Norderstedt
Mietenspiegel

Norderstedt: Kleine Wohnungen werden teurer

Wer in Norderstedt einen neuen Mietvertrag abschließt, muss saftige Mieterhöhungen in Kauf nehmen. Besonders bei den begehrten kleinen Wohnungen langen die Vermieter kräftig zu

Wer in Norderstedt einen neuen Mietvertrag abschließt, muss saftige Mieterhöhungen in Kauf nehmen. Besonders bei den begehrten kleinen Wohnungen langen die Vermieter kräftig zu

Foto: Andreas Burgmayer

Der Norderstedter Mietenspiegel 2015: Im Durchschnitt stiegen die Mieten um 4,3 Prozent im Vergleich zu 2013. Höchste Mieten im Land.

Norderstedt.  Die Mieten in Norderstedt werden stetig höher. Im Durchschnitt mussten Mieter im vergangenen Jahr 7,65 Euro für jeden Quadratmeter ihrer Wohnung im Monat bezahlen – netto und kalt, also ohne Heizungs- und Betriebskosten. Das sind satte 4,31 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Ermittelt wurden diese Daten von der Stadt Norderstedt. Alle zwei Jahre veröffentlicht Norderstedt seinen Mietenspiegel. Jetzt liegt die Ausgabe für 2015 vor.

„Mit Sylt und Wedel haben wir in Norderstedt die höchsten Mieten im Land Schleswig-Holstein“, sagt Norderstedts Sozialdezernentin Anette Reinders bei der Präsentation des Spiegels. „Mit 7,65 Euro den Quadratmeter werden wir leider auch in diesem Jahr wieder weit vorne in der Rangliste der teuersten Mieten landen.“

Verstärkt habe sich der Trend, dass besonders die auf dem Mietmarkt gesuchten kleinen Wohnungen immer teurer werden. Für eine Einzimmer-Wohnung mit 40 Quadratmetern muss man in Norderstedt inzwischen Quadratmeterpreise von bis zu 14 Euro bezahlen. Diese Höchstwerte erzielen Objekte aus den Baujahren 1990 bis 2014. Im Durchschnitt sind hier 13,13 Euro pro Quadratmeter Miete üblich. In Häusern aus den Baujahren 1971 bis 1989 sind immerhin durchschnittlich 8,55 Euro fällig und in Altbauten aus den Jahren 1954 bis 1965 werden durchschnittlich 9,01 Euro genommen.

„Der Mangel dieser Wohnungen auf dem Markt sorgt für diese Preisentwicklung“, sagt Reinders. Mit Blick auf die Flüchtlingsströme, die in diesen Tagen verstärkt auch die Stadt Norderstedt erreichen, sieht Reinders in den kommenden Jahren eine Verschärfung der Situation. Immer mehr Menschen werden sich um die wenigen bezahlbaren kleinen Wohnungen bewerben. „Wir beobachten auch, dass die Mieten bei Neuvermietungen deutlich ansteigen.“ Der Druck auf den Norderstedter Wohnungsmarkt kommt auch zunehmend aus Hamburg. Im Vergleich zu Schleswig-Holstein und Deutschland überdurchschnittliche Mieten muss man in Norderstedt auch für größere Wohnungen bezahlen. Bei den Zwei-Zimmer-Wohnungen bis 62 Quadratmeter sind je nach Baualter zwischen 6,70 und 10,52 Euro pro Quadratmeter üblich. Drei-Zimmer-Wohnungen bis 80 Quadratmeter schlagen mit 6,08 bis 9,94 Euro pro Quadratmeter zu Buche. Vier-Zimmer-Wohnungen mit bis zu 92 Quadratmetern kosten zwischen 5,08 und 10,36 Euro pro Quadratmeter. Und auch wenn es nicht viele davon in Norderstedt gibt – Wohnungen mit mehr als vier Zimmern liegen im Quadratmeterpreis zwischen 5,19 und 9,80 Euro.

Die Stadt Norderstedt erstellt ihren Mietenspiegel seit 30 Jahren. 1980 wurde er zum ersten Mal aufgelegt. Die Stadt behält damit den statistischen Überblick zur Entwicklung des Wohnungsmarktes in Norderstedt. So konnte jetzt zum Beispiel ermittelt werden, dass die Mieten seit 1999 durchschnittlich um ein Prozent pro Jahr gestiegen sind.

7110 Daten von nicht öffentlich geförderten Wohnungen fließen in die Berechnungen von Michael Holstein vom Amt für Familie und Soziales bei der Stadtverwaltung ein. „Damit haben wir einen der best fundierten Mietenspiegel in Deutschland“, sagt Holstein. Er ist „Mister Mietenspiegel“: Seit 20 Jahren betreut der Verwaltungsangestellte die Statistik. „Berücksichtigt werden Wohnhäuser mit mehr als vier Wohnungen und seit 2011 auch 2000 Genossenschaftswohnungen in der Stadt.“ Holstein arbeitet für die Datengrundlage mit dem Wohnungseigentümerverband Haus und Grund, dem Mieterverein Norderstedt und dem Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsbauunternehmen aus Hamburg zusammen. 28 Eigentümer, Genossenschaften und Verwaltungsgesellschaften legen ihre Daten aus der Vermietung offen. „Der Mietenspiegel ist eine Orientierungshilfe für Vermieter“, sagt Holstein. „Sie können ermitteln, ob die von ihnen erhobenen Mieten angemessen sind oder nicht.“ Wer deutlich über dem Mietenspiegel liege, habe schlechte Karten, sagt Sozialdezernentin Reinders: „Die Gerichte orientieren sich in ihren Urteilen regelmäßig an unserem Mietenspiegel.“