Norderstedt
Sabbatical

Der Norderstedter Pastor ist dann mal weg!

Pastor Christian Stehr mach ein Sabbatical in Patagonien. Zum Test ist er schon einmal in Lappland gewandert

Pastor Christian Stehr mach ein Sabbatical in Patagonien. Zum Test ist er schon einmal in Lappland gewandert

Foto: Christian Stehr

Pastor Christian Stehr von der Vicelin-Schalom-Gemeinde verbringt sein Sabbatical mit Wanderungen in Feuerland und Patagonien.

Norderstedt.  Die Nachrichten nach Hause schickt ein kleines GPS-Gerät mit Funksender. Wenn es Christian Stehr, Pastor der Vicelin-Schalom-Kirche in Norderstedt, auf seinen Wanderungen durch Feuerland und Patagonien gut geht, sendet er einmal am Tag per Knopfdruck über sein Gerät eine automatische Mitteilung an seine Frau. Die weiß dann, wo er ist und dass alles in Ordnung ist. Im Notfall könnte er mit dem Gerät auch um Hilfe rufen, aber damit rechnet er nicht.

Christian Stehr ist Anfang der Woche zu einem Sabbatical in den Süden Südamerikas aufgebrochen. Wie jedem seiner etwa 1700 Kolleginnen und Kollegen in der Nordkirche steht auch ihm eine dreimonatige Auszeit vom Dienst zu. „Grundsätzlich dient dieses Sabbatical dazu, die Berufsfähigkeit zu erhalten“, erklärt Nordkirchen-Sprecher Steffen Döbler. „In der Regel wird es für eine Zeit des Studiums beziehungsweise für Fortbildungen genutzt, mitunter auch für gesundheitliche Regenerationsmaßnahmen.“

„Was will ich noch machen?“

Auch Stehrs Auszeit hat ein Projekt zur Grundlage. „Ich habe schon ganz lange gedacht, dass ich das gerne mal machen möchte“, sagt er. Nachdem Propst Karl-Heinrich Melzer ihn ansprach, hat er sich ein Thema überlegt und wollte eigentlich das Sabbatical schon früher nehmen. Aber aufgrund der Umbaumaßnahmen im Schalom und dem Weggang von Pastor Michael Schirmer hat er es bis zum Anfang dieses Jahres aufgeschoben. „Ich wollte nicht Weihnachten weg sein, nun bin ich dann Ostern nicht da“, sagt er.

Worum aber geht es ihm in Südamerika? „Ich bin ein überzeugter Vollzeitpastor“, sagt Stehr. Seine Freunde sind Kirchengemeinderäte und Gemeindemitglieder, eine Trennung gibt es bei ihm kaum. Die Frage, die er sich jetzt im Sabbatical stellt, ist, wie er sein Leben in der Gemeinde und den Beruf weiterhin gut zusammenbringen kann. „Ich habe gerade mein 23. Dienstjubiläum gefeiert und noch etwa zehn Jahre vor mir“, sagt Stehr. „Die Frage ist: Was will ich noch machen?“

In Patagonien hat er dafür viel Zeit zum Nachdenken. Natürlich wird er auch fotografieren und am Ende seine besten Bilder öffentlich zeigen. Vor allem aber geht es ihm ums Wandern. „Ich werde zehn bis 16 Tage am Stück wandern, ohne ein Dorf zu sehen“, erläutert er. Früher seien es mal drei Wochen gewesen, die er fernab der Zivilisation verbringen konnte, aber so viel wie damals könne er nicht mehr tragen. Feuerland und Patagonien kennt Stehr bereits aus früheren Wanderungen. Vorbereitet hat er sich im Herbst bei einer Probewanderung in Lappland. Dabei hat er auch etwas erlebt, was er von sich gar nicht kannte. „Ich bin um halb zehn schlafen gegangen und war um sechs Uhr morgens ausgeschlafen“, sagt er, der ansonsten eher ein Nachtmensch ist.

Geplant hat er von Deutschland aus noch nicht so viel. Am Start- und Zielort im argentinischen Ushuaia, einer der beiden südlichsten Städte der Welt, hat er für die Ankunft sowie die letzten Tage ein Hotel gebucht. „Zwischendurch habe ich ein paar Buchungen gemacht, falls es sich ergeben sollte. Die kann ich aber kurzfristig stornieren“, sagt Stehr. Der Pastor lässt die Zeit auf sich zukommen und ist gespannt, was das Sabbatical mit ihm macht. „Das ist eine einmalige Chance, finde ich. Das sollte sich im Kopf oder im Bauch abspielen.“

Pastoren erhalten im Sabbatical Bezüge

Pastoren sollen sich, wenn es nach der Kirchenleitung geht, im Sabbatical erholen und neu Kraft schöpfen. Laut Nordkirchen-Sprecher Döbler zeigen die Erfahrungen, dass die Ziele erreicht werden. Etwa 40 Pastorinnen und Pastoren in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern nehmen die Möglichkeit jedes Jahr wahr. „Die in dieser Zeit notwendige Vertretung wird von allen Pastorinnen und Pastoren solidarisch finanziert“, sagt Döbler. Dabei erhalten die Pastoren im Sabbatical ihre Bezüge weiter, was Stehr genauso als Privileg sieht wie die Möglichkeit, überhaupt eine Auszeit zu nehmen. „Das sollte innerkirchlich für alle gelten, dann könnte die Kirche gut damit Werbung nach außen machen“, sagt er.

Nach Aussage von Döbler gibt es allerdings auch für Mitarbeiter und Kirchenbeamte, die keine Pastoren sind, in der Nordkirche Sabbatzeitregelungen. Biblische Grundlage für das Sabbatical ist dabei laut Döbler der Sabbat als der siebente Wochentag, ein Ruhetag, der nach dem Dritten Gebot unter besonderem Schutz steht. „In der Bibel sieht Gott für sein Volk zudem alle sieben Jahre ein ,Sabbatjahr’ vor, in dem auf den Feldern nicht gesät oder geerntet werden darf und das Land sich erholen kann.“ Daran lehne sich die Bezeichnung des Sabbaticals an.