Norderstedt
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Sexueller Missbrauch: Betreuer muss in Haft

Der Betreuer wurde wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in sieben Fällen verurteilt (Symbolfoto)

Der Betreuer wurde wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in sieben Fällen verurteilt (Symbolfoto)

Foto: Roos Koole / picture-alliance / ANP

Opfer aus Norderstedt bekommt 2000 Euro Schmerzensgeld. 44-Jähriger verging sich laut Gericht bei Jugendlagern an fünf Jungen.

Kiel/Norderstedt.  „Er war nett, engagiert und kreativ“: Als Jugendbetreuer eines FKK-Vereins war Thomas H., 44, gerne gesehen bei Kindern und Kollegen. Seine Beliebtheit und die ungezwungene Atmosphäre auf Wochenend- und Ferienfreizeiten machten es ihm leicht, sich minderjährigen Jungen zu nähern. Wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in sieben Fällen verurteilte ihn das Kieler Landgericht jetzt zu dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe.

Im Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit schwieg der große, schlanke Mann zu den 17 Anklagevorwürfen. Danach verging er sich auf Jugendlagern am Falckensteiner Strand (Kiel), am Rosenfelder Strand in Grube (Kreis Ostholstein) und auf dem FKK-Vereinsgelände in Hamburg an fünf Jungen. „Ich war es nicht, ich habe es nicht getan“, teilte er zum Prozessauftakt im Januar über seinen Verteidiger mit.

Die zur Tatzeit sieben- bis 13-jährigen Jungen stammen aus dem Raum Segeberg, aus Norderstedt, Wedel und Stade. Die Übergriffe liegen vier bis acht Jahre zurück. Seit 2012 schwebt das Verfahren über den Nebenklägern. Am Rande des Prozesses berichten drei Mütter emotional betroffen über massive Folgen für ihre Kinder: Schlaflosigkeit, Angst, Verhaltensauffälligkeiten – bis heute.

Viel Sport an der frischen Luft, naturnahe Ferienaufenthalte im Zelt oder Wohnwagen, unbefangene Nacktheit in der freien Natur – die erklärten Ziele des FKK-Vereins seien für die Jungen teilweise für immer vorbei, beklagen die Mütter. Einer wolle sich von niemandem mehr anfassen lassen, reagiere auf Annäherung äußerst aggressiv.

Ein anderer, dessen Schulleistungen nach dem Missbrauch massiv einbrachen, „wollte schon vors Auto laufen“, erzählt eine Mutter unter Tränen. Dass er die Erwartungen seiner Eltern so enttäuschte, habe ihn am meisten belastet. Doch nur einer von fünf Nebenklägern forderte im Prozess Schmerzensgeld. Nun stehen dem Norderstedter laut Urteil 2000 Euro zu.

Andere verzichteten bewusst: „H. soll sich nicht von seiner Schuld freikaufen können“, erklärt eine Mutter, 46. Der betroffene FKK-Verein fordert von seinen Teamern inzwischen ein polizeiliches Führungszeugnis und eine Verpflichtungserklärung. Man spreche das Thema Missbrauch offen an, hieß es. Und warne vor den Gefahren. Zehn von 17 angeklagten Fällen hielt die Jugendstrafkammer für nicht zweifelsfrei erwiesen. Hier hätten die Zeugen die Vorfälle bei ihren Vernehmungen zu unterschiedlich dargestellt. Die sieben abgeurteilten Taten lagen für die Kammer „eher im unteren Bereich“. Der schwerste Übergriff in der Wohnung des Angeklagten, ein Oralverkehr, schlug mit zwei Jahren zu Buche.

Den Vertrauensmissbrauch durch den Angeklagten wertete das Kieler Gericht strafschärfend. Andererseits sei der 44-Jährige nicht vorbestraft, sozial integriert und besonders haftempfindlich. Eine Revision der Verteidigung, die Freispruch forderte, gilt als sicher. Auch die Staatsanwaltschaft prüft Rechtsmittel, sie hatte auf fünfeinhalb Jahre plädiert.