäre uns zu wenig.“ Und: „Bei uns sind die Fahrten im Schnitt 20 bis 40 Minuten lang. In kleinen Städten ist das Freefloating-Modell nicht abbildbar, weil die Fahrten zu kurz sind.“

Ähnlich äußert sich car2go, das in Hamburg ein Geschäftsgebiet von 102 Quadratkilometern hat. „Wir haben keine konkreten Pläne, das Gebiet auch auf Norderstedt, Henstedt-Ulzburg oder Kaltenkirchen zu erweitern“, sagt Pressesprecher Daniel Hörer. „Eine zentrale Herausforderung ist es, die Verfügbarkeit der Fahrzeuge an den Orten und zu den Zeitpunkten sicherzustellen, wo sie nachgefragt werden.“ Üblicherweise sei die Nachfrage in dicht besiedelten Gebieten wie dem Stadtkern sowie an zentralen Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen und Flughäfen am höchsten. Hörer: „In den Randgebieten wiederum sind eine geringe Nachfrage und lange Standzeiten wahrscheinlicher.“ Und in diesen Fällen wäre auch der ökologische Zweck des Carsharings nicht mehr erfüllt. Vielmehr würden die Fahrzeuge nur den knappen Parkraum besetzen.