Norderstedt
Abnehm-Aktion

Stefan und Burak lassen Naschis links liegen

Stefan, 47, motiviert sich selbst mit einer Treppe, bei der jede Stufe für ein verlorenes Kilo steht

Stefan, 47, motiviert sich selbst mit einer Treppe, bei der jede Stufe für ein verlorenes Kilo steht

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Mit viel Disziplin haben sie schon Unmengen von Gewicht verloren. In der Abendblatt-Abnehm-Gruppe gehen sie ihren Weg unbeirrt weiter.

Norderstedt.  Stefan, 47, steht auf dieser Treppe. Sie hat 30 Stufen, geht steil nach unten. Hinter Stefan liegen 23 Stufen, vor ihm liegen sieben weitere. „Bis September schaffe ich die auch noch.“ Im September 2015 hat Stefan den Abstieg auf der Treppe begonnen. Und nichts konnte ihn bisher davon abhalten, seinen Weg fortzusetzen.

„Ich habe die Treppe ständig vor Augen“, sagt Stefan. Denn es gibt sie nicht wirklich. Sie ist nur eine Illusion. Aber eine, die das Leben des Sachbearbeiters aus Henstedt-Ulzburg nachhaltig verändert. Jede Stufe steht für ein Kilo Gewicht, das Stefan in den vergangenen Wochen und Monaten verloren hat.

Immer schon hatte er Gewichtsprobleme. „Kann mich gar nicht erinnern, dass es jemals in meinem Leben anders gewesen ist.“ Diäten hat er immer verabscheut, akzeptierte vielmehr, dass er eben nicht den Willen entwickeln konnte, sich endlich zusammenzureißen. Er gewöhnte sich daran, Kleidung in der Größe nur noch mit diversen X vor dem L zu kaufen. Und an diese böse, böse Schublade im Büro, vollgestopft mit Schokolade und Bonsche, in die er täglich vier- bis fünfmal griff , um sich den Alltag am PC zu versüßen.

Irgendwann machte der Darm nicht mehr mit, Stefan erlitt einen Durchbruch, musste operiert werden. Der Schuss vor den Bug. Abnehmen war jetzt auch eine Frage des Selbsterhalts. „Und da sah ich die Anzeige einer Bekannten aus Henstedt-Ulzburg in der Zeitung.“ Gewichtsreduktion durch Hypnose. Skeptisch machte Stefan ein paar Sitzungen bei der Dame. „Sie erzählte mir von der Treppe, dass ich die Schublade im Büro zulassen und dem Sport in meinem Leben Raum geben soll.“ Stefan glaubt nicht, dass das irgendetwas ändern würde.

„Aber plötzlich saß er abends vor dem nicht leer gegessenen Teller und sagte: ,Ich bin satt’“, erzählt seine Frau Claudia. „Den Satz hatte ich noch nie von ihm gehört.“ Die Schublade im Büro blieb geschlossen, Stefan fing wieder mit dem Laufen an und hatte die Treppenstufen vor dem geistigen Auge. „Ich weiß nicht wie – aber die Hypnose hat bei mir geholfen.“ 15 Kilo nahm Stefan ab. Die Abendblatt-Abnehm-Gruppe mit Trainer Markus Tröger war danach die perfekte Ergänzung, um die nächste Schritte auf der Treppe zu packen. Seine Ernährung hat er umgestellt, er setzt auf Eiweiß und hat Kohlenhydrate weitgehend verbannt. „Bis auf mein Laugenbrötchen am Morgen.“ Döner isst er nur noch ohne Brot, und wenn es Nudeln sein müssen, dann die aus der Konjak-Wurzel gefertigten.

Stefan hat sich strikt an die Trainingsvorgaben gehalten. „Sport habe ich ja schon immer gerne gemacht. Auch im Fitness-Studio war ich regelmäßig.“ Der Vorteil des Tröger-Work-outs sei, dass es überall ohne viel Aufwand funktioniere. Stefan hat sich TRX-Bänder besorgt und macht die Übungen unter seinem Carport. „Für die Leute, die von der AKN-Station kommend an unserem Haus vorbeilaufen, sieht es bestimmt komisch aus, wenn ich im Garten stehe und beim Tabata-Intervall wie bekloppt den Hampelmann mache.“ Doch Stefan ist es völlig egal, was die Leute denken. Denn in der Abendblatt-Gruppe hat er die nächsten acht Stufen auf seiner Treppe in ein neues Leben geschafft. Und die böse, böse Schublade im Büro ist nach wie vor geschlossen.

