Norderstedt
Serie: Teil 1

Die Ausfallstraßen und Vorurteile von Norderstedt

Sportmoderator Andreas Käckell mit seiner Frau Janka und seinem Sohn Silas

Sportmoderator Andreas Käckell mit seiner Frau Janka und seinem Sohn Silas

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Großstadt oder Umland? Wir vergleichen Hamburger Stadtteile mit angrenzenden Kommunen. Heute: Langenhorn und Norderstedt.

Norderstedt macht es einem mitunter nicht leicht, es zu mögen. Wer mit der 77.000-Einwohner-Stadt im nördlichen Speckgürtel Hamburgs weiter nichts am Hut hat, der kennt sie höchstens vom Durchfahren. Entweder über die Ohe- und die Segeberger Chaussee in Richtung Autobahn 7 oder über die Ulzburger Straße in Richtung Norden. Links und rechts dieser Ausfallstraßen bietet Norderstedt nicht viel Trost für ein Auge auf der Suche nach Schönheit. Andreas Käckell, 50, erging es nicht anders. „Als ich die Ulze zum ersten Mal hoch- und wieder runtergefahren bin, dachte ich: Mann, hier willste echt nicht wohnen!“ Dabei ist Norderstedt heute für ihn, seine Frau und die drei Kinder der Lebensmittelpunkt.

Den Sportjournalisten Käckell kennen die Deutschen als Moderator des Sportblocks in den Tagesthemen und die Zuschauer des NDR als Leiter des Sportclubs. Die Norderstedter kennen Käckell als mitfiebernden Fußball-Papa an der Stange neben dem Platz bei Eintracht Norderstedt, als Gemeindemitglied in der Vicelin-Schalom-Kirchengemeinde, als Bruder im Rotary Club Norderstedt oder als Moderator, sei es beim Festakt zum 40-jährigen Bestehen der Behinderteneinrichtung Norderstedter Werkstätten oder bei der 25-Jahre-Feier des Mütterzentrums. Käckell bringt sich ein, er ist ein Norderstedter geworden. „Und dazu steh’ ich.“

Norderstedt enstand 1970 aus vier Gemeinden

Mit Vorurteilen über das als langweilige Schlafstadt verschriene Norderstedt wird Käckell immer wieder konfrontiert. „Ich vergleiche Norderstedt mit meiner Heimatstadt Kassel: Da musst du auch die Special Places kennen.“ Wer Norderstedt entdecken und Vorurteile abbauen möchte, der müsse die Ausfallstraßen verlassen. „Und dann stößt du auf Straßenzüge und Wohngebiete voller Charme“, sagt Käckell. Oder auf den zur Landesgartenschau vor vier Jahren gebauten Stadtpark mit seiner Wasserski-Anlage, dem Strandbad und den unzähligen Angeboten rund um Kultur, Sport und Spiel.

Norderstedt ist keine gewachsene Stadt mit Kirche und Marktplatz in der Mitte. Norderstedt ist die 1970 aus den vier Gemeinden Garstedt, Glashütte, Harksheide und Friedrichsgabe zusammengeschusterte fünftgrößte Stadt Schleswig-Holsteins. Das auf dem Reißbrett entstandene Herz der Stadt ist ein gar nicht mal so hässliches Rotklinker-Quartier mit massiver Infrastruktur. In Norderstedt-Mitte endet die Linie U1 und beginnt die Linie A2 der AKN, hier starten die Busse, hier sind das Rathaus, das Veranstaltungszentrum „TriBühne“, das Spectrum-Kino, das Amtsgericht, die Volkshochschule, zahlreiche Ärzte, Anwälte und – nicht zuletzt – die Regionalredaktion des Hamburger Abendblattes, die gemeinsam mit den Kollegen des NDR-Studios Norderstedt und des Stadtsenders NOA4 ein Medienzentrum bildet.

Für Idylle und Wohnlichkeit sind die Ursprungsgemeinden zuständig. Es gibt norddeutsche Reetdach-Gemütlichkeit in Garstedt, niedliche Siedlungshäuser in Friedrichsgabe, gepflegte Einfamilienhäuser in Harksheide und die eine oder andere Villa in Glashütte – nur ein paar Straßenecken entfernt von der urbanen Hochhaussiedlung rund um den Glashütter Markt. Will meinen: Homogen ist Norderstedt nicht aufgebaut. Im Prinzip bieten alle Ursprungsgemeinden alle Wohnformen. Und in den Gewerbegebieten mit Arbeitgebern wie Jungheinrich, Johnson&Johnson, Tesa, Casio, Schülke und etlichen international tätigen Mittelständlern gibt es jede Menge Arbeitsplätze. Norderstedt ist eine vergleichsweise reiche Kommune und die wirtschaftlich dynamischste in ganz Schleswig-Holstein.

Die Stadt der kurzen Wege

Andreas Käckell lebt mit seiner Familie jetzt übrigens unweit der „Ulze“ in einem Neubaugebiet. Dort, wo er nach seinem ersten Eindruck nie leben wollte. „Doch das ist mittendrin und bietet genau das, was ich an Norderstedt so gut finde: kurze Wege.“ Das Coppernicus-Gymnasium – eines von vier Gymnasien in der Stadt – kann Sohn Paul in ein paar Minuten zu Fuß erreichen. Das Einkaufszentrum Herold-Center mit 150 der gängigen Ketten-Shops in Garstedt und die U-Bahn liegen gleich neben der Schule. „Und mit dem Auto bin ich schnell über Schnelsen-Nord auf der Autobahn. Schon ziemlich perfekt“, sagt Käckell.

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