Norderstedt
Tesa-Zentrale

Herzlich Willkommen im richtigen Norden

Stolz und sichtlich gut gelaunt zeigten sich bei der Eröffnung Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote (von links), Ministerpräsident Torsten Albig, der scheidende Tesa-Vorstandsvorsitzende Thomas Schlegel und Beiersdorf-CEO Ulrich Schmidt

Stolz und sichtlich gut gelaunt zeigten sich bei der Eröffnung Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote (von links), Ministerpräsident Torsten Albig, der scheidende Tesa-Vorstandsvorsitzende Thomas Schlegel und Beiersdorf-CEO Ulrich Schmidt

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Am Donnerstag wurde die neue Tesa-Zentrale an der Niendorfer Straße in Norderstedt offiziell eröffnet. Viele geladene Gäste.

Norderstedt.  Einen die Öffentlichkeit scheuenden Multimilliardär wie Michael Herz sieht man in Norderstedt nicht gerade alle Tage. Am Donnerstag saß der mit einem Vermögen von über 5 Milliarden Euro zu den reichsten Männern Deutschlands zählende Unternehmer bei der offiziellen Eröffnung der Tesa-Zentrale in Norderstedt mit Ministerpräsident Torsten Albig neben Norderstedts Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote. Ein Bild, das zum neuen Selbstbewusstsein der Stadt Norderstedt passt.

Mit Tesa hat die Stadt einen Weltmarktführer, einen von nur etwa 30 in Schleswig-Holstein, aus dem Herzen Hamburgs nach Norderstedt gelotst. Ein Coup mit Signalwirkung. Und Grote fühlte sich sichtlich wohl in der Gesellschaft. „Wir spüren das natürlich, dass es jetzt heißt: Tesa aus Norderstedt. Das bringt Norderstedt auf die Weltkarte und macht auch ganz andere Firmen auf die Stadt als Standort aufmerksam.“

Marc-Mario Bertermann, Chef der Entwicklungsgesellschaft Norderstedt, die im Auftrag der Stadt deren Gewerbegebiete vermarktet, sagt: „Der Nordport ist durch Tesa zu einem sehr begehrten Standort für Firmenansiedlungen geworden.“ Das nächste Projekt steht schon in den Startlöchern. Ein weltweit führender Hersteller für Luftbefeuchtung und Verdunstungskühlung plant den Bau einer Firmenzen­trale direkt an der Ohechaussee. 200 Mitarbeiter sollen dort einziehen.

Und bei Tesa ist die Entwicklung natürlich längst nicht abgeschlossen. Grote betont in seine Begrüßungsrede für die „Tesaner“, dass die Stadt dem Unternehmen keine Wünsche offengelassen habe. Und so soll es weitergehen. Expansion auf den anliegenden Flächen der neuen Firmenzentrale ist aus Sicht der Stadt gewünscht. „Und diese Flächen sind ja in Besitz von Herrn Herz, ihm gehört ja auch Blume 2000 in Nachbarschaft“, sagt Grote. Spätestens jetzt, wo sich der Tesa-Aufsichtsrat zur Eröffnung vor Ort ein Bild von der Lagegunst der Tesa-Zentrale gemacht hat, kann Norderstedt also für die Zukunft auf lukrative neue Projekte gespannt sein.

Grote will Tesaner auch als Neubürger gewinnen

Grote erhofft sich von Tesa aber mehr als Gewerbesteuer, Arbeitsplätze und Standortwerbung..

Er will die Tesaner als Neubürger gewinnen, vielleicht die noch vorhandenen Vorurteile der Hamburger gegenüber dem Umland-Städtchen auflösen. Ganz offen spricht er in seiner Rede an, dass er zum Shopping natürlich auch in 28,5 Minuten mit der U 1 in die Hamburger Innenstadt fahre. „Aber in vielen anderen Bereichen können wir mit Hamburg mithalten.“ Hervorragend ausgestattete Schulen und Kitas, günstigerer Wohnraum und sehr hübsche Nachbarschaften, in denen auch die Tesaner sicher heimisch werden könnten. Neben reflektierendem Gemurmel gab es da verschiedentlich Lacher unter den versammelten Mitarbeitern.

Albig hob Bedeutung der Metropolregion hervor

Wie es sich im Gespräch mit einigen Mitarbeitern zeigt, lieben die Tesaner ihre neuen Zentrale – mit ihren Espresso-Maschinen in schicken Kaffee-Küchen auf allen Stockwerken, der Restaurant-ähnlichen Kantine mit Aktionstresen en masse und dem eigenen Fitness-Studio samt Trainerstab für die Bewegung vor, während und nach der Arbeit. Aber die Stadt um die Zentrale herum kennen die wenigsten. „Eimsbüttel hatte schon Charme“, sagt eine Tesanerin mit Melancholie in der Stimme. „Aber Tesa ist ein Super-Arbeitgeber. Und in der neuen Zentrale arbeitet man jetzt doppelt so gerne.“

Ministerpräsident Torsten Albig outete sich in seiner Rede zur Eröffnung als Verpackungs-Versager. Sein mangelndes Talent im Umwickeln von Geschenken kompensiere er durch den massiven Einsatz von Tesa-Film. „Wie schön, dass ich ab jetzt guten Gewissens auf ein schleswig-holsteinisches Produkt zurückgreifen kann.“ Es folgten noch weitere launige Frotzeleien in Richtung des Hamburger Nachbarn. Offenbar kann der Landesvater seine spitzbübische Freude über die Tesa-Ansiedlung nicht verhehlen. Er beeilte sich aber, zu betonen, dass alles, „was für Hamburg gut ist auch für Schleswig-Holstein gut ist – und andersherum“. Als Metropolregion sei man gemeinsam stark. „Trotzdem. Willkommen im richtigen Norden, lieber Tesaner!“, schloss Albig.

Die Norderstedter Stadtvertreter folgten den starken Worten Albigs aufmerksam. Arne-Michael Berg (CDU) hofft, dass viele Unternehmen dem Beispiel Tesa folgen werden. Und Klaus-Peter Schroeder (FDP) hat den Eindruck, dass Schleswig-Holstein die Augenhöhe zu Hamburg gewonnen hat in der Metropolregion. Katrin Fedrowitz, Landtagsabgeordnete der SPD, sprach von der Hemmschwelle, die manche Unternehmen bislang vielleicht hatten, um den Standort Norderstedt zu wählen. und die durch Tesa nun umdenken.