St.-Petrus-Gemeinde

Henstedt-Ulzburger Pastor wird Wanderprediger

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Helge Buttkereit
Pastor Michael Schulze geht ein Jahr ials Wanderprediger in die Welt

Pastor Michael Schulze geht ein Jahr ials Wanderprediger in die Welt

Foto: Helge Buttkereit

Der Pastor verlässt die St.-Petrus-Gemeinde. Ein Jahr lang wird er in den USA, Neuseeland und Singapur unterwegs sein.

Henstedt-Ulzburg.  Nach 19 Jahren feiert Michael Schulze an diesem Sonntag seine letzten beiden Gottesdienste in der Kirche St. Petrus auf dem Rhen. Noch einmal gibt es um 9.45 Uhr den traditionellen und um 11.30 den modernen Gottesdienst, bei dem Schulze verabschiedet wird und besonders viele Besucher erwartet werden. Am Dienstag sitzt er dann schon im Flieger in Richtung USA. „Ich gehe in ein Jahr ohne Gehalt, in dem wahlweise Gott mich versorgt oder ich anschließend pleite bin“, sagt Schulze. Denn Michael Schulze wechselt nicht einfach in eine neue Pfarrstelle, er geht als eine Art Wanderprediger in die Welt hinaus und hat sich in den vergangenen Wochen von vielen Büchern und Möbeln getrennt.

„Ich bin eigentlich ein Pioniertyp“, sagt der groß gewachsene Pastor mit dem Schnurrbart, der Halbglatze und der sanften Stimme. Ein Pionier mache sich selbst überflüssig, denn er baue auf und ziehe sich dann zurück, erklärt er. So sei er auch in der Gemeinde in Henstedt-Rhen verfahren; er hat dort mittlerweile über 200 Ehrenamtliche für die Kirche begeistert. „Wo immer es geht, habe ich versucht, dass die Leute das ausleben können, was Gott in sie an Befähigungen und Gaben hineingelegt hat“, sagt der 50-Jährige. Seit etwa drei Jahren habe er das Gefühl, dass er alles gesagt, getan und aufgebaut habe, was er kann. „Dazu kommt eine Sehnsucht, die Beziehung zu Gott neu aufzubauen“, sagt er.

Um der Sehnsucht Platz zu geben, gibt der alleinstehende Pastor nun viele Sicherheiten auf, die auch ihre positive Seiten hätten, wie er sagt. Gleichwohl wolle er nicht als Religionsfunktionär enden, sagt Schulze. Durch seinen Weggang beginnt auch für seine Gemeinde eine Zeit der Ungewissheit. Nachdem das erste Bewerbungsverfahren gescheitert ist, kommt zunächst Vertretungspastor Ralph-Martin Appel nach Henstedt-Rhen. Vermutlich Ende des Jahres wird dann die zweite Pfarrstelle besetzt, die zum Teil aus Spenden finanziert wird.

„Ich möchte mich in Situationen hineinbegeben, wo ich mich dem aussetze, wohin Gott mich führt und mich versorgt“, sagt Michael Schulze. Deswegen – und wegen dem besseren Wetter – gehe er auch ins Ausland, wodurch er neue Wege und neue Sichtweisen kennenlernen will. Schließlich gibt es für ihn noch einen weiteren Grund, der ihn zum Abschied zumindest auf Zeit bewegt hat. „Es gibt viele Entwicklungen in der Landeskirche, die mich aufgeregt haben und gegen die ich nichts machen kann“, sagt er. Dadurch komme in seinen Dienst Bitterkeit hinein. „Bitterkeit und Gott dienen, das ist eine schlechte Kombination“, sagt Schulze.

Die ersten Monate sind dabei zumindest grob geplant, es geht zunächst in die Südstaaten der USA. Hier wie auch an den anderen Stationen seiner Reise will Schulze unter anderem auch die Kenntnisse aus der Seelsorge-Fortbildung des vergangenen Jahres anbringen, die die beste war, die er je gemacht habe – und die nicht von der Kirche bezahlt wurde. Schulze hat darauf aufbauend ein Seminar für Familien entwickelt, das den Teilnehmern nach seinen Worten hilft, die eigene Vergangenheit und die Vergangenheit der Familie zu erkennen. „Das kann man sehr gut als Fremder halten“, sagt er. Einem Fremden gegenüber falle es leichter, intime Details preiszugeben.

Nach den USA zieht es Schulze nach Neuseeland und Singapur. Am Ende der ersten Hälfte seiner Auszeit wird er dann die Rhener Gemeindereise nach Israel begleiten, die bereits ausgebucht ist. Ab April will er zwei Monate in Deutschland sein, er hat bereits verschiedene Einladungen und auch Termine für Taufen und Trauungen angenommen.

Wie es danach weitergeht, weiß er noch nicht. „Mein Traum ist, in Florida in einer deutschen Gemeinde hängen zu bleiben“, sagt er. In Florida gebe es allein 60.000 Menschen mit deutschem Pass, die Kirchengemeinden könnten sich aber meist keine vollen Pastorenstelle leisten. Und die bräuchte er, um die Arbeitsgenehmigung für die Staaten zu bekommen. Wenn es mit Florida nichts wird, könnte er sich auch vorstellen, ein geistliches Zentrum in Thüringen aufzubauen. Träumen darf erlaubt sein, findet Schulze und bleibt Realist: „Wahrscheinlich arbeite ich ab November 2016 irgendwo in der Nordkirche als Pastor.“

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