Auch Burak hat seine Ernährung umgestellt

Burak ist es gewöhnt, bei Firmen zu arbeiten, die Mitarbeitern morgens ein umfangreiches Frühstücksbüfett mit allem Drum und Dran anbieten. Die zur Hebung der Laune einen Süßigkeiten-Automaten ins Büro stellen. Burak ist IT-Fachmann, der Mann für Bits und Bytes, der digital möglich macht, was Werbeagenturen oder Programmierer benötigen, um ihre Projekte umzusetzen. „Der Nerd“, wie er selbstironisch sagt. Einer, der immer mehr zu tun hat, als zwei Hände auf einer Tastatur eigentlich erledigen können – und fertig sein muss alles natürlich gestern.

Da kommt so ein Frühstücksbüfett eben so richtig gut. „Und dann isst du nebenher mal so eben drei dick belegte Brötchen weg.“ Und ebenso mal eben läuft man auf dem Rückweg vom Kaffeeholen an diesem verdammten Automaten vorbei, in dem die Snickers schimmern und die Weingummis leuchten. „Irgendwann achtete ich darauf, dass ich immer passendes Kleingeld dabei hatte.“ Natürlich waren es nicht nur die hochkalorischen Undiszipliniertheiten im Büro, die Burak schließlich auf über 150 Kilo Lebensgewicht brachten. „Pummelig war ich als Kind immer und auch in der Jugend. Ich habe aber auch mal nur 80 Kilo gewogen“, sagt er. „Aber nach der Ausbildung und der stressigen Suche nach einem ersten, festen Job, da habe ich mich gehen lassen, mich ein wenig zu sehr belohnt mit essen und feiern.“

Dass Burak das Steuer nun radikal herumgedreht hat und mittlerweile nur noch 122,1 Kilo wiegt, hat mit dem Arzt zu tun, der sagte, dass Übergewicht ihm in ein paar Jahren starke gesundheitliche Probleme bereiten wird. Mit einem neuen Job, einem neuen Leben in Norderstedt und einer neuen Frau. Und mit einem guten Hemd, in das er seinen 150-Kilo-Körper vor einer Weihnachtsfeier plötzlich nicht mehr rein bekam. „Noch größer ging nicht. Ich musste was tun.“

Schon bevor Burak in die Abendblatt-Abnehm-Gruppe kam, hatte er sich Trainer Markus Tröger als seinen persönliches Drill Instructor ausgesucht. Mit einem harten Wochenprogramm, das täglich Bewegung und Ernährungsumstellung verlangte, schaffte sich Burak fast dreißig Kilo Fett vom Leib. In den zehn Wochen mit dem Abendblatt schmolzen immerhin noch vier weitere Kilo weg. Drei- bis viermal Tröger-Work-out, Radfahren und Intervall-Training in der Woche sind heute für Burak die Regel. Bei der Ernährung kommt Burak weitgehend ohne Kohlenhydrate aus. Eiweißlastige Ernährung ist wichtig für den Muskelaufbau im Tröger-Konzept. „Aber ich tue mich einfach schwer, mir morgens sechs Eier in die Pfanne zu hauen oder eine 300-Gramm-Hackpfanne mit Gemüse zu essen“, sagt Burak.

Jetzt, wo sich die Abendblatt-Aktion dem Ende zuneigt, spürt Burak natürlich auch wieder die Angst, dass er ohne die Dynamik der Gruppe und den „Tritt in den Arsch“ von Trainer Tröger wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen könnte. „Doch ich werde einfach immer mal wieder beim Training von Markus im Stadtpark vorbeischauen, und die Abendblatt-Gruppe will sich ja auch nicht aus den Augen verlieren.“ Doch ein Zurück jenseits der 150 Kilo wird es für Burak allein schon deswegen nicht geben, weil er das Gefühl, in einem gesunderen Körper zu stecken, nicht mehr missen möchte. „Treppenstufen komme ich jetzt auch ohne Keuchen und Schwitzen hoch.“ Das hilft auch bei der Flucht vor dem Süßigkeiten-Automaten.