Norderstedt
Borstel

Pollenmessstation soll Allergikern helfen

Hatschi! 15 Prozent der Deutschen sind gegen die Pollen von Birken, Erlen oder Haselnusssträuchern allergisch

Hatschi! 15 Prozent der Deutschen sind gegen die Pollen von Birken, Erlen oder Haselnusssträuchern allergisch

Foto: picture alliance / gms

Künftig wird es regionale Pollenflugdaten von Borstel aus für den Kreis Segeberg geben. Ein Service für Allergiker.

Borstel.  Wenn 15 Prozent der Deutschen Birken, Erlen oder Haselnusssträucher nur sehen, dann holen sie schon mal das Taschentuch raus. Denn so viele Menschen unter den 18- bis 79-Jährigen leiden unter einer Pollenallergie. Juckende Augen, Niesreiz und Kopfschmerzen, bis hin zu asthmatischen Anfällen mit Atemnot. Die Pollen der Birke zählen dabei zu den häufigsten Allergieauslösern, gefolgt von Hasel-, Erle- und Gräserpollen.

Für alle, die dieses Schicksal im Kreis Segeberg teilen, ist es eine gute Nachricht, dass das Forschungszen-trum Borstel jetzt eine Pollenmessstelle für die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst aufbaut. Ein Netz von etwa 60 dieser Messstationen hat die Stiftung in Deutschland aufgebaut.In Schleswig-Holstein gibt es Stationen auf Sylt, in Flensburg, Kiel und Aukrug – und demnächst in Borstel. Künftig wird es also ganz regionale Pollenflugdaten aus dem Kreis Segeberg geben.

Der Pollenflug und die Pollenverbreitung sind regional und saisonal sehr unterschiedlich. Bei den Messstationen handelt es sich um Pollenfallen, die sich mit dem Wind ausrichten und dabei ein definiertes Volumen an Luft ansaugen. Die in der Luft enthaltenden Pollen bleiben an einem speziell beschichteten Plastikstreifen in der Falle haften und können durch die Mitarbeiter der Pollenstationen kontinuierlich entnommen und ausgewertet werden.

Speziell geschulte Mitarbeiter des Forschungszentrums Borstel bestimmen und zählen dann die Pollenarten anhand charakteristischer Strukturen unter dem Lichtmikroskop. Die Ergebnisse der Pollenzählungen werden während der gesamten Pollensaison aus den Messstationen an die Wetterdienste zur Aufbereitung der Pollenflugvorhersagen und deren Verbreitung über die Medien für betroffene Pollenallergiker gemeldet. Alle gewonnenen Messdaten gehen in die Datenbank der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) und des Europäischen Polleninformationssystems (epi) zu Forschungszwecken ein. Die Messstation in Borstel erhöht die Vorhersagegenauigkeit für den Pollenflug und die Pollendiversität in Schleswig-Holstein. „Ich freue mich sehr, dass wir an dieser äußerst wichtigen Initiative teilnehmen und hier in Borstel längerfristig eine Messstation aufbauen können,“ sagt Professor Heinz Fehrenbach, Programmdirektor des Bereichs Asthma und Allergie am Forschungszentrum Borstel. Gemeinsam mit Professorin Uta Jappe, Leiterin der Forschungsgruppe Klinische und Molekulare Allergologie und Oberärztin der Medizinischen Klinik, wird er die Messstation betreuen. „Neben den Daten, die direkt den Allergikern anlässlich der Pollenflugvorhersage zugute kommen, möchten wir die erhobenen Daten ebenfalls für Forschungsprojekte nutzen.“

Die genaue Kenntnis der jeweiligen saisonalen Pollenbelastung ist nicht nur für die Wahl der richtigen Allergene zur spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) sehr wichtig, sondern spielt auch für klinische Studien zu neu entwickelten Allergiemedikamenten eine sehr wichtige Rolle. Denn hier müssen nach Beginn der Behandlung die Symptome der Patienten oder deren verringertes Auftreten während der Pollenflugsaison in Beziehung zur Pollenbelastung gesetzt werden, da sonst keine soliden Aussagen zur Wirksamkeit der Therapie getroffen werden können. In diesem Sinne stellt die neue Pollenmessstation des FZB ein bedeutendes Werkzeug der klinisch-wissenschaftlichen Arbeit an der Volkskrankheit Allergie dar.

Die Pollenfalle am FZB wird durch die Schleswig-Holsteinische Gesellschaft zur Verhütung und Bekämpfung der Tuberkulose und der Lungenerkrankungen finanziert und soll in der kommenden Saison funktionsbereit sein.