Norderstedt
Abendblatt-Serie

Bei der Feuerwehr gilt: „Jede Minute zählt“

Norbert Berg erklärt den Abendblatt-Leser die Ausrüstung der Fahrzeuge

Norbert Berg erklärt den Abendblatt-Leser die Ausrüstung der Fahrzeuge

Foto: Wolfgang Klietz

Bei der Aktion „Willkommen hinter den Kulissen!“ besuchen Abendblatt-Leser die Norderstedter Feuerwehr und die Rettungsleitstelle.

Norderstedt.  Die Räume und Flure haben sich verändert, doch die Abendblatt-Leserinnen finden sich immer noch gut zurecht. Nur der Duft von Kräutern ist verflogen. Auch Likörflaschen dürften kaum noch zu finden sein. Christel Jenzin, Doris Spielhagen, Margit Schmidt und Christel Wiesenhofer haben bei der Aktion „Willkommen hinter den Kulissen!“ der Norderstedt-Redaktion des Abendblatts die Chance genutzt, ihren alten Arbeitsplatz in der Stonsdorferei zu besuchen, in der sich heute das Feuerwehrtechnische Zentrum der Stadt befindet. Wo einst Kräuterlikör hergestellt wurde, sorgt die Feuerwehr heute für die Sicherheit der Norderstedter.

Gemeindewehrführer Norbert Berg und die komplette Feuerwehrführung waren angetreten, um die vier Damen und die anderen Abendblatt-Leser über ihre Arbeit zu informieren. Die Norderstedter Feuerwehr war die neunte Station der Aktion „Willkommen hinter den Kulissen!“, die den Lesern ein Blick in Institutionen der Region ermöglicht, die normalerweise für die Öffentlichkeit tabu sind.

Berg startete den Rundgang mit ein wenig Theorie und zeigte den Gästen den unscheinbaren Funkmeldeempfänger, der an seinem Gürtel klemmt. Unüberhörbar lösen diese kleinen Geräte bei einem Einsatz den Alarm für die Feuerwehrleute aus. 600- bis 700-mal pro Jahr piept es. Mal für eine kleine Gruppe. Mal für einen oder mehrere Löschzüge, die in den Wachen Fried-richsgabe, Harksheide, Glashütte und Garstedt bereitstehen. Maximal 300 Feuerwehrleute mit 36 Fahrzeugen kann die Wehr alarmieren. Jeder übernimmt diese Aufgabe ehrenamtlich und verlässt den Arbeitsplatz, das Fußballtraining oder das eigene Bett, sobald der Melder Alarm schlägt. Eine kleine hauptamtliche Abteilung unterstützt die Ehrenamtler, die ihren Nachwuchs bei den 50 Mitgliedern der Jugendfeuerwehr ausbildet.

Wie knapp die Zeit bei einer gesetzlichen Frist von acht Minuten zwischen Alarm und Eintreffen am Unglücksort ist, erfahren die Leser im Unkleideraum. Die Helme liegen bereit, in die Stiefel und die Einsatzkleidung können die Feuerwehrleute blitzschnell hineinschlüpfen. Alles muss schnell gehen. „Acht Minuten sind sehr sportlich“, sagt Berg. Dennoch halte die Wehr zu 95 Prozent die Frist ein.

„Wie viel Arbeit machen Ihnen die Heimrauchmelder?“, will eine Leserin wissen. 200 bis 250 Einsätze pro Jahr gehen auf einen Alarm dieser Melder zurück, sagt Berg. Dabei gehe es sehr häufig um echte Notfälle, zum Beispiel wenn das Essen auf dem Herd vergessen wird und in Brand gerät. Bergs Kameraden haben schon einige Menschen geweckt, die beim Kochen eingeschlafen sind und von der Feuerwehr in dichtem Qualm entdeckt wurden, während der Rauchmelder piepte.

Zweite Station der Führung durch das Feuerwehrtechnische Zentrum ist die Rettungsleitstelle Holstein. Dort kommen sämtliche 112-Notrufe aus dem Kreis Segeberg an, erklärt Amtschef Joachim Seyferth. Im Schichtbetrieb koordinieren die Disponenten 55.000 Einsätze für den Rettungsdienst und 5000 Feuerwehreinsätze pro Jahr. Die Arbeitsbelastung der Männer und Frauen an den zahllosen Bildschirmen, Telefonen und Funkstation wächst ständig.

„Pro Jahr gehen die Einsatzzahlen um sieben Prozent nach oben“, sagt Leitstellenchef Wolfgang Reimer den Abendblatt-Lesern. Jeder seiner Mitarbeiter ist für Feuerwehr und Rettungsdienst ausgebildet und muss in der Lage sein, notfalls auch per Telefon zu reanimieren. Dass Disponenten Anrufern Anweisungen für eine Wiederbelebung geben, bis der Notarzt eintrifft, gehört zum Standard bei der Rettung. „Jede Minute zählt“, sagt Reimer.

Bei der nächsten Aktion „Willkommen hinter den Kulissen!“ besuchen Abendblatt-Leser die Holstentherme in Kaltenkirchen. Fachleute des Erlebnisbades werden die Besucher am Donnerstag, 10. Dezember, über die aufwendige Technik für Bäder und Saunen informieren. Sie erfahren, wie die „Karibik des Nordens“ für sauberes Wasser, tropische Temperaturen und Spaß auf den Rutschen sorgt. Um 16 Uhr geht es los. Wer an der Aktion teilnehmen will, sollte sich per Mail an norderstedt@abendblatt.de bis Mittwoch, 25. November, 20 Uhr, anmelden. Die Zahl der Teilnehmer ist begrenzt.