Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Kompromiss: Stromkabel sollen unter die Erde

Die Kieler Staatssekretärin Ingrid Nestle stellte die Pläne in Henstedt-Ulzburg vor

Die Kieler Staatssekretärin Ingrid Nestle stellte die Pläne in Henstedt-Ulzburg vor

Foto: Olaf Bathke

Die neue Pläne für die Ostküstenleitung wurden in Henstedt-Ulzburg vorgestellt. Gemeinde behält sich vor, gegen das Projekt zu klagen.

Henstedt-Ulzburg.  Jetzt sollen die Stromkabel unter die Erde – quer durch Henstedt-Ulzburg. Das jedenfalls sieht der Kompromissvorschlag von Politik und Netzbetreiber Tennet vor. Das Pilotprojekt „Ostküstenleitung“, vorgestellt beim Bürger-Dialog im Bürgerhaus, stieß auf heftigen Widerstand. Den hatte es auch schon beim Thema „380-kV-Höchstspannungsleitung“ gegeben. Alle Parteien waren dagegen.

Die Teilerdverkabelungsstrecke soll, so die Vorstellungen, nahe des Ortskerns von Henstedt-Ulzburg über die Pinnauwiesen, die Pinnauquelle, Hamburger Straße, AKN-Trasse, Usedomer Straße, Kadener Chaussee, weiter in Richtung Beckershof, über Wiesen und Äcker der Landwirte Schacht und Abel bis hin zu einem neuen Umspannungswerk (Standort ungewiss, es gibt Widerstände) nahe der A 7 laufen. Möglicher Baubeginn: frühestens im 2. Quartal 2018. Henstedt-Ulzburgs Bürgermeister Stefan Bauer kennt den aktuellen Planungsstand erst seit einigen Tagen. „Am 8. April haben mich die Kieler Staatssekretärin Ingrid Nestle und führende Tennet-Mitarbeiter bei einem Treffen im Rathaus über Einzelheiten des Pilotprojektes informiert“, sagte der Verwaltungschef.

Der Kostenfaktor für Planung und Bau einer Erdverkabelung erhöht sich um das Vier- bis Zehnfache gegenüber einer Freileitung. Ein besonderes Problem stellen Anzahl und Art von Querungen mit anderen Infrastrukturen dar, also Straßen, Bahngleisen, Flüssen, Gas- und Wasserleitungen, die unterbohrt werden müssen.

Um Teilerdverkabelungen in das Freileitungsnetz zu integrieren, sind am Anfang und am Ende je eine Kabelübergangsanlage notwendig. Das ist eine Anlage von bis zu 130 x 150 Metern, bei der die Freileitung mit der unterirdischen verbunden ist. Gegen den Bau kämpfen die Landbesitzer vehement an. Die Vorteile von Erdkabeln aus Tennet-Sicht: Kritische Bereiche im Wohnumfeld können entschärft, Grenzwerte eingehalten werden. Vogelwelt, Landschaft und Wohnumfeld werden entlastet.

Ob nach Inkrafttreten der Gesetzesänderung über die Möglichkeit einer Teilerdverkabelung die konkrete Planungsphase erreicht werden kann, steht in den Sternen. Henstedt-Ulzburg, so Bauer, behält sich den Klageweg vor. Das letzte Wort hat ohnehin nicht Tennet, sondern die Politik. Das kündigte die Kieler Staatssekretärin Ingrid Nestle im Bürgerhaus an.

Die Ergebniskonferenz der fünf Veranstaltungen für den Abschnitt Kreis Segeberg–Raum Lübeck findet am 2. Juni in Bad Oldesloe statt.