Norderstedt
Landwirtschaft

Sie ist die Hühner-Retterin aus Bimöhlen

Tierschützerin Petra Degen engagiert sich bei dem Verein Rettet das Huhn e.V. und ist eine Kämpferin gegen Massentierhaltung

Tierschützerin Petra Degen engagiert sich bei dem Verein Rettet das Huhn e.V. und ist eine Kämpferin gegen Massentierhaltung

Foto: Patrick Schwager / HA

Petra Degen sorgt dafür, dass ausgediente Legehennen nicht im Schlachthof entsorgt werden, sondern ein normales Leben führen können.

Bimöhlen.  Im europaweiten Vergleich geben die Deutschen viel weniger Geld für Lebensmittel aus als ihre Nachbarn. Autos, Reisen und andere Konsumgüter stehen hoch im Kurs, bei der Ernährung sind die Bundesbürger dagegen seit Jahren sparsam.

Dieses Kaufverhalten hat zu einem scharfen Wettbewerb im Einzelhandel geführt, der Deutschland zum Discount-Weltmeister kürte. Dieser Preiskampf wirkt sich auch auf die Herstellung von Lebensmitteln aus: Schnell muss es gehen, und kosten darf es nur wenig. Dieser Trend hat zu einer Massentierhaltung geführt, die jeglichen Respekt vor dem Lebewesen vermissen lässt. Bei der Produktion von Eiern werden die Legehennen nach nur einer Legeperiode für wenige Cent im Schlachthof „entsorgt“. Weil die dadurch entstehenden Kosten den tatsächlichen Schlachtwert übersteigen, können die erst 18 Monate alten Hennen beim Transport keine Rücksicht erwarten – gebrochene Flügel oder Beine gehören zum traurigen Alltag. Auf diese Weise finden jährlich mehr als 45 Millionen Legehennen ihr Ende und werden anschließend zu Tierfutter oder Brühwürfeln verarbeitet.

Petra Degen aus der Gemeinde Bimöhlen ist eine Frau, die sich damit nicht abfinden will. Die Beamtin engagiert sich bei „Rettet das Huhn“. Der bundesweit operierende Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, ausgediente Legehennen zu übernehmen und diese an tierliebe Menschen zu vermitteln. „Der Grund für die Ausstallung ist die nachlassende Legeleistung der Hennen. Durch das vollkommen widernatürliche Hochleistungslegen ist der Körper nach spätestens 18 Monaten ausgezehrt und produziert weniger Eier. Eine Legepause ist für die Herstellungsbetriebe aber leider undenkbar, da der Konkurrenzkampf zu hoch ist“, sagt die Tierschützerin. Dank des Engagements des Vereins können etwa 8000 Hennen pro Jahr ein glückliches und artgerechtes Rentnerdasein führen. Auch die 49-jährige Bimöhlerin beherbergt schon seit vielen Jahren ausgediente Legehennen in ihrem kleinen Garten – und die fühlen sich dort augenscheinlich sehr wohl, mehr noch: Schon nach kurzer Zeit werden die Hennen zutraulicher und erholen sich von den großen Strapazen, die sie erleiden mussten. Auch das natürliche soziale Miteinander funktioniert nach Petra Degens Beobachtung bei den Hennen bereits nach kurzer Zeit wieder. Was vielleicht nicht jeder weiß: Hühner sind gesellige Tiere, die gern gemeinsam in der Erde scharren und sich der Pflege ihres Gefieders widmen. Zwei, drei Jahre leben die Hennen meist noch glücklich und zufrieden bei Petra Degen.

Degen engagiert sich für Verein „Rettet das Huhn“

Aber der Verein verfolgt mit seiner Arbeit noch andere Ziele: Die Tierschützer bringen das Thema immer wieder in die Öffentlichkeit: „In unserer Gesellschaft muss ein Umdenken stattfinden“, sagt Degen. „Es kann doch nicht sein, dass die Tiere nur für den menschlichen Konsum qualvoll leben und sterben müssen.“ So oft wie möglich ist die Bimöhlerin mit ihrem Info-Stand auf Veranstaltungen in der Region zugegen und macht auf das Thema aufmerksam. „Es ist wichtig, mit den Besuchern in den Dialog zu treten. Wir sind ja auf Menschen angewiesen, denen wir die Hühner vermitteln können“, betont die Bimöhlerin.

Wer ein oder mehrere Tiere aufnehmen will, der muss sich verpflichten, eventuell anfallende Tierarztkosten zu übernehmen und natürlich zusichern, dass die Hennen nicht im Kochtopf landen. Im Rahmen seiner Sorgfaltspflicht guckt der Verein vor einer Vermittlung genau hin und stellt sicher, dass artgerechte Lebensbedingungen gegeben sind. Auch danach wird stichprobenartig überprüft, ob die Hennen wirklich optimal untergebracht sind.

Am 11. September werden in den kooperierenden Legebetrieben wieder 850 Hennen „aussortiert“ und bundesweit verteilt. „Wer einigen Tieren ein neues Zuhause schenken möchte, kann sich gern mit mir in Verbindung setzen“, sagt die überzeugte Vegetarierin.

Bereits am Sonntag, 10. September, ist Petra Degen für „Rettet das Huhn“ im Franziskus-Tierheim in Hamburg (Lokstedter Grenzstraße 7) zu Gast, um in der Zeit von 14 bis 18 Uhr während des Tages der offenen Tür über ihre Arbeit zu informieren.

Kontakt: Petra Degen, Telefon 04192/9806, Mail huehnerfan@gmx.de. Spendenkonto: „Rettet das Huhn e.V.“, Sparkasse Siegen, IBAN: DE 80 460 500 0100 012 700 40, www.rettet-das-huhn.de.