Norderstedt
Norderstedt

Krieg im Jemen: die Flucht von Rasha und Anis

Ein Mann schwenkt am Sonntag vor der Saleh Moschee in Sanaa beim 26. Jahrestag der Wiedervereinigung des Landes die jemenitische Fahne

Ein Mann schwenkt am Sonntag vor der Saleh Moschee in Sanaa beim 26. Jahrestag der Wiedervereinigung des Landes die jemenitische Fahne

Foto: Yahya Arhab / dpa

Tausende Jemeniten sterben in einem sinnlosen Krieg. Rasha Almaqaleh und Anis Albasha erzählen von der Flucht aus ihrer Heimat.

Norderstedt.  „Wenn in Indien eine Herde Kühe stirbt, kommt das in den Nachrichten“, sagt Rasha Almaqaleh. „Wenn in meiner Heimat Jemen Männer, Frauen und Kinder sterben, dann verstummen die Nachrichten-Kanäle.“ Der Jemen, sagt die junge Mutter, scheint nicht als ein Teil der Welt wahrgenommen zu werden.

Gemeinsam mit ihrem Partner Anis Albasha und ihrem gemeinsamen fünfjährigen Sohn floh Rasha Almaqaleh über die Stationen Italien und Schweden nach Norderstedt. Nun sucht die junge Familie hier nach einem Leben in Freiheit und Frieden. Und sie wollen dafür sorgen, dass die Menschen in Deutschland mehr erfahren über den Jemen und die Hintergründe für den Krieg dort. Die Veranstaltungsreihe „Alte Heimat – neue Heimat“ von der Stadtbücherei Norderstedt, in Zusammenarbeit mit dem Willkommen-Team, gibt ihnen dazu die Möglichkeit.

80 Prozent der Bevölkerung sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen

„Im Westen heißt es immer, auch im Jemen gehe es um den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten“, schreibt Rasha Almaqaleh in ihrem Blog Drabzeen. „Für uns Jemeniten ist es ein brutaler Krieg, der von Saudi Arabien gegen den Jemen geführt wird – mit Unterstützung der USA und Europas. Es geht um Macht und strategische Interessen. Religion ist nur das Deckmäntelchen.“ Tausende Jemeniten starben in diesem Krieg, zurzeit sind 80 Prozent der Bevölkerung auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Wohnhäuser, Infrastruktur und einzigartige Kulturdenkmäler wurden zerstört. „Die USA und Europa verkaufen Waffen an das Regime in Saudi Arabien, mit diesen Waffen greifen sie dann Jemenitische Zivilisten an und unsere Infrastruktur. Saudi Arabien begeht schwere Kriegsverbrechen mit diesen Waffen, sie greifen Wohngebiete, Krankenhäuser und Schulen an, machen Vertreter aus Politik und Justiz zu Zielen, ebenso ganze Hochzeitsgesellschaften.“

Rasha Almaqaleh und Anis Albasha haben ihre Heimat verlassen und sie doch im Herzen mitgenommen. In ihrem Vortrag gehen die beiden auf den aktuellen Konflikt in ihrem Land ein und geben ihre persönliche Einschätzung dazu ab. Den Norderstedtern wollen sie aber nicht nur die Probleme des vergessenen Landes, sondern auch anhand etlicher privater Fotos seine Schönheit, seine Landschaft und Kultur näher bringen.

Die beiden Referenten sprechen fließend Englisch. Für die Übersetzung ins Deutsche sorgt Mareike White, die beim Diakonischen Werk in der Flüchtlingsbetreuung tätig ist.

Alte Heimat – Neue Heimat, Sonnabend, 28. Mai, von 16 Uhr an, dieses Mal in der Stadtteilbücherei Norderstedt-Garstedt, Europaallee 36, und nicht in der Hauptbücherei in Mitte. Veranstalter sind die Stadtbücherei Norderstedt und das Willkommen-Team. Der Eintritt zum Vortrag ist frei.