Norderstedt
Kreis Segeberg

Wo, bitte, geht’s denn hier zur Autobahn?

500 Meter jenseits der B 432 gibt es eine Aufobahnauffahrt, aber an der Bundesstraße fehlt seit 15 Jahren jeder Hinweis darauf

500 Meter jenseits der B 432 gibt es eine Aufobahnauffahrt, aber an der Bundesstraße fehlt seit 15 Jahren jeder Hinweis darauf

Foto: Frank Knittermeier / HA

Seit 15 Jahren fehlt Hinweis auf Autobahnauffahrt. Angekündigtes Hinweisschild kommt erst 2016, weil es mehr als 10.000 Euro kostet.

Kreis Segeberg.  Das arg strapazierte Wort „Schildbürgerstreich“ trifft in diesem Falle wirklich zu: Weil ein Mitarbeiter des damaligen Straßenbauamtes Itzehoe nicht aufgepasst hat, werden Autofahrer seit über 15 Jahren an der Nase herumgeführt – und es wird ein weiteres Jahr so bleiben, obwohl die Nachfolgebehörden wissen, dass mit der Beschilderung etwas nicht stimmt. Eigentlich sollte auf der Bundesstraße 432 schon in den vergangenen Monaten nachträglich ein Hinweisschild auf die A 21 und die Zufahrt in Höhe der Gemeinde Schwissel hingewiesen werden, aber inzwischen wurde die Maßnahme auf das nächste Jahr verschoben.

Es liest sich wie ein schlechter Scherz: Vor etwa 15 Jahren wurde 500 Meter abseits der B 432, in Höhe des Ortes Schwissel (Kilometer 49,0 von Molfsee aus gerechnet), eine Autobahnanschlussstelle gebaut, aber bis heute wissen nur eingeweihte Autofahrer davon. Denn auf der Bundesstraße fehlt jeder Hinweis auf die diese Anschlussstelle. Sie ist in den Navigationsgeräten enthalten, wer sich aber auf seinen eigenen Orientierungssinn oder auf die Beschilderung entlang der B 432 verlässt, ist verlassen.

Genau dieser Umstand hatte das Hamburger Abendblatt im März dieses Jahres veranlasst, einen Artikel über die „vergessene Anschlussstelle“ zu veröffentlichen. Im Zuge der Recherchen hatte sich herausgestellt: Den Behörden war die fehlende Ausschilderung gar nicht bekannt. Niemandem war aufgefallen, dass es keinen Hinweis gab. So wurde die Anschlussstelle 14 zu einer kaum frequentierten Autobahnzufahrt. „Ruhigere“ Auffahrten gibt es, das ist zu vermuten, in ganz Deutschland nicht.

Jens Sommerburg, Leiter der zuständigen Niederlassung Lübeck des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein, versprach aber eine Abänderung: Innerhalb von sechs Wochen sollten entsprechende Hinweisschilder stehen. Michael Krüger, Leiter der Verkehrsaufsicht des Kreises Segeberg, bestätigte die Aussage seines Lübecker Kollegen und versprach ebenfalls schnelle Abhilfe. Etwa 600 Euro, so schätzten Sommerburg und Krüger, werde das Anfertigen und Aufstellen der Schilder kosten.

Ende September hat sich noch nichts getan, die Autofahrer werden weiterhin an der Anschlussstelle vorbeigeführt. Warum das so ist, erklärt Jens Sommerburg: Die angedachten Kosten von 600 Euro hätten sich als völlig falsch herausgestellt. Nach neuesten Erkenntnissen werde das Aufstellen der Autobahnschilder „mehr als 10.000 Euro“ kosten. Und diesen Betrag wollen weder das Landesamt noch der Kreis Segeberg in diesem Jahr ausgeben. „2016 werden an der B 432 etliche Schilder erneuert, dann kommen auch die Autobahnschilder hinzu“, kündigt Jens Sommerburg an. Bei vielen Schildern habe die Lesbarkeit nachgelassen, sodass die Schilder ersetzt werden müssten.

Warum aber war die Kostenschätzung der Experten in der Realität nicht haltbar? Statt angekündigter 600 Euro plötzlich mindestens 10.000 Euro – was hat das zu bedeuten? Der Lübecker Leiter des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr gibt dazu diese Erklärung: „Tatsächlich handelt es ich um größere Wegweiser, die ein Fundament benötigen. Außerdem müssen sie mit Hilfe eines Gabelständers aufgestellt und befestigt werden. Das alles zusammen verursacht die hohen Kosten.“ Davon sei man vorher nicht ausgegangen.

Ahnungslose Autofahrer werden also auch in den nächsten Monaten noch zur nächsten Anschlussstelle Segeberg-Süd (Kilometer 46,4) geleitet. Oder in umgekehrter Richtung zur Anschlussstelle Leezen (Kilometer 54,5).