Norderstedt
Norderstedt

Hier wächst zusammen, was zusammen gehört

Katja Panic, Quartiersmanagerin Schmuggelstieg, und Thomas Krönke, Filialleiter Deutsche Bank und Vorsitzender der Interessengemeinschaft Ochsenzoll

Katja Panic, Quartiersmanagerin Schmuggelstieg, und Thomas Krönke, Filialleiter Deutsche Bank und Vorsitzender der Interessengemeinschaft Ochsenzoll

Foto: Christopher Herbst / HA

Das Center Ochsenzoll hat sich im ersten Jahr etabliert, am Einkaufsquartier Schmuggelstieg sind die Bauarbeiten fast abgeschlossen.

Norderstedt.  Der Veränderungsprozess am Ochsenzoll schreitet mit hohem Tempo voran. Ein grenzübergreifendes Einkaufsgebiet mit zwei Nahversorgungsquartieren, ausreichend Parkplätzen, ohne Dauer-Baustellen, dafür mit modernem Touch – so wünschen sich Anwohner, Geschäftsleute und Kunden den Bereich rund um Langenhorner Chaussee und Schmuggelstieg seit langer Zeit. Auch, um wirtschaftlich eine Zukunft zu haben. Und tatsächlich: Die Vision für den Süden von Norderstedt und den Norden von Langenhorn nimmt realistische Formen an.

Bernd Glathe ist hierfür eine der treibenden Kräfte. Als Geschäftsführer von Auto Wichert haben er und Bernd Kußmaul ihr Großprojekt direkt am U-Bahnhof Ochsenzoll für 35 Millionen Euro realisieren können. Vor knapp einem Jahr eröffnete die „Wichert-Welt“, ein Bau mit einem Audi-Zen­trum sowie Flächen für Gewerbe, Büros und Arztpraxen. Der erste Geburtstag war nun gleichbedeutend mit der Präsentation eines neuen Markennamens: Center Ochsenzoll. „Das Quartier entwickelt sich stark“, sagt Glathe. „Wir haben den Start dafür gemacht, dabei mussten wir 13 Jahre um die Baugenehmigung kämpfen.“

Center Ochsenzoll setzt auf Pendler

Widerstand gab es insbesondere von Anwohnern, die 2014 sogar einen Baustopp erwirkten. Die Folge damals: Das von der Hansestadt Hamburg geforderte Park-and-Ride-Parkhaus war aus Lärmschutzgründen Geschichte. Auch heute gibt es hierfür keine Pläne mehr, genauso wenig für einen Abbieger von der Langenhorner Chaussee. „Wir leben mit den Nachbarn in Frieden“, sagt Bernd Glathe. Was ihn vielmehr stört, ist die „Bronx“, wie er die leer stehenden Ladenzeilen auf östlicher Seite entlang der Hauptverkehrsader, zwischen Fibigerstraße und Am Ochsenzoll, flapsig nennt. Er hofft, dass der Schmuddelfleck in den nächsten zwei Jahren verschwindet. „Das sind aber andere Investoren.“

Um den täglichen Ablauf im Center kümmert sich seit Februar ein eigenes Management mit Heinz Wiedemann und Reinhard Kuchel. „Inklusive Wichert sind es 18 Mieter“, sagt Wiedemann. Er zählt drei Säulen auf: das Autogeschäft, die Nahversorgung und das Haus der Gesundheit. Bald werden ein Kieferchirurg sowie ein Fitness-Studio die letzten freien Gewerbeeinheiten beziehen.

Größter Kundenmagnet ist Rewe, dessen Inhaber Axel Flentje zufrieden ist. „Wir haben 13.000 Kunden pro Woche. Anfangs war es noch verhalten, dann gab es eine rasante Entwicklung. So etwas wie das Center hat auf der Ecke gefehlt.“ Pendler, die am Ochsenzoll Bus und Bahn nutzen, sind von großer Bedeutung für seinen Lebensmittelmarkt, der auch stark auf die Firmen und Büros in der nahen Umgebung setzt. Ein knappes Drittel der Kunden, so schätzt das Management, kommt zu Fuß.

