Norderstedt
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Grundstück in Friedrichsgabe: Was kommt nach Tennisclub?

Marc-Tell Denkewitz, Vorsitzender des Tennisclub Friedrichsgabe von 1969, auf dem Platz an der Lawaetzstraße. Zum 1. April 2017 wird der Verein aufgelöst

Marc-Tell Denkewitz, Vorsitzender des Tennisclub Friedrichsgabe von 1969, auf dem Platz an der Lawaetzstraße. Zum 1. April 2017 wird der Verein aufgelöst

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Stadt Norderstedt hält sich noch bedeckt, doch in Friedrichsgabe wäre Platz für Parkplätze, eine Sporthalle oder Wohnungen.

Norderstedt.  Ein Park-&-Ride-Parkhaus für die Verlängerung der U-Bahnlinie 1 nach Norden, ein mehrgeschossiger Wohnungsbau oder vielleicht doch eine sportliche Nutzung, eine Sporthalle vielleicht? Welche Pläne die Stadt Norderstedt für das Grundstück des Tennisclubs Fried­richsgabe von 1969 hat, darüber schweigt man sich im Rathaus derzeit noch aus. Aber wenn der überschuldete Verein zum 1. Mai 2017 liquidiert wird und 48 Jahre Tennisgeschichte abgewickelt sind, dann fällt das Grundstück an die Stadt Norderstedt – und der Weg ist frei für wegweisende Projekte auf der Fläche an der Lawaetzstraße. Fragt sich nur, was dort rechtlich möglich ist.

Flüchtlinge sollen dort nicht untergebracht werden

Denn das Grundstück war ursprünglich einmal eine Vererbung unter Auflage an die Gemeinde Fried­richsgabe. Das Friedrichsgaber Bauern-Ehepaar Bartels hatte es der Gemeinde zur Verfügung gestellt unter der Bedingung, dass es als Sportstätte oder für soziale Zwecke genutzt wird.

Parkhäuser oder Eigentumswohnungen fallen sicher nicht in diese Kategorie. Für die Stadt Norderstedt ist es aber zwingend notwendig, dass sie mit dem Grundstück Kasse machen kann. Schließlich löst sie als Bürge die 230.000 Euro Schulden des Vereins bei den Banken ab. Dieses Risiko dürfte die Stadt nur eingehen, wenn die Refinanzierung gesichert ist. Entsprechend genau ließ die Stadt nun prüfen, ob es Auflagen gibt, die sie bei der Verwendung des Grundstücks einschränkt oder nicht. Innenministerium und Kommunalaufsicht wurden offenbar mit der Prüfung des Falls bemüht. Ergebnis: Es gibt – zumindest nach jetzigem Stand – keine rechtlichen Hindernisse, die der Stadt auf der Fläche die Hände binden könnten. Falls die Familie Bartels also eine Auflage für die Vererbung der Fläche gemacht hat, wurde sie offenbar nie rechtsverbindlich in einem Vertrag festgelegt.

Was die Verwendung des Grundstücks angeht, so schießen die Gerüchte darüber bereits ins Kraut. Manche Vereinsmitglieder gehen davon aus, dass die Stadt die Tennishalle und die ehemaligen Tennisplätze für die Unterbringung weiterer Flüchtlinge nutzen will. Der Frust der Tennisspieler über die Obdachlosen- und Asylunterkunft Lawaetzstraße, die die Stadt dem Verein Mitte der 90er-Jahre vor die Tür gestellt hat, spricht aus dieser Idee. Viele halten die Probleme durch die Nachbarn für einen der Gründe, die zum Niedergang des Vereins führten.

Während man die Flüchtlingsunterbringung getrost als Quatsch abtun kann, ist eine Idee, die Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote während des Wahlkampfes äußerte, schon viel konkreter. Er sprach sich für den Ausbau der Linie U1 nach Friedrichsgabe aus und den Bau einer P-&-R-Parkgarage auf dem Tennisclub-Gelände aus. Mit der Politik ist dazu allerdings noch nichts besprochen. Und die Umsetzung würde sicherlich die nächsten zehn Jahre in Anspruch nehmen.

Dass die Stadt nach Standorten für eine Dreifeld-Sporthalle und eine Dojo-Halle sucht, ist bekannt. Entsprechend sehen manche nun auch die Fläche in Friedrichsgabe als möglichen Standort. Offiziell gibt es dazu von der Stadt keine Aussage. Aber bekannt ist auch, dass die Stadt für eine Sporthalle eine Fläche an der Oadby-and-Wigston-Straße, neben dem zur Asylunterkunft umfunktionierten ehemaligen Grace-Bürobau favorisiert.

Wenn es nach dem letzten Vorsitzenden des TC Friedrichsgabe, Marc-Tell Denkwitz, ginge, dann würde auf dem Grundstück zumindest noch ein Jahr länger Tennis gespielt. „Wir haben in dieser Wintersaison eine Hallenauslastung wie in den letzten fünf, sechs Jahren nicht mehr. Unser Vereinskonto sieht richtig gut aus.“ Sein Glück ist das Pech eines anderen Vereins. Den Tenniskollegen in Quickborn fackelte bekanntlich die komplette Vereinsanlage ab. „Und die buchen jetzt alle bei uns ihre Spiele.“ Trotzdem: Die Verträge mit den Banken und der Stadt seien fest, und zum 1. Mai 2017 ist Schluss – aber eigentlich sei die Lage jetzt so gut, dass der Verein problemlos noch eine Saison dranhängen könnte, sagt Denkwitz.

Zurzeit spielen viele Quickborner in Friedrichsgabe

Gleichwohl verscherble der Verein jetzt Stück um Stück sein Tafelsilber. „Wir wollen unser Vereinskonto bei der Liquidation schließlich mit einem guten Kontostand an die Stadt übergeben“, sagt Denkwitz. „Allerdings müssen wir dann auch wissen, was genau nach dem 1. Mai mit der Fläche geschehen soll, damit wir nichts verkaufen, was vielleicht noch gebracht wird. Aber ich denke, dass sich die Stadt mit uns dazu noch einmal zusammensetzt.“ Kaufinteressenten gebe es zum Beispiel für die Hallenbeleuchtung, aber auch die gesamten Einbauten auf den Plätzen seien für andere Vereine sicher interessant. Denkewitz: „Es wäre doch schade, wenn das alles dem Bagger zum Opfer fällt.“