Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Pfarrstelle wird durch Spenden finanziert

Miriam und Cornelius van der Staaij haben die zweite Pfarrstelle der Kirchengemeinde Henstedt-Rhen angetreten. Sie ist zu 25 Prozent über Spenden finanziert

Miriam und Cornelius van der Staaij haben die zweite Pfarrstelle der Kirchengemeinde Henstedt-Rhen angetreten. Sie ist zu 25 Prozent über Spenden finanziert

Foto: Helge Buttkereit

Die Eheleute van der Staaij teilen sich den Arbeitsplatz auf dem Rhen, der zum Teil von privaten Geldgebern bezahlt wird

Henstedt-Ulzburg.  Ein wenig verrückt seien sie schon, meint Miriam van der Staaij. Mit normalem Menschenverstand lasse sich kaum erklären, warum sie und ihr Mann sich ausgerechnet diese Pfarrstelle in Hen­stedt-Rhen ausgesucht haben. Seit Anfang des Monats sind die beiden Pastoren nun gemeinsam Inhaber der neuen zweiten Pfarrstelle an der St.-Petrus-Kirche in Henstedt-Rhen – und diese Stelle hat es in sich: Nach Berechnung des Kirchenkreises steht Hen­stedt-Rhen (neben einer derzeit unbesetzten vollen Pfarrstelle) nur noch eine halbe Stelle zu. Aus diesem Grund besetzt das Pastorenehepaar zusätzlich noch eine viertel Planstelle der Erlöserkirche in Henstedt, wo es Pastor Andreas Spingler entlasten soll. Die letzten 25 Prozent, die noch zu einer Vollzeitstelle fehlen, werden wiederum von der Petrus-Gemeinde finanziert. Da aber der Stellenplan des Kirchenkreises diese viertel Stelle nicht vorsieht, muss das Geld durch Spenden aufgebracht werden.

Für die nächsten drei Jahre ist das Geld vor allem durch einen Großspender aus der Gemeinde gesichert. Wie bereits berichtet, wird Christian Manke von der in Henstedt-Ulzburg ansässigen Grundstücksgesellschaft Manke in den kommenden drei Jahren insgesamt 30.000 Euro für die Kirchengemeinde spenden. Manke, der zwar im Einzugsgebiet der Petrus-Gemeinde lebt, aber nach eigenen Angaben ansonsten keine besondere Beziehung zur Gemeinde unterhält, ist von dem neuen Finanzierungsmodell sehr angetan. Projekte gezielt zu unterstützen, liege ihm am Herzen, so Manke.

Die beiden Pastoren sind „frohen Mutes“

„Es ist schon ein wenig ein komisches Gefühl, zum Teil auf Spenden angewiesen zu sein“, sagt sie. Wie es nach den drei Jahren weitergeht, werde sich zeigen, meint Miriam van der Staaij. Die 48-Jährige und ihr ein Jahr älterer Mann wollen sich davon aber nicht leiten und irritieren lassen und die Aufgabe der weiteren Spendenakquise dem künftigen Kollegen auf der ersten Pfarrstelle überlassen. „Wir wollen nicht der eigene Geldeintreiber sein. Geschäft und Evangelium müssen getrennt bleiben“, sagt Cornelius van der Staaij. „Es ist eine Aufgabe des gesamten Kirchengemeinderats, sich Gedanken zu machen.“

Die Umstände ihrer Pfarrstelle sind zwar außergewöhnlich, dass sie sich dennoch frohen Mutes an die neue Aufgabe machen, führt Miriam van der Staaij auch auf höheren Beistand zurück: „Wir wurden getrieben und gezogen. Wir haben schon das Gefühl, dass Gott seine Hand im Spiel hat.“ Dass es die beiden ausgerechnet nach Hen­stedt-Rhen gezogen hat, ist also kein Zufall. „Wir haben uns gesagt, dass wir in eine Gemeinde wechseln wollen, wo es inhaltlich passt“, sagt Cornelius van der Staaij. Gerade die Hauskreisarbeit in ihrer neuen Gemeinde gefalle ihnen sehr gut. Auch dass es sowohl einen traditionellen wie einen modernen Gottesdienst mit jeweils unterschiedlicher Musik und Gestaltung gibt, gefällt den beiden Pastoren gut. „Die Predigt wird wohl nicht doppelt geschrieben“, meint Miriam van der Staaij. „Wir haben den ersten Gottesdienst aber noch vor uns.“

Dass die beiden Neuen dabei ganz besonders beäugt werden und Pastor Michael Schulze nach seinem Weggang im Oktober große Fußstapfen hinterlassen hat, wissen sie. „Ich kann es verstehen, wenn die Leute jetzt genau hinschauen“, sagt Miriam van der Staaij. Für sie und ihren Mann komme es jetzt darauf an, die Menschen, besonders die vielen Ehrenamtlichen und die regen Aktivitäten der Gemeinde, kennenzulernen. „Wir wollen die Herzen der Menschen gewinnen, und dann kommt alles andere“, sagt sie, und ihr Mann ergänzt: „Wir haben festgestellt, dass es hier sehr offene Menschen sind, viele tolle engagierte Leute.“

Auch diese ersten Erfahrungen bestärken das Pastorenehepaar, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sie sind gemeinsam mit ihren beiden Kindern aus dem Lauenburgischen an den Hamburger Rand gewechselt und haben das Pastorat direkt neben der Kirche bezogen. Cornelius van der Staaij kennt die Region gut, ist er doch in seiner Jugend aus Hamburg nach Ellerau gezogen und hat in Quickborn Abitur gemacht.

Vor ihrem Wechsel arbeiteten die Pastoren 13 Jahre in der Gemeinde Lütau nördlich von Lauenburg, zuvor hatten sie die gemeinsame Arbeit ein Jahr in einer Vertretungsstelle ausprobiert. „Das klappt gut, wir ergänzen uns in unserer Unterschiedlichkeit“, sagt Miriam van der Staaij. Sie sei die Lebendigere, er etwas ruhiger, nachdenklicher. Dass sie so gemeinsam arbeiten und verschiedene Menschen ansprechen können, ohne dass es zu Konkurrenz komme, sei ein Geschenk, meint sie.

So gerne die beiden zusammen arbeiten, so freuen sie sich auch auf einen weiteren Kollegen. Denn die erste Pfarrstelle ist weiterhin vakant. Dass seine Gemeinde bei der Suche nach einem Nachfolger für Michael Schulze auch ungewöhnliche Wege geht, erlebte Cornelius van der Staaij jüngst in Hannover. Von seinen Gemeindegliedern angesprochen, ob er nicht mit zum Willow Creek Leitungskongress kommen wolle, kam er gerne mit. Das habe ihn schon immer interessiert. Bei Willow Creek handelt es sich um ein Netzwerk von Gemeinden, das viele Fortbildungen anbietet und hinter dem ursprünglich eine moderne US-amerikanische Großkirche steht. Auf dem Kongress schalteten die Rhener quasi eine Stellenanzeige für die offene Pfarrstelle, die derzeit von Ralph-Martin Appel vertreten wird.

Miriam und Cornelius van der Staaij werden am Sonntag, 28. Februar um 15 Uhr in der St.-Petrus-Kirche von Propst Kurt Riecke in ihr Amt eingeführt.