Auf der anderen Straßenseite, wenige Hundert Meter entfernt, befindet sich der Schmuggelstieg. Das Quartier hat harte Zeiten hinter sich, die Umgestaltung ist allerdings so gut wie abgeschlossen. So wird bereits am 17. März der Rewe City eröffnen, eine kleinere Version als im Center Ochsenzoll. Größter Hoffnungsträger ist aber Alnatura, ein Bio-Supermarkt, der bundesweit expandiert. Die Filiale in Norderstedt ist die 101. in Deutschland, die erste in Schleswig-Holstein, Startschuss ist hier der 23. März, die Mitarbeiter bestücken derzeit schon die Regale. „Wir suchen speziell im Speckgürtel Standorte“, sagt Benjamin Wägerle, Gebietsverantwortlicher für den Norden. Die Analyse zur Bevölkerung, zur Umgebung und der Kaufkraft sprach für den Schmuggelstieg. „Ein gutes Zeichen ist auch, dass Rewe hierher kommt.“ Ein weiterer Faktor dürfte gewesen sein, dass immer donnerstags ein Wochenmarkt stattfindet, der übrigens der einzige sowohl auf Norderstedter als auch auf Hamburger Stadtgebiet ist.

Die Mitglieder der Interessengemeinschaft Ochsenzoll – Vorsitzender ist Thomas Krönke, Filialdirektor der Deutschen Bank – setzen darauf, dass die beiden neuen Nachbarn Rewe und Alnatura einen positiven Effekt auf den gesamten Standort haben, die Einnahmen wieder steigen. Zumal bald zahlreiche weitere potenzielle Kunden hinzukommen – die 43 Wohnungen am Ufer der Tarpenbek sollen ab April in die Vermietung gehen.

Parkdeck mit etwa 100 Stellplätzen

„Die Geschäftsleute werden aufatmen, wenn alles vorbei ist. Es war ja nicht die einzige Großbaustelle: Wir hatten den Ochsenzoll-Kreisel, davor wurde das Quartier komplett umgebaut“, sagt Quartiersmanagerin Katja Panic. „Alle sind froh, wenn es vorbei ist. Die letzten zwei Wochen war es noch einmal verschärft, weil viele kleine Baufirmen hier geparkt haben.“ In der Tat: Wer während der Bauzeit mit dem Auto zum Schmuggelstieg wollte, musste manchmal lange um den Block kurven, bis sich irgendwo eine Lücke auftat. Das soll sich mit der Rewe-Eröffnung erledigt haben, wie Panic versichert – das Parkdeck mit etwa 100 Stellplätzen soll rechtzeitig fertig sein.

Beide Seiten – Center Ochsenzoll und Schmuggelstieg – stehen dann im Wettbewerb, schließlich gibt es einige Überschneidungen. „Das belebt das Geschäft. Aber wir sprechen eine andere Kundschaft an“, sagt Heinz Wiedemann. Ähnlich sieht es Katja Panic: „Den Kunden ist die Landesgrenze egal. Es bringt weder der Hamburger Seite noch uns etwas, wenn wir sagen, wir seien Konkurrenten.“ Und Thomas Krönke fügt hinzu: „Wir wollen mit der Hamburger Seite zusammenkommen.“

Das ging jedoch einst schief. Oxbid, ein Marketingverbund („Business Improvement District am Ochsenzoll“), von 2010 bis 2013 mit 172.000 Euro von der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung finanziert, blieb ein Versuch. Ursprünglich sollten Oxbid und der Pact Schmuggelstieg gemeinsame Strategien entwickeln, so voneinander profitieren. „Es hat einfach nicht geklappt, eine Verbindung zu schaffen“, erinnert sich Bernd Glathe.