Norderstedt
Schröters Wochenschau

Wenn Schlagsahne aus dem Auspuff tröpfelt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Jan Schröter hat sich Gedanken zur Thematik der Milchtankstellen gemacht und sieht darin eine gute Alternative zum teuren Benzin.

Norderstedt.  Landwirt Ingo Pingel-Schümann betreibt in Kisdorf die erste Milchtankstelle unseres Landkreises. Ab Mai heißt es auch beim Milchbauern Jörg Böttger in Fahrenkrug: „O’zapft is!“ Es gibt eine saubere Zapfstelle, aus der in Selbstbedienung jederzeit die Milch läuft. Ich freue mich. Endlich muss ich nicht mehr mein Geld den gierigen Mineralölkonzernen in den Rachen werfen, sondern kann meinen Wagen mit Milch betanken. Dann kriegt die alte Karre bestimmt auch die blaue Plakette und ich darf weiter durch die Hamburger City brettern, weil aus dem Auspuff schlimmstenfalls noch Schlagsahne tröpfelt.

Angeboten wird der umweltfreundliche Treibstoff in den Sorten Fettarm, Vollmilch und Vollmilch Plus (Dickmilch). Zweitaktmotoren bevorzugen ein Gemisch aus allen Sorten, der entsprechende Zapfhahn ist mit dem Kürzel „ML“ gekennzeichnet („Mixed Latte“). Im Hochsommer sollte man allerdings im Kurzstreckenverkehr nur kleine Mengen tanken und lieber täglich frische Treibmilch aufnehmen, sonst wird der Motor sauer. Falls der kaputt geht, ist das jedoch bei Milchbetrieb meist nicht so schlimm wie früher. Da musste man wegen einer defekten Benzinpumpe in die Fachwerkstatt – für eine defekte Milchpumpe bekommen Sie in jeder Apotheke Ersatz, mit etwas Glück zahlt sogar die Krankenkasse. Auch Politessen werden den neuen Kraftstoff lieben: Illegal langzeitgeparkte Fahrzeuge verraten sich bereits von Weitem durch ihren ranzigen Geruch, da braucht niemand mehr erst die Lesebrille aufsetzen, um die Parkscheibe zu entziffern.

In den Städten wird wieder durchgeatmet, Hamburg wird Luftkurort, auf der Verkehrsinsel im Kreisel Ochsenzoll bettet man Lungenkranke zur Sauerstofftherapie. Bloß auf dem Lande, im Kreis Segeberg beispielsweise, stehen jetzt enorm viele Milchkühe und perforieren mit ihren Flatulenzen die Ozonschicht, aber man kann ja nicht alles haben. Ich wünschte allerdings, Bauer Böttger und andere Milchtankwarte würden ihren Service noch erweitern, damit man beim nächsten Tankstopp an der Kasse diesen Dialog erleben kann: „…und dann hatte ich noch einen Becher Kaffee.“ „Mit Milch?“ „Ja. 30 Liter.“