Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Feuerwehrübung: Wenn es im Einkaufszentrum brennt

Rund 300 Rettungskräfte waren bei der Übung im City Center Ulzburg im Einsatz. 25 Verletzte mussten aus dem Gebäude gerettet werden

Rund 300 Rettungskräfte waren bei der Übung im City Center Ulzburg im Einsatz. 25 Verletzte mussten aus dem Gebäude gerettet werden

Foto: Frank Knittermeier / HA

Freiwillige Feuerwehren aus mehreren Orten und das Rote Kreuz proben den Ernstfall im CCU. 26 „Verletzte“ mussten gerettet werden.

Henstedt-Ulzburg.  19.15 Uhr, City Center Ulzburg. Eine Lautsprecherdurchsage sorgt zwar nicht für Panik, aber für eine Überraschung: Wegen eines technischen Defektes müsse das Einkaufszentrum geräumt werden, wird den Besuchern auf Deutsch und Englisch mitgeteilt. Wenig später herrscht dichter Nebel: Aus dem Keller ziehen Rauchschwaden hoch und verbreiten sich innerhalb von Minuten im gesamten CCU bis hinauf in den ersten Stock.

Das war das Ausgangsszenario einer Rettungsübung, wie es sie in diesem Ausmaß in Henstedt-Ulzburg bisher noch nicht gegeben hatte. Feueralarm im CCU, zuckende Blaulichter im gesamten Ulzburger City-Bereich, Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge überall, Schaulustige, Aufregung: Feuerwehrfahrzeuge aus Henstedt-Ulzburg, Kisdorf und Kaltenkirchen rasten heran, Rettungsfahrzeuge des DRK, mehrere Notärzte. 150 Rettungskräfte waren im Einsatz – und kaum einer von ihnen hatte zunächst geahnt, dass es sich hier um eine groß angelegte und sorgfältig geplante Großübung handelte. Das fünfköpfige Organisationsteam hatte alles völlig geheim vorbereitet und nur wenige Rettungskräfte in das geplante Szenario eingeweiht. Henstedt-Ulzburgs Feuerwehrchef Jan Knoll hatte die Leitung des Großeinsatzes übernommen.

Gegen 19.30 Uhr tauchten die ersten Feuerwehrleute auf. Da sich der Rauch überall im Center ausgebreitet hatte, war zunächst nicht klar, wo der Feuerherd ist. Erst nach längerem Suchen gelang es, in der Tiefgarage des CCU ein „brennendes“ Fahrzeug zu sichten. Nach 15 Minuten forderte die Einsatzleitung Verstärkung aus den umliegenden Orten an, um das Center zu räumen und die Verletzten zu bergen.

26 Mitglieder der Jugendfeuerwehr hatten sich im Gebäude verteilt und mimten verletzte Personen. Es war für die mit Atemschutzgeräten ausgestatteten Feuerwehrleute nicht leicht, die Verletzten zu orten und sie zu bergen. Dabei traten Schwierigkeiten auf, mit denen die Einsatzleitung nicht gerechnet hatte. Denn einige Personen hatten sich auf das CCU-Dach geflüchtet, um dort auf ihre Rettung zu warten. Das Problem: Die Blende auf dem Dach (Attika) hat eine Höhe von zwei Metern und ist für Feuerwehrleute, die mit der Rettungsleiter nach oben gelangen, nicht zu überwinden. Im Ernstfall hätten die Henstedt-Ulzburger Feuerwehrleute die Rettungsleiter dann seitlich am Gebäude angesetzt, diese Arbeit aber hatte die Feuerwehr Kaltenkirchen bereits übernommen. Ein weiteres Manko: Die Polizei „spielte“ nicht richtig mit und hatte viel weniger Beamte zum Einsatzort entsandt als zugesagt.

„Für uns war das eine sehr wichtige Übung“, sagt Feuerwehrsprecher Volker Gülk, Wehrführer in Götzberg. Die Feuerwehr konnte auf diese Weise auch die neuen digitalen Funkgeräte, die auch eine Verständigung der eingesetzten Kräfte untereinander möglich macht, erproben. „Das hat gut funktioniert“, so Gülk.

Center-Manager Erich Lawrenz hatte bereits vor einigen Monaten die Idee für diese Großübung. In Frank Büschler vom Verein Henstedt-Ulzburg bewegt fand er einen engagierten Helfer, der sich um viele Details der Übung kümmerte. Unterstützt wurde Lawrenz von den CCU-Mietern, aber auch von der Gemeindeverwaltung und sogar vom Gewerbepark: Das Kaufhaus Real hatte 300 Würstchen spendiert, die sich die Einsatzkräfte nach der Übung schmecken lassen konnten. An der Würstchenausgabe, organisiert von Henstedt-Ulzburg bewegt, nahm auch Maritta Bauer, Ehefrau des Henstedt-Ulzburger Bürgermeisters teil. Sie hatte die ganze Übung gefilmt. Getränke spendierten Kaufland und Bäcker von Allwörden, die Beilagen bezahlte die Pascal-Apotheke.

Viele Beobachter glaubten wirklich an einen Ernstfall. Auf der Henstedt-Ulzburger Facebook-Seite gab es zahlreiche Spekulationen über das Geschehene.