Norderstedt
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Die Polizei warnt vor falschen Handwerkern

Das Dach reinigen und imprägnieren ist nur eine Masche der Trickbetrüger, um arglose Hausbesitzer abzukassieren

Das Dach reinigen und imprägnieren ist nur eine Masche der Trickbetrüger, um arglose Hausbesitzer abzukassieren

Foto: Paul Mayall / picture-alliance / Paul Mayall

Trickdiebe kassieren Senioren ab. Norderstedterin zahlt 800 Euro an angebliche Dachreiniger – laut Polizei kein Einzelfall.

Norderstedt.  Sie ärgert sich noch immer über ihre Leichtgläubigkeit: Die Norderstedterin ist Opfer von Betrügern geworden. Sie ist drei vermeintlichen Dachreinigern in die Falle gegangen, die 800 Euro kassiert haben und verschwanden, ohne die Leistung zu erbringen – kein Einzelfall, wie Nico Möller, Sprecher der Polizeidirektion Segeberg sagt. Gerade im Frühjahr seien „falsche Handwerker“ unterwegs, um vor allem ältere Hausbesitzer zu betrügen und zu bestehlen.

Das geschehe auf zwei Wegen: Entweder verschaffen sich die Trickdiebe unter einem Vorwand Zutritt zu den Räumen und bitten die Eigentümer, das Haus kurz zu verlassen, weil die Arbeiten beispielsweise gesundheitsschädlich seien. In dieser Zeit durchwühlen sie die Zimmer, stehlen Schmuck und Bargeld und verschwinden mit dem Hinweis, dass sie die Restarbeiten am nächsten Tag erledigen würden.

Mit dieser Masche erbeuteten zwei Männer vor einigen Wochen in Wahlstedt eine fünfstellige Summe und mehrere Schmuckstücke. Die vermeintlichen Dachdecker hatten bei der 90-jährigen Bewohnerin einer Doppelhaushälfte geklingelt und gesagt, das Dach sei undicht. So kamen sie ins Obergeschoss und konnten die Räume in Ruhe durchwühlen, nachdem sie die Seniorin weggeschickt hatten.

Der aktuelle Fall steht beispielhaft für die zweite Masche: Die Seniorin aus Norderstedt, die anonym bleiben, aber mit ihrem Negativerlebnis andere warnen und vor dem gleichen Schicksal bewahren will, wollte das Dach ihres Hauses reinigen und imprägnieren lassen. Sie hatte sich bei einer „seriösen Firma“ ein Angebot samt Kostenvoranschlag eingeholt. 1600 Euro sollte die Arbeit kosten. Einige Tage später klingelten drei Männer an der Tür, die genau diese Arbeiten ausführen wollten. „Ich dachte, die kommen von der Firma“, sagte die Norderstedterin, die dem Trio arglos von dem Kostenvoranschlag erzählte und den Betrügern somit Wissen verschaffte, das sie später schamlos ausnutzten. Die vermeintlichen Dachreiniger nahmen ihre Arbeit auf, säuberten ein Viertel der Dachfläche und baten um Geld. „Sie verlangten 800 Euro, um das Imprägniermittel zu kaufen“, sagt die Rentnerin. Sie habe gezögert und bei der Firma angerufen, die ihr das Angebot geschickt hatte. Da hieß es: „So arbeiten wir nicht.“

Sie habe gedacht, das Trio komme von einem anderen Unternehmen, zumal die Männer zugesichert hätten, am nächsten Tag einen Kostenvoranschlag und die Rechnung mitzubringen. So gab die Hausherrin den Männern schließlich die 800 Euro – und sah weder die Betrüger noch ihr Geld je wieder. „Ich ärgere mich noch immer, dass ich mir keinen Personalausweis zeigen ließ und die Daten kopiert oder wenigstens das Kfz-Kennzeichen notiert habe“, sagt die Geschädigte.

Das Dach von Moos befreien und mit einer Schutzschicht versehen, ist laut Polizei nur eine Masche der Trickdiebe. „Sie kommen als Schornsteinfeger, weil es angeblich aus dem Schlot qualmt, sie wollen Gehwegplatten säubern oder Hecken schneiden – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Polizeisprecher Möller. Es handele sich um ein bundesweites Phänomen, meist wechselten die „falschen Handwerker“ schnell die Tatorte, um nicht entdeckt zu werden.

Sie versuchten, in ausgewählten Häusern und Wohnungen an Bargeld und Schmuck zu kommen. Nicht selten würden sie an der Tür aufdringlich, gaukelten den Senioren eine Notsituation oder eine zeitliche Dringlichkeit vor oder versuchten, ihren Opfern immer mehr Aufträge aufzudrängen – so wie dem 86-Jährigen, der sich von vier angeblichen Gärtnern so bedrängt fühlte, dass er sich nicht traute die Polizei zu rufen. Der Mann war regelrecht erleichtert, als Streifenbeamten die Arbeiten beendeten, weil sie misstrauisch geworden waren und die Männer mitnahmen zur Wache.