Norderstedt
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Die Alkoholsucht im Internet bekämpfen

Alkohol ist die Volksdroge schlechthin: 9,5 Millionen Deutsche konsumieren Wein, Bier und Schnaps in gesundheitsschädlichen Mengen

Alkohol ist die Volksdroge schlechthin: 9,5 Millionen Deutsche konsumieren Wein, Bier und Schnaps in gesundheitsschädlichen Mengen

Foto: Jens Büttner / picture-alliance/ ZB

Fachleute der Asklepios-Klinik stellen die innovative Therapieform im Expertenchat des Hamburger Abendblatts vor.

Norderstedt.  Weihnachten ist vorbei, die Zeit der guten Vorsätze beginnt. Wer weniger oder gar keinen Alkohol mehr trinken will, weil sich Suchtsymptome zeigen oder schon eine Abhängigkeit besteht, hat jetzt eine neue Chance, von Bier, Schnaps, Wein oder Cocktails loszukommen: die onlinegestützte Therapie. Die Therapeuten der Asklepios-Klinik Nord-Ochsenzoll, Anlaufstelle für kranke Norderstedter, bieten die innovative Hilfe an und zählen damit bundesweit zu den Vorreitern.

Nach wie vor ist Alkohol die Volksdroge schlechthin: Jedes Jahr sterben in Deutschland 74.000 Menschen durch Alkoholmissbrauch. 9,5 Millionen konsumieren Alkohol in gesundheitsschädlichen Mengen – zwei alarmierende Fakten aus dem Bericht, den die Drogenbeauftragte der Bundesregierung im Mai vorgestellt hat.

Wie der Weg zu kontrolliertem Trinken oder zum kompletten Verzicht auf die legale Droge verläuft, erläutern die Therapeuten im Expertenchat, zu dem die Norderstedter Redaktion des Hamburger Abendblatts für Mittwoch, 6. Januar, einlädt. Die Telefone werden von 15 bis 17 Uhr freigeschaltet.

Doch nicht nur die Therapieform ist modern und an der digitalen Kommunikation ausgerichtet, auch das Ziel ist neu: Bisher stand völlige Abstinenz im Vordergrund. „Doch es gibt auch Menschen, die es über lange Zeit oder sogar dauerhaft schaffen, ihren Alkoholkonsum deutlich einzuschränken und moderat zu trinken“, sagt Britta Stieglitz, Leitende Psychologin der Klinik für Abhängigkeitserkrankungen auf dem Asklepiosgelände in Langenhorn.

„Mit dieser neuen Behandlungsform wollen wir Menschen ansprechen, die keine Möglichkeit haben, ein ambulantes Angebot wahrzunehmen“, sagt Britta Stieglitz. Viele hätten zwar den Wunsch, sich aus der Abhängigkeit zu befreien, doch der Weg dahin bleibe mit den bisherigen Therapiemöglichkeiten versperrt. So arbeiteten Alleinerziehende tagsüber, hätten häufig sogar mehrere Jobs und kümmerten sich in der restlichen Zeit um ihre Kinder. Das straffe Tagesprogramm und die Angst vor Jobverlust verhinderten den Zugang zu ambulanter Hilfe im Kampf gegen den Alkohol. Das gelte auch für Menschen in Führungspositionen, die stark eingespannt sind. Die Online-Therapie schaffe Flexibilität, die Teilnehmer können einsteigen, wenn sie Zeit, Lust und Kraft haben.

Zudem sei das neue Therapiemodell auch für Abhängige oder Gefährdete zugänglich, die auf dem Land leben, nicht mobil sind und nur schwer eine Fachklinik erreichen können. Auch der Kreis Segeberg ist vor allem im Nordosten ländlich geprägt.

Allerdings verlassen sich die Therapeuten nicht auf Internet und E-Mails allein. Am Beginn steht das persönliche Gespräch in der Fachklinik. „Wir sprechen mit den Interessenten über ihre Erwartungen an die Therapie, klären offene Frage und treffen eine erste Diagnose “, sagt Britta Stieglitz. Sie und ihre Kollegen fragen ab, wie viel und wann Alkohol getrunken wird, ob es zum Kontrollverlust kommt, soziale Aktivitäten eingeschränkt werden, gesundheitliche Folgen auftreten. Bei schwerem Alkoholmissbrauch scheidet die neue Behandlungsmethode aus. Dann kann nur ein stationärer Entzug helfen.

Werden sich Therapeut und Patient einig, bekommt der Patient Zugangsdaten für den ersten Login. Spätestens dann stellt sich die Frage nach der Datensicherheit. „Sämtliche personenbezogenen Daten werden von unseren Suchttherapeuten gemäß den datenschutzrechtlichen Vorschriften streng vertraulich behandelt. Die E-Mail-Kommunikation zwischen Patient und Therapeut findet über gesicherte Übertragungswege statt“, sagt die Leitende Psychologin.

Die Therapie gliedert sich in zwei Teile: In der Analyse des Trinkverhaltens arbeitet der Patient einen Fragenkatalog zu den Trinkgewohnheiten ab. Da geht es auch um die Ursachen und die Gefühlszustände vor dem Griff zur Flasche. Frust, Trauer, Einsamkeit, Druck am Arbeitsplatz – all das kann in die Sucht führen. Die Beobachtungen werden in einem Online-Tagebuch protokolliert. „Sind die Verhaltensmuster erkannt, lernen die Patienten in der zweiten Phase mit Hilfe von Übungen, weniger oder gar keinen Alkohol mehr zu trinken“, sagt Britta Stieglitz.

Die onlinebasierte Therapie dauert etwa zwölf bis 16 Wochen und wird von den Krankenkassen bezahlt. Die ersten Erfahrungen seien gut, die Therapeuten bekämen viele positive Rückmeldungen der Patienten.

Wer sich für die onlinegestützte Therapie gegen Alkoholabhängigkeit interessiert, bekommt beim Expertenchat von Asklepios-Klinik Nord-Ochsenzoll und Hamburger Abendblatt weitere Auskünfte. Die Therapeuten beantworten am Mittwoch, 6. Januar, von 15 bis 17 Uhr Fragen. Ärztin Birgit Lucassen ist unter der Telefonnummer 040/18 18 87 42 46 zu erreichen, der Psychologische Therapeut Johannes Thiermann unter Telefon 040/18 18 87 25 40, seine Kollegin Britta Stieglitz unter der Telefonnummer 040/18 18 87 26 74.