Baustellenbesuch

Bau der neuen A7-Fahrspuren hat begonnen

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Wolfgang Klietz
Bei Neumünster entstehen die neuen Betonflächen

Bei Neumünster entstehen die neuen Betonflächen

Foto: Wolfgang Klietz

Abendblatt-Leser waren dabei, als auf der A 7 der erste sechsspurige Abschnitt entstand. Pro Schicht wächst die Fläche um 400 Meter.

Kreis Segeberg.  Bei den Bauarbeiten auf der Autobahn 7 hat eine neue Phase begonnen. Die Abendblatt-Leser konnten den großen Moment miterleben: Baufirmen haben erstmals seit dem Start der Arbeiten im November 2014 neue Fahrbahnen gebaut. Bislang waren die Arbeiter auf der Strecke von Hamburg über Quickborn, Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen bis zum Bordesholmer Dreieck weitgehend damit beschäftigt, alte Fahrbahnen zu entfernen. „Das ist für uns ein Meilenstein“, sagt der Sprecher des Baukonsortiums Via Solutions Nord (VSN), Peter Caspar Hamel.

Die Abendblatt-Leser hatten an der Aktion „Willkommen hinter den Kulissen“ der Norderstedter Regionalredaktion teilgenommen und waren zu Gast bei VSN. Hamel informierte die Gäste und war mit ihnen zwischen Hamburg-Schnelsen und Neumünster-Nord unterwegs. Dort waren zum ersten Mal zwei riesige Maschinen im Einsatz, die gleichzeitig für drei neue Fahrbahnen und den Standstreifen den Beton verteilen, auf dem eines Tages die Fahrzeuge in Richtung Süden fahren werden. Die Dimensionen sind eindrucksvoll: In jeder Achtstundenschicht fahren Lastwagen aus einem nahegelegenen Mischwerk 3500 Kubikmeter Beton heran. Daraus entsteht ein Autobahnabschnitt von 400 Metern Länge mit zwei übereinander liegenden Betonflächen.

VSN baut die A7 auf der 65 Kilometer langen Strecke zwischen dem nördlichen Hamburg und dem Bordesholmer Dreieck von vier auf sechs Fahrstreifen aus. Außerdem wird das Baukonsortium in Höhe des Schnelsen den nördlichsten der drei Deckel errichten, die in Hamburg die Autobahn überspannen werden und für deutlich besseren Lärmschutz sorgen werden. Auf dem Deckel entstehen Grünflächen, die bislang von der Autobahn durchschnittene Stadtteile wieder zusammenfügen werden.

Der Zeitplan ist eng. „Am 28. Dezember 2018 muss die Autobahn vollständig fertig sein“, erklärte Hamel den Abendblatt-Lesern im VSN-Hauptquartier in Quickborn. So steht es in den Verträgen. Danach sorgen die Partner des Konsortiums 30 Jahre lang für einen sicheren Betrieb auf der A7 inklusive Winterdienst und Reparaturen. Dafür erhält VSN vom Bund allein für die Bauarbeiten 600 Millionen Euro. Insgesamt werden es nach 30 Jahren schätzungsweise 1,6 Milliarden sein. Verzögern sich die Bauarbeiten oder steht die A7 nach der Freigabe wegen mangelnder Wartung nur eingeschränkt zur Verfügung, reduziert sich diese Summe und damit auch der Gewinn, den VSN kalkuliert hat. „Jede Sperrung führt zu Kürzungen beim Entgeld“, sagte Hamel den Abendblatt-Lesern. Daher habe das Konsortium ein maximales Interesse daran, schnell und in hoher Qualität zu bauen. Um Platz für die breitere Autobahn zu schaffen, muss VSN 29 Brücken und 43 Unterführungen abreißen und neu errichten.

Wäre die Autobahn für den Ausbau komplett gesperrt worden, wären die Arbeiten in nicht einmal zwei Jahren erledigt gewesen. Doch allen Planern war klar: Solange kann eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen des Nordens nicht gesperrt bleiben. Außerdem darf VSN nicht auf dem gesamten Streckenabschnitt gleichzeitig bauen. Der Gesetzgeber schreibt vor, die Baustelle in Abschnitte aufzuteilen und den Autofahrern Erholungsstrecken ohne Behinderungen gönnen.

Für entspanntes Fahren und mehr Sicherheit sollen außerdem in den Baustellen die Fahrbahnen sorgen, die breiter als vorgeschrieben verlegt wurden. Das Bundesverkehrsministerium hatte VSN vorgeschrieben, Fahrstreifen über die gesetzliche Mindestbreite hinaus einzurichten und damit die Konsequenz aus den zahlreichen schweren Unfällen mit Toten und Verletzten auf der Autobahn 1 gezogen. Beim sechsspurigen Ausbau der Strecke zwischen Hamburg und Bremen waren die engen Fahrspuren berüchtigt.

Nach Hamels Einführungsvortrag fuhr er mit den Abendblatt-Lesern auf die Autobahn. Ein Abstecher führt die Gruppe nach Nützen, wo die neue Autobahnmeisterei gebaut wird, die in vier Wochen eröffnet werden soll. Dort entstehen 20 neue Arbeitsplätze. VSN hat einen nagelneuen Fuhrpark angeschafft. In einer Halle liegen bereits 5000 Tonnen Salz für den Winter bereit. Das Gebäude wurde aus Holz errichtet. Andere Materialien halten dem Salz nicht stand.

Über Baustellen- und Erholungsstrecken führte der Weg der Gruppe zur Anschlussstelle Neumünster-Einfeld, wo in diesen Tagen die erste neue Fahrbahn entsteht. Von dort ging die Tour weiter nach Hamburg-Schnelsen zu zwei provisorischen Metallbrücken, die die A7 überspannen. Die Betonüberführungen wurden zuvor abgerissen, um Platz für den Autobahndeckel zu schaffen. Der 550 Meter lange Tunnelbau wird unter den provisorischen Brücken entstehen. Platz für die neuen Fahrspuren hat VSN geschaffen, die Seitenwände wurden bereits befestigt.

Ob VSN die beiden anderen Tunnel in Hamburg bauen wird, ist noch offen.

„Willkommen hinter den Kulissen!“führt die Abendblatt-Leser erneut auf eine besondere Baustelle. Am Donnerstag, 8. Oktober, haben sie die letzte Chance, das Krankenhaus Kaltenkirchen zu besuchen. Die Gäste gehen mit Fachleuten in die Ruine und können danach den Abrissbagger ausprobieren. Die Zahl der Teilnehmer ist begrenzt. Anmeldungen bis zum 27. September an norderstedt@abendblatt.de.

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