Norderstedt
Wirtschaft

Jetzt gehören die „Tesaner“ zu Norderstedt

Norderstedts größte Baustelle ist vollendet: Am Montag zogen 700 Mitarbeiter von Tesa an der Niendorfer Straße in Norderstedt ein.

Norderstedt.  Ein 160 Millionen Euro Projekt legt eine Punktlandung hin: Am Montag, pünktlich um 8 Uhr, begrüßte Tesa-Chef Thomas Schlegel gemeinsam mit seinen Kollegen aus der Geschäftsführung mehr als 700 „Tesaner“ im Foyer des neuen Hauptquartiers des Klebeband-Herstellers an der Niendorfer Straße in Norderstedt. Von jetzt an ist die Weltmarke ein echter Norderstedter.

Die größte Baustelle Norderstedts und eine der größten des Landes Schleswig-Holstein ist damit ohne nennenswerte Verzögerungen fertig gestellt worden.

Alles begann am 7. September 2012, als der Beiersdorf-Aufsichtsrat das Gebäudekonzept genehmigte. Anfang November 2012 folgten der erste Spatenstich und die ersten Arbeiten auf dem 86.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Niendorfer Straße. Danach wurden 58.000 Kubikmeter Erdmasse ausgehoben, Altlasten aus dem Boden entsorgt und das benachbarte Biotop an der Tarpenbek mit einem aufwendigen Schutzsystem vor der Austrocknung bewahrt.

Für politischen Streit sorgte das Thema Tesa-Kita. In den ursprünglichen Planungen für das Tesa-Gebäude war noch eine Kindertagesstätte enthalten. Sie sollte auf einem Grundstück hinter dem Hauptgebäude entstehen. Die Grünen in der Norderstedter Stadtvertretung lehnten das Projekt ab. Es sei Kindern und Mitarbeitern in der Kita nicht zuzumuten, in unmittelbarer Nähe des Flughafens mit seinem Fluglärm den Tag zu verbringen. Außerdem wurde über Altlasten im Boden des Tesa-Grundstücks und die möglichen Gesundheitsbelastungen für die Kita-Kinder diskutiert. Gescheitert ist das Projekt allerdings am Ende aufgrund des mangelnden Bedarfes. Die meisten der aktuellen „Tesaner“ haben ihre Kinder in Hamburg untergebracht und benötigen keine Kita am Arbeitsplatz in Norderstedt.

1200 Säulen wurden eingerammt

Unvergessen wird den Norderstedtern und den Langenhorner dann die nervigste Phase des Tesa-Neubaus bleiben: 1200 Betonsäulen musste die Bauleitung im Frühjahr 2013 in den weichen und feuchten Baugrund rammen, um die nötige Standfestigkeit für die Firmenzentrale zu bekommen. Der Bürgerprotest schwoll mit jedem ohrenbetäubenden Schlag der Rammen auf eine der Säulen an. Mithilfe eines Bürgerbeauftragten und reduzierten Ramm-Zeiten zeigte sich Tesa als guter Nachbar. Der Grundstein für die drei Gebäudekomplexe mit einer Brutto-Geschossfläche von fast 65.000 Quadratmetern wurde am 18. Juni 2013 gelegt. Jens Koth, Prokurist der „One Tesa“, jener Bau-GmbH, die das Klebstoff-Unternehmen extra für den größten Bau der Firmengeschichte gegründet hatte, dirigierte zeitweise bis zu 170 Bauarbeiter auf der Baustelle. Sieben Kräne sorgten teilweise gleichzeitig dafür, dass die Baumaterialien nach einem exakten Zeitplan an der richtigen Stelle waren. Unter anderem mussten 47.845 Tonnen an Stahl und Beton verteilt werden. Außerdem wurden 1.046.545 Meter Kabel verlegt und 100.339 Meter an Rohrleitungen eingebaut. Beeindruckende Zahlen.

Der Umzug der „Tesaner“ aus den alten Räumen an der Quickborner Straße in Hamburg-Eimsbüttel nach Norderstedt war eine Herausforderung: „Was in den vergangenen drei Tagen hier passiert ist, verdient zweifelsohne die Bezeichnung logistische Meisterleistung“, sagte Schlegel am Montag.

7500 Umzugskartons wurden gepackt

Alles sei Monate im Voraus minutiös geplant worden: Am vergangenen Donnerstag, Punkt 19 Uhr, begannen mehr als 40 Tesa IT-Spezialisten im Drei-Schicht-Betrieb damit, alle PCs in Eimsbüttel abzukabeln, zu verladen und im Neubau mit rund 4500 Metern Netzwerkkabeln wieder zu verdrahten. Parallel wurden etwa 7500 Umzugskartons per Lkw transportiert und auf die jeweiligen Büros in dem sieben Stockwerke hohen Verwaltungsgebäude verteilt. In den Wochen zuvor hatte das eigens gebildete Team „Archivierung, Digitalisierung und Entsorgung“ alle Hände voll zu tun: Über 2500 Aktenordner waren nach vorheriger Sichtung zu vernichten und fast ebenso viele zu digitalisieren. Darüber hinaus wanderten nahezu 5000 Exponate wie alte Preislisten, Fotos und Werbeanzeigen aus der knapp 60-jährigen Tesa-Geschichte ins Archiv.

Die letzten „Tesaner“ kommen im Dezember

Der Umzug wird bei Tesa in drei Phasen organisiert. Bereits am 1. Juli war mit dem Technologiezentrum und seinen 45 Mitarbeitern die erste Einheit von Eimsbüttel nach Norderstedt verlagert worden. In diesem Bereich entwickeln Ingenieure an rund 90 Anlagen Produktionsverfahren.

Außerdem erproben sie die Herstellung von Produktmustern für neue Klebeanwendungen im Industrie- und Endverbraucher-Bereich, bevor diese in den Tesa-Werken auf Großanlagen gefertigt werden.

Am Montag kam der Löwenanteil der Tesa-Mitarbeiter nach Norderstedt: 700 Mitarbeiter unterschiedlicher Zentralfunktionen des Unternehmens wie Marketing, Einkauf, Vertrieb und Supply Chain der beiden Unternehmensbereiche Tesa Industry sowie Consumer & Craftsmen. Im Dezember folgt der dritte und letzte Teil des Umzugs. Dann werden die etwa 280 Mitarbeiter des Forschungszentrums (FZ) ihre neuen Räume an der Niendorfer Straße beziehen.