Norderstedt
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Norderstedter Flüchtling empört sich über Arriba-Übergriff

Der afghanische Flüchtling Sakhi Zargar, 23, mit Jens Radeloff, seinem ehrenamtlichen Betreuer vom Willkommen Team Norderstedt

Der afghanische Flüchtling Sakhi Zargar, 23, mit Jens Radeloff, seinem ehrenamtlichen Betreuer vom Willkommen Team Norderstedt

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Sakhri Zagar findet sexuelle Übergriffe im Erlebnisbad furchtbar. Er hofft, dass jetzt nicht alle schlecht über Flüchtlinge denken.

Norderstedt.  Als Sakhri Zargar, 23, von dem schlimmen sexuellen Übergriff im Arriba-Bad hört, ist er entsetzt. Zwei Männer aus Afghanistan, Flüchtlinge, hatten sich an zwei Mädchen vergriffen und sitzen nun im Gefängnis. Zargar ist auch Afghane und Flüchtling. Er lebt seit November 2015 in der Unterkunft Fadens Tannen.

Als er im Auto seines Freundes Jens Radeloff sitzt, platzt es aus ihm heraus. „Wenn ich jetzt ein Journalist wäre, dann würde ich einen Artikel darüber schreiben, wie aufgebracht wir anderen Afghanen über die Sache sind.“ Radeloff, der Sakhri Zargar und dessen Frau im Einsatz als Betreuer des Willkommen-Team Norderstedt kennengelernt hatte, sagte: „Du musst nicht Journalist sein, für so eine Geschichte. Wir fragen jetzt einfach jemandem beim Abendblatt, ob er darüber berichten möchte!“

Kurze Zeit später hat sich eine Gesprächsrunde im Verwaltungsgebäude der ehemaligen Schule Fadens Tannen gebildet. Sakhri Zargar bittet darum, dass alle Deutsch reden – langsam und deutlich. Er möchte die Sprache schnell lernen. „Das ist der schnellste Weg, sich zu integrieren und einen Job zu bekommen.“ Was er zum Zwischenfall im Arriba zu sagen hat, übte er im Vorfeld mit Jens Radeloff ein. „Ich entschuldige mich als Afghane für dieses Verhalten meiner Landsleute“, sagt er. „Ich hoffe, dass die Deutschen es vergessen können und nicht glauben, dass alle Flüchtlinge aus unserem Land so sind.“

So etwas einer Frau anzutun, das dürfe nirgends auf der Welt passieren, das sei in jeder Kultur ein Verbrechen gegen die Würde der Frau. „In den Städten, in Kabul oder Masar-e Sharif, da leben wir sehr aufgeklärt. Aber in den Städten nahe Pakistan sieht das völlig anders aus. Besonders auf dem Land sind die Leute rückständig.“ Doch all das ist keine Entschuldigung für solches Fehlverhalten. Egal wie aufgeklärt oder rückständig, welche Hautfarbe oder Herkunft – Täter wie die im Arriba gibt es leider überall.

„Ich möchte mich schnell integrieren“, sagt Zargar. „Am liebsten wäre ich Dolmetscher und würde anderen Menschen helfen.“ Der Norderstedter Jens Radeloff hilft ihm dabei. „Sakhri lernt unglaublich schnell. In nur ein paar Monaten hat er sich die deutsche Sprache fast alleine beigebracht.“ Sprachkurse gibt es für Menschen wie Sakhri Zargar kaum welche in Deutschland. Er ist schon fünf Monate im Land. Doch erst im April wird er überhaupt einen Antrag auf Asyl in Neumünster stellen können. Deutschkurse, die ihn weiterbringen könnten, gibt es aber nur für anerkannte Asylbewerber. „Norderstedt ist großartig. Die Deutschen sind so gut zu uns“, sagt Sakhri Zargar. Die Aussicht, dass er und seine Frau bleiben dürfen, ist schlecht. Deutschland möchte Afghanen verstärkt abschieben. Sakhri Zargar lächelt verbittert. „Afghanistan sicher? Das Land ist nicht sicher. Überall ist Krieg. Ich kann dort nicht leben, ich werde dort bedroht